Ausstellung „Bewegte Zeiten – Frankfurt in den 1960er Jahren“ im Institut für Stadtgeschichte

Kennedy, Demos und die U-Bahn

René Heinen, Franziska Kiermeier und Markus Häfner stellen die Ausstellung und das Buch zu „Bewegte Zeiten – Frankfurt in den 1960er Jahren“ vor. Foto: Faure

Frankfurt (jf) – Vor der Tram 23 sitzen junge Leute und lesen vom Mordanschlag auf Rudi Dutschke. Es ist der 13. April 1968.

Dieses Foto ist sowohl auf dem Programmflyer als auch auf dem Begleitbuch zur Ausstellung „Bewegte Zeiten – Frankfurt in den 1960er Jahren“ im Dormitorium des Karmeliterklosters, heute Institut für Stadtgeschichte, zu sehen. Es steht symptomatisch für ein Jahrzehnt des Aufbruchs – auch und gerade in der Metropole am Main.

„Die Exposition schließt sich an die Ausstellung ‚Schauplätze. Frankfurt in den 50er Jahren‘ von 2016 an“, erläuterte Franziska Kiermeier, Leiterin der Abteilung Zeitgeschichte. „Sie zeigt nicht nur Ereignisse, sondern spiegelt auch ein Lebensgefühl wider: Man kaufte Kühlschränke und Farbfernseher. Es ging um sexuelle Aufklärung und Emanzipation.“

Manche Entscheidungen, die im sechsten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in Frankfurt getroffen wurden, haben auch zu Fehlentwicklungen geführt. Wollte man damals „die autogerechte Stadt“ gestalten, kommen uns die Folgen dieser Verkehrsplanung heute teuer zu stehen. Froh hingegen sind alle über die U-Bahn – obwohl die offene Bauweise mehr als fünf Jahre viel Geduld von den Frankfurtern forderte.

1960 wurde mit dem 68 Meter hohen Zürich-Haus, an dessen Stelle heute der 170 Meter hohe Opernturm steht, die Grundlage zur beeindruckenden Skyline geschaffen. 1963 öffnete die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz, gegenwärtig diskutiert die Stadt über den Neubau der Städtischen Bühnen.

Die Ausstellung ist ausschließlich aus den Beständen des Instituts für Stadtgeschichte zusammengestellt worden. Die Sammlungen enthalten zwei Millionen Fotos, 40.000 zeitgeschichtliche Dossiers, 70.000 Karten und Pläne, diverse Nachlässe.

Kurator Markus Häfner weist auf deutliche Veränderungen im Stadtbild hin: Wo sich noch in den 1960er Jahren ein Park- und Festplatz befand, präsentiert sich seit dem vergangenen Jahr die Neue Altstadt – die wohl signifikanteste Veränderung. 1960 öffnete die neue Neckermann-Zentrale, in den 800 Seiten starken Katalogen wurde alles angeboten. Damals hatte der Mann von Welt noch lässig eine Zigarette in der Hand. Und der Button der SPD trug in den 60ern gelbe Buchstaben auf blauem Grund. „Die Demonstrationen gegen die Notstandsgesetze waren mit rund 20.000 Teilnehmern die größten Straßenproteste in Frankfurt“, sagt Häfner. Verhindern konnten sie die Gesetze nicht. Andere Demos bewirkten etwas – etwa in der Bildungspolitik. Auch wenn es langsam ging. 430 Stunden Zeugenaussagen der Auschwitz-Prozesse (1963 bis 1968) sind seit 2018 Unesco-Weltdokumentenerbe.

„Die Ausstellung beleuchtet 25 Ereignisse, Entwicklungen und Entscheidungen in kompakter Form auf Tafeln und mit Objekten in Vitrinen“, sagt Häfner und weist auf Neuerungen wie gendergerechte Sprache, mit großen Bildern bedruckte Lamellenvorhänge, Medienstationen und Führungen, die Kinder erarbeiten können, hin. Zur Ausstellung erschien im Societäts-Verlag ein knapp 200 Seiten starkes Buch. Verlagsleiter René Heinen (54) kann sich zwar aufgrund seines Alters nicht an die Blockade des Verlagshauses am 15. April 1968 erinnern, aber damals wollte man die Auslieferung der Bild-Zeitung verhindern. Kennedy besuchte Frankfurt 1963, die Beatles hatten 64 einen Stopover am Flughafen. Jimi Hendrix war 69 in der ausverkauften Jahrhunderthalle, die Karte kostete sechs Mark. Das und mehr gibt es zu entdecken in den 60er Jahren in Frankfurt.

Der Taunus WochenBlick verlost drei Begleitbände zur Ausstellung „Bewegte Zeiten – Frankfurt in den 1960ern“. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit Namen, Adresse und Betreff „Bewegte Zeiten“ an gewinn@frankfurter-wochenblatt.de. Einsendeschluss ist Dienstag, 18. Februar, zehn Uhr. Der Verlag beachtet bei Speicherung und Verwendung der Daten die datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Sie werden nur für das Gewinnspiel erhoben und verarbeitet, nicht weitergegeben.

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