Zwei Mädchen leben Traum

Schüler entwickeln eigenes Bühenenwerk

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In der Mitte der zweiten Reihe sitzt die Eschbornerin Lena Diekmann, die die Hauptrolle im Musical „Mina“ spielt. Daneben Ole Schwarz (Finn) und Zinah Edzave als Leinwanddiva sowie die Mitglieder des Chores.

Eschborn/Frankfurt (umb) – Vor gut einem Jahr startete ein einzigartiges, zunächst namenloses Jugendprojekt: Musiktheaterbegeisterte Schüler im Alter von 13 bis 20 Jahren entwickelten unter der Leitung des Komponisten Uwe Dierksen und der Schriftstellerin Sonja Rudorf ein eigenes Bühnenwerk.

Das Besondere dabei war, dass sich die Jugendlichen aus Frankfurt, dem Rhein-Main-Gebiet, Fulda und Aschaffenburg selbst als Textdichter und Komponisten versuchen durften. Lena Diekmann (14) aus Schwalbach und Martha Badenhop (16) aus Eschborn waren von Anfang an dabei. Mit ganzem Herzen. Schließlich waren sie in der Woche vor der Uraufführung am vergangenen Samstag täglich von 16 bis 20 Uhr auf der Probebühne. In den Winterferien wurde sogar täglich von 10 bis 17 Uhr geprobt. Das macht nur, wer sich einen Traum erfüllen kann. Und Lena kann. Die Neuntklässlerin aus der Heinrich-von-Kleist-Schule singt schließlich die Titelrolle in „Mina“.

„Mega-Erfahrung“

Und auch Martha, ebenfalls HvK-Schülerin, will auf die Bühne und schwärmt von der „Mega-Erfahrung“, die die echte Opernproduktion gebracht hat. Angefangen hat alles mit einem Casting im Dezember 2017. Danach folgten ab Februar 2018 intensive musikalische Improvisationssessions und Workshops im kreativen Schreiben, und die Jugendlichen nahmen dafür an fast jedem Wochenende und während der Schulferien zum Teil sehr weite Wege auf sich. So entstand eine außergewöhnliche Musik: Sie changiert zwischen Pop, Barock, experimenteller Musik und Improvisation. Uwe Dierksen gab den jungen Musizierenden die Möglichkeit, neue und ungewöhnliche Klänge kennenzulernen und diese weiterzuentwickeln.

Das „Schreibteam“ beschäftigte sich zunächst mit der Suche nach einem Plot und der Frage: Was beschäftigt uns so sehr in unserem Alltag, dass wir es auf die Bühne bringen möchten? Interessanterweise waren sich alle Mitglieder dieses Teams sofort einig darüber, dass es nicht die Themen Mobbing, Social Media oder Integration sind, sondern ein von den aktuellen Nachrichten unabhängiges, aber dennoch allgegenwärtiges Thema: Freiheit. Nachdem die Handlung um die junge Erwachsene Mina, ihren eintönigen, durchstrukturierten Alltag und ihren Weg in ein unabhängiges Leben fertiggestellt war, stand fest, dass die Protagonistin auch gleichsam den Titel des Stückes verkörpert: Mina.

Zeitintensive Phase

Zunächst arbeiteten beide Teams – das „Kompositionsteam“ und das „Schreibteam“ – parallel. Nachdem ein Großteil der Songs und der Handlung fertig war, folgte eine zeitintensive Phase des Zusammenfügens von Musik und Text. Seit November 2018 schlüpfen die Jugendlichen dann in die Rollen der Orchestermusiker und Sänger mit Unterstützung der Frankfurter Bläserschule unter der Leitung von Sunhild Pfeiffer, während die Regisseurin Ute M. Engelhardt, ehemals als Regieassistentin an der Oper Frankfurt tätig, die Szene erarbeitet.

Letzte Chance, das absolut sehens- und hörenswerte Ergebnis zu erleben, gibt es heute um 11 und 19.30 Uhr im Bockenheimer Depot.

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