Kinder aus der Tschernobyl-Region zu Gast in Hofheim

Unbeschwerte Zeiten für ein paar Wochen im Jahren erleben

Coole Nummer von Gisela Stang (r.): Die Bürgermeisterin lud die Kinder aus Tschernobyl und ihre beiden Betreuerinnen zum Eisessen ein. Foto: Stadt Hofheim

HOFHEIM (umb) – Auf Sky können sich die TV-Zuschauer derzeit die Katastrophe von Tschernobyl 33 Jahre nach dem Super-Gau im packenden Serienformat anschauen.

Viele erinnern sich heute noch an die Tage im April 1986, als radioaktive Niederschläge auch im Taunus für höchste Unsicherheit sorgten.

Schon sehr bald darauf gründeten sich erste Hilfsorganisationen, die den Kindern von Tschernobyl wenigstens für ein paar Tage oder Wochen im Jahr einen Aufenthalt fernab vom Krisengebiet ermöglichen wollten. Auch in Hofheim wurden Menschen aktiv. Und sind es geblieben. Etwa der Arbeitskreis Tschernobyl-Kinder der evangelischen Johannesgemeinde für Mädchen und Jungen, die wegen des Reaktor-Unfalls und seiner Folgen gesundheitlich geschwächt sind. Seit 28 Jahren sind die Menschen aktiv und jetzt waren Kinder dabei, deren Eltern schon als Schüler am Erholungsurlaub in Hofheim teilgenommen haben.

Wie in jedem Jahr begrüßte Stang in ihrem Büro die Kinder, die Deutschlehrerinnen Irina Kotowitsch und Olga Kultschitskaja sowie Galina Roth, Vorsitzende des Arbeitskreises. Als Geschenk überreichte sie jedem Kind einen Hofheim-Turnbeutel, in dem eine Tüte Gummibärchen steckte. Die Betreuerinnen freuten sich über eine Hofheim-Einkaufstasche. Als besondere Überraschung lud Gisela Stang kleine und große Gäste zum gemeinsamen Eis-essen ein. „Die Reaktorkatastrophe liegt 33 Jahre zurück, aber die Menschen in der Region um Tschernobyl spüren die Folgen bis heute. Deshalb danke ich dem Arbeitskreis, den Kirchengemeinden und den Gasteltern in Hofheim dafür, dass sie in ihrem Engagement für die Kinder nicht nachlassen“, sagte Stang. Die Kinder der 4. oder 5. Klasse (abwechselnd) besuchen die kleinen Dorfschulen in Lyschtscha und Putschiny..

Wiederholungskinder gibt es nur in Ausnahmefällen, denn dem Arbeitskreis liegt daran, dass möglichst alle Kinder die Chance erhalten, wenigstens einmal in ihrem Leben reisen zu dürfen und vor allem gesundheitlich gestärkt zu werden, um die schwierigen Situationen in ihrer Heimat besser überstehen zu können. Die neun und zehn Jahre alten Kinder waren bis Samstag in Hofheim und sind nach langer Busfahrt am Sonntag zu Hause agenkommen. Irina Kotowitsch, die bereits seit 21 Jahren als Übersetzerin mit nach Hofheim kommt, ist als Deutschlehrerin an einer der beiden Dorfschulen tätig. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Olga Kultschitskaja war sie rund um die Uhr für die Kinder zum Übersetzen da.

Die Kinder erlebten in Hofheim eine unbeschwerte, abwechslungsreiche Zeit. Tagsüber wurden sie im katholischen Gemeindezentrum St. Georg in Marxheim betreut und brachen von dort zu vielen Ausflügen auf, etwa zum Parkbad Kriftel, zum Opel-Zoo in Kronberg, zur Rhein-Main-Therme, zum Tobolino in Mainz, zur Lochmühle in Wehrheim und zum Frankfurter Flughafen. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Lorsbach waren die Kinder zu einer Löschübung und zum Grillen eingeladen, im Familienhaus Langenhain zum Bastel- und Spieltag und zum Sommerfest der Johannesgemeinde.

Dank eines gut funktionierenden Netzwerkes ist es möglich, dass alle Kinder des Schuljahrgangs – unabhängig von den finanziellen Verhältnissen ihrer Eltern – nach Hofheim reisen, die Ausflüge machen und auch medizinisch behandelt werden können. Dafür engagieren sich Firmen, Institutionen, Kirchengemeinden, Privatpersonen zum Beispiel mit Spenden, Ärzte und Zahnärzte mit kostenlosen Behandlungen und nicht zuletzt die Gastfamilien, die den Kindern für drei Wochen ein liebevolles Zuhause geben.

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