Krankenstand in den Landkreisen Hochtaunus und Main-Taunus gestiegen

Viele haben ein Suchtproblem

Hunderttausende hessische Beschäftigte haben ein Suchtproblem. Foto: privat

Taunus (red) – Der Krankenstand in den Landkreisen Hochtaunus und Main-Taunus ist 2018 gestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte zu.

Mit 3,8 Prozent gab es in der Region einen niedrigeren Krankenstand als im Landesdurchschnitt (4,3 Prozent) und den zweitniedrigsten in Hessen.

Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für die Landkreise Hochtaunus und Main-Taunus zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen: Die Fehltage bei den Atemwegserkrankungen wie Bronchitis stiegen um vier Prozent an. Sie belegen in der Region mit einem Anteil von fast 19 Prozent am gesamten Krankenstand den ersten Platz.

Fast jeder fünfte Ausfalltag geht auf sie zurück. Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen und Co. rangieren mit einem Anteil von knapp 17 Prozent auf Platz zwei und gingen zum Vorjahr um fünf Prozent zurück.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände belegen den dritten Platz. Die Fehltage blieben hier auf dem Niveau des Vorjahres. Ihr Anteil am gesamten Krankenstand beträgt rund 16 Prozent. Mehr Menschen waren dagegen aufgrund von Verletzungen wie beispielsweise Arbeitsunfällen krankgeschrieben.

„Mit unseren Analysen zum Krankenstand in den Landkreisen Hochtaunus und Main-Taunus setzen wir gezielt beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement an und bieten Arbeitgebern konkrete Hilfe“, sagt Norbert Hissting, Chef der DAK-Gesundheit in Hofheim.

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Sucht 4.0 – Trinken, Dampfen, Gamen in der Arbeitswelt“, wie viele Erwerbstätige in Hessen mit gravierenden Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele zu kämpfen haben. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren.

Für das Schwerpunktthema wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Hessen aus – flankiert von Analysen der ambulanten und stationären Versorgung. Eine repräsentative Befragung von 5.600 Beschäftigten sowie eine Expertenbefragung geben Aufschluss über die Verbreitung und den Umgang mit den verschiedenen Suchtmitteln und Verhaltensweisen.

Das Fazit: Hunderttausende hessische Beschäftigte haben ein Suchtproblem. Konkret bedeutet das: 326.000 Arbeitnehmer zeigen einen riskanten Alkoholkonsum – das ist jeder zehnte Beschäftigte. 336.000 Erwerbstätige sind hierzulande zigarettenabhängig.

Erstmals untersucht der DAK-Report das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 290.000 Erwerbstätige in Hessen zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten. Laut DAK-Gesundheitsreport 2019 haben Arbeitnehmer in Hessen mit Hinweisen auf eine so genannte Substanzstörung deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme.

Der Krankenstand der Betroffenen ist mit 7,9 Prozent fast doppelt so hoch. Sie fehlen aber nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben werden. Vielmehr zeigen sich bei ihnen in allen Diagnosegruppen mehr Fehltage.

Besonders deutlich ist der Unterschied bei den psychischen Leiden. Hier sind es über viermal so viele Fehltage. Laut Studie der DAK-Gesundheit haben 10,3 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande einen riskanten Alkoholkonsum. Bei Männern beginnt das beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3-Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3-Liter-Glas Bier pro Tag. Mit ihrem Trinkverhalten setzen sich rund 326.000 Erwerbstätige in Hessen Risiken aus, krank oder abhängig zu werden.

„Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol. Das riskante Trinken bleibt daher ein zentrales Problem in Hessen, das auch gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Erhard Waldmann, von der DAK-Gesundheit Bad Homburg. „Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen. Wir müssen hinsehen, hinhören und handeln, um Betroffene nicht allein zu lassen. Ist es Genuss, Gewohnheit oder bereits Sucht?“

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