Bundesweit einzigartiges Projekt zur Beatmungsentwöhnung in Hofheim

Wieder frei atmen können

Krankenschwester Hiltrud hilft Patient Heinz Bertram beim Inhalieren. Foto: Kliniken/ Maik Reuss

Hofheim (red) – Das Krankenhaus Hofheim geht neue Wege bei schwerkranken beatmungsabhängigen Patienten: Im Rahmen eines neuen Versorgungsvertrages zwischen der Klinik und der AOK Hessen, des ersten seiner Art in Deutschland, hat das „Therapiezentrum für außerklinische Beatmung“ (TAB) seinen Betrieb aufgenommen.

Das TAB ist für Patienten gedacht, die nach der Entlassung aus der akuten Krankenhausbehandlung – auch aus einem Weaningzentrum – noch invasive Beatmung benötigen oder mit einer Trachealkanüle versorgt sind. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass es bei den meisten Patienten gelingt, sie von der Beatmung zu entwöhnen und von der Kanüle zu befreien. .

Fünf hessische Kliniken

Schwere Erkrankungen ganz unterschiedlicher Art können dazu führen, dass ein Patient über längere Zeit invasiv beatmet werden muss. Dies geschieht meist über eine Trachealkanüle, die vom Hals direkt in die Luftröhre führt. Durch diese Langzeitbeatmung besteht bei einigen Fällen auch nach der Krankenhausbehandlung weiterhin eine Beatmungs- oder Absaugpflicht.

In insgesamt fünf hessischen Kliniken mit erfahrenen Weaning-Stationen gibt es mittlerweile so genannte Therapiezentren für außerklinische Beatmung (TAB). Das TAB-Konzept verfolgt eine langfristige Stabilisierung der Betroffenen mit dem Ziel, sie vor einer lebenslangen Beatmung zu bewahren. Zu diesem Zweck erfolgt im TAB eine permanente Betreuung durch erfahrenes Pflegepersonal, ebenso wie diverse tägliche Behandlungseinheiten an Physiotherapie, Atmungs-, Logo- und Ergotherapie von Montag bis Samstag. „Die Menschen, die zu uns kommen, haben oft schon mehrere Monate in einem Krankenhaus zugebracht“, weiß Stefan Schad, Geschäftsführer der Kliniken des Main-Taunus-Kreises. „Doch nach dem Aufenthalt im TAB stellen sich vielfach beachtliche Behandlungserfolge ein. Unser Ziel ist es, dem Patienten ein selbstbestimmtes, von Maschinen unabhängiges Leben zu ermöglichen. Insofern sind wir uns sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.“

AOK finanziert

Finanziert wird die Therapie von der AOK Hessen, sie ist bislang auch nur für ihre Versicherten möglich. „Der enorme Anstieg beatmeter Patienten, die rund um die Uhr von Pflegefachkräften betreut werden müssen, ist das eine. Das andere: Uns haben Studien zur subjektiv empfundenen Lebensqualität beatmeter Menschen in ihrer Häuslichkeit nachdenklich gemacht. All das hat uns dazu bewogen, in eine umfassende Analyse einzusteigen. Mit den beteiligten Kliniken haben wir erkannt, dass die bestehenden Versorgungsstrukturen nicht ausreichen, um alle Menschen zu entwöhnen, die entwöhnt werden könnten“, so Robert Ringer, Pflege-Chef der Gesundheitskasse.

Tatsächlich wird mehr Zeit benötigt, um in wohnlicher Atmosphäre, weg vom klinischen Alltag, sehr individuell betreut, mit Unterstützung eines hoch professionellen und erfahrenen Ärzte-, Pflege- und Therapeutenteams, jegliches Potenzial heben zu können.

Allein, wenn es der betroffenen Person nach einer gewissen Zeit gelingt, wieder aufrecht stehen zu können, sei das laut Ringer ein großartiger Erfolg, um so mehr, wenn der Patient schließlich selbstständig gehend und atmend nach Hause zurückkehren kann.

Der richtige Weg

„Wir kennen jeden einzelnen Betroffenen, besprechen den jeweiligen Verlauf in Fallkonferenzen mit der Klinik, und die ersten, sehr positiven Ergebnisse zeigen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden“, so Ringer. Ähnliche Kooperationen wie in Hessen gibt es derzeit nicht. „Das ist schon Neuland. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis andere nachziehen.“ Auch die Politik hat das Thema aufgegriffen und mit dem Entwurf des „Gesetz zur Stärkung von Rehabilitation und intensivpflegerischer Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung“ Verbesserungen auf den Weg gebracht.

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