Engagierte Bürgerin

Erika Haindl ist tot

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Erika Haindl ist einen Tag nach ihrem 88. Geburtstag verstorben.

Hofheim (red) – Erika Haindl ist tot. Die Trägerin des goldenen Ehrenrings der Stadt ist am vergangenen Sonntag, einen Tag nach ihrem 88. Geburtstag, verstorben. „Mit Trauer haben wir die Nachricht aufgenommen.

Unsere Stadt hat eine herausragend engagierte Mitbürgerin verloren. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie“, würdigten Bürgermeisterin Gisela Stang und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler die Verstorbene: „Insbesondere in den Feldern Kommunalpolitik und Kultur sowie Menschen- und Frauenrechte sind Erika Haindls Verdienste für Hofheim kaum hoch genug anzurechnen. Daneben war sie Ehefrau, zog als Mutter zwei Kinder groß und war später als Großmutter für ihre beiden Enkel da“, sagte Stang.

Ehrenring in Gold

Im April 2011 wurde Erika Haindl mit dem Ehrenring in Gold der Stadt Hofheim ausgezeichnet. Dies ist, nach dem Ehrenbürger, die zweithöchste städtische Auszeichnung. Außerdem erhielt sie gemeinsam mit Hermann Haindl 1979 den „Deutschen Preis für Denkmalschutz“ durch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz. 1985 wurde sie mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen und 1991 mit der Ehrennadel in Silber der Stadt Hofheim ausgezeichnet. 2012 folgte das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Für den Ehrenbeirat, der die Verleihung des Ehrenrings in Gold der Stadt Hofheim 2011 beschlossen hat, war es völlig klar, dass Erika Haindl alle Voraussetzungen erfüllt. So setzte sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als 40 Jahren im Stadtbild Hofheims zahlreiche Zeichen, die das Ansehen der Kreisstadt steigern und auf welche die Stadt stolz ist. Das Stadtmuseum, für dessen Realisierung sich Erika Haindl eingesetzt hat, ist eines der prominentesten Beispiele für ihr Wirken in Hofheim.

Wirken in Hofheim

Aber es gibt natürlich noch viele weitere: Dr. Erika Haindl war Mitbegründerin des „Kunstvereins Hofheim“ und war von 1968 bis 1987 dessen Vorsitzende. 1974 organisierte sie selbständig die erste Hofheimer Kulturwoche in Zusammenarbeit mit dem Magistrat. Der Titel war „Soziokulturelle Integration der ehemals selbständigen Gemeinden nach der Gebietsreform“.

Ebenfalls 1974 rief sie als Mit-begründerin die „Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt“ ins Leben. 1976 stand die Pilotsanierung eines historischen Bauerngehöftes in der Altstadt, gemeinsam mit ihrem Mann Hermann Haindl, an. Das Obergeschoss stellten Haindls für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

1982 sanierten die Eheleute eine alte Fachwerkscheune zum „Atelier Haindl“, das für Ausstellungen genutzt wird. Seit 1985 war Erika Haindl Mitglied der Arbeitsgruppe des Stadtmuseums Hofheim, die ihre Arbeit mit dessen Eröffnung erfolgreich zu Ende brachte. 1987 initiierte sie gemeinsam mit ihrem Mann die Gründung des „Zentrums für altes und neues Wissen und Handeln e.V.“, war als Referentin tätig und organisierte das Zentrum bis 2001 ehrenamtlich. In der Lokalen Agenda 21 und am Stadtleitbild Hofheim wirkte sie mit. Eine hohe Wertschätzung erfuhr das Ehepaar Haindl 2011 durch Hofheims italienische Partnerstadt: Die Stadt Buccino ernannte Erika und Hermann Haindl zu Ehrenbürgern.

Nicht zu vergessen ist auch, dass sich Erika Haindl auf Kreisebene für die Kunst (Förderkreis Kunstsammlung MTK) und den Denkmalschutz (Förderkreis Denkmalpflege MTK, Mitglied Denkmalbeirat der Unteren Denkmalschutzbehörde des MTK) eingesetzt hat. Sie war auch kommunalpolitisch äußerst engagiert. Von 1972 bis 1981 war sie Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Hofheim.

Hexenverfolgung

Auf ihre Initiative wurde das Ziel der Rehabilitierung der Opfer der Hexenverfolgung durch das „Kurfürstliche Amt Höchst-Hofheim“ erreicht. Ein Thema, das die städtischen Gremien bewegte und beschäftigte. 2001 stiftete Erika Haindl – aus Anlass ihres 70. Geburtstages – der Stadt ein Relief zum Gedenken an die Opfer der Hexenverfolgung. Damit begann ihr starker Einsatz, diese unschuldig verurteilten Frauen aus dem Vergessen herauszuholen. Mit der Stiftung begann das Projekt „Heilung braucht Erinnerung“.

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