Weingartenschule in Kriftel feiert ihre Abgänge und ein paar Tugenden

Ein Hoch auf Euch! Und auf die Zukunft!

Beim Abschlussfoto standen alle – inzwischen ehemaligen – Weingartenschüler noch einmal zusammen. Fotos: Alexander van de Loo

Kriftel (Loo) – Respekt. So viele waren es noch nie. Insgesamt 161 Schüler feierten jetzt nebst Angehörigen ihren Schulabschluss.

32 Hauptschüler, davon 27 mit Qualifikation, 70 Realschüler, davon 49 mit Fachoberschulempfehlung, 33 mit Gymnasialempfehlung und 59 mit Gymnasialabschluss. Die Mädchen in schönen wehenden Kleidern oder luftigen Jump-Suits. Viele Jungs haben Anzüge an oder zumindest ein weißes Hemd und dunkle Hose, einige haben sogar Krawatten umgebunden. Ein besonderer Tag, das sollte man sehen. In der Sporthalle wurden die Abschlusszeugnisse verteilt und die jungen Leute in die Freiheit entlassen. „Freiheit“ stimmt schon für einige, wie zum Beispiel für die Schülerin Yves. Sie habe eine Freiheit sogar innerhalb der WGS gespürt, sei die Schule doch der Ort gewesen, an dem sie im Kunstkurs die künstlerische Freiheit kennenlernte.

Generell währt die Freiheit ja für die meisten hier nur kurz. Sechs Wochen, und schon geht es weiter. Abitur und Berufsausbildung lassen grüßen. „Klar, wir haben hier jahrelang Freundschaften aufgebaut“, sagen Meleba, Aicha und Sudenaz, „aber jetzt haben wir ein neues Ziel!“ Es sei gut, etwas Neues zu wagen, betont auch die kommissarische Schulleiterin Elke Wetterau-Bein in ihrer Rede an die versammelte Zuhörerschaft. Ihr beherztes „Traut euch!“ haben gewiss so einige schon verinnerlicht, und auch ihr Appell „bleibt neugierig!“ erhält Applaus.

Lernbereitschaft – für die einen eher ein Albtraum, für die anderen ein Traum. Bei den drei besten ausländischen Schülern, die von der Vorsitzenden des Krifteler Ausländerbeirates, Carmen Jimenez, vorgestellt und geehrt werden, gingen Träume in Erfüllung. Yeo Yool Kim aus Südkorea, Maya Kourieh aus Syrien und Walid Djan aus Afghanistan seien beste Beispiele für gelungene Integration, so Jimenez. Sie zeigten gute Leistungen und sprechen ein gutes Deutsch. „Die Sprache gut zu sprechen“, sei ein Muss, so Jimenez. „Ohne Fordern kein Fördern!“, das sei die Zukunft.

Nach diesen guten Aussichten folgte ein visueller Rückblick auf das Jahr. Da fiel besonders der Tugendkanon von Manuela Becker, die Klassenlehrerin der G10b, ins Auge. Sie bat ihre Abgangsschüler, für ihr Weiterkommen die Qualitäten der Frankfurter Eintracht zu beherzigen: Siegeswillen, Können, Zielstrebigkeit und hohe Trefferquote. Des Weiteren stellte sie in einer recht persönlichen Ansprache die Schwierigkeit dar, nach der 10. Klasse die richtige Entscheidung für sich zu treffen – unabhängig von Elternwünschen und eigenen Bedenken. Es gibt eben nichts Gutes, außer man tut es.

Passend dazu hob Eva Wittchen, Klassenlehrerin der H9a, in ihrem Videobeitrag die Tugenden der Weingartenschule hervor: Pünktlichkeit, Disziplin, Zuverlässigkeit und Respekt. Und tatsächlich, in einer spontanen Umfrage unter den Jugendlichen stimmen viele so wie Sara, Emely und Maya zu: „Respekt für andere spielt an der WGS eine große Rolle.“

Es sei eben eine Gesamt-Schule, wie Elke Wetterau-Bein bemerkte, „ein bunt gemischtes Abbild der Gesellschaft“. Ohne Regeln gehe da nichts. Dem konnte Bürgermeister Christian Seitz, selbst ein ehemaliger WGS-Abgänger, nur zustimmen. „Engagiert euch für das Gemeinwohl, warum nicht in der Politik?“, lautet sein Wunsch. Dass da ein Bedarf an Nachwuchs besteht, weiß so manche Kommune.

Manuela Becker setzte in ihrem Appell noch einen obendrauf: „Habt Mut und probiert Dinge aus, die ihr euch erst einmal nicht zutraut. Werdet Programmierer, Schulsprecher oder Klimaschützer!“

Die engagierte WGS-Schulband zeigt schließlich eindrucksvoll, wie das geht ... über sich hinauszuwachsen. Da blitzte – von Musiklehrerin Carolin Acker angeleitet – das eine oder andere Talent im Gesang oder an der Gitarre auf. Bemerkenswert auch, was der amerikanische Austauschschüler Mark über sein Austauschjahr zu sagen hatte. Der Unterricht sei hier viel abwechslungsreicher als in den USA, das deutsche Brot unvergleichlich gut. „Abi in Deutschland, das wäre super“, sagte er überzeugt.

Alexander van de Loo

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