Bewegender Gottesdienst für den am Gleis 7 des Frankfurter Hautbahnhofs gestorbenen Jungen

„Nicht in Worte zu fassen“

Trauer-Gottesdienst in Glashütten für den in Frankfurt an Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs auf die Gleise gestoßenen und verstorbenen Jungen Foto:Joachim Storch /EKHN

Glashütten (red) – In einem bewegenden Gottesdienst haben Familie, Freunde, Nachbarn und Bekannte am Samstagabend (17. August) von dem Ende Juli an Gleis 7 am Frankfurter Hauptbahnhof gestorbenen Jungen Abschied genommen.

Bei der ökumenischen Gedenkfeier am Heimatort der Familie in Glashütten war auch der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier mit seiner Frau Ursula unter den Trauernden. In einem persönlichen Gespräch hatte er der Familie zuvor seine Anteilnahme bekundet. Bouffier und die Glashüttener Bürgermeisterin Brigitte Bannenberg hatten sich zudem kurzfristig entschlossen, selbst eine Fürbitte im Gottesdienst zu beten.

In seiner Ansprache sagte der evangelische Propst für Rhein-Main, Oliver Albrecht, wie wichtig es angesichts der Sprachlosigkeit sei, „zusammenzuhalten, zu beten und zu weinen, zu singen und zu

klagen, uns an den Händen zu nehmen und in die Augen zu schauen“. Das Ereignis bleibe „für immer schrecklich und unfassbar“, so der leitende evangelische Geistliche im Rang eines Regionalbischofs. Albrecht: „Das ist nicht in Worte zu fassen. Es ist wie ein böser Traum und zugleich eine unendliche Leere. Wie kann da der Glaube helfen? Was kann uns trösten? Der Glaube nimmt uns nicht den Schmerz. Aber er hilft vielleicht, mit ihm zu leben.“

In einem Fürbittengebet sprach Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier das Entsetzen über die Tat im Bahnhof an. Er betete: „Wir sind fassungslos über das Böse, zu dem ein Mensch fähig ist. Wir sind

erschrocken. Wir sind zornig. Hilf uns, hilf allen, damit sich der Zorn nicht in die Seele frisst. Damit die

Wut nicht zur Rache drängt. Sei an unserer Seite.“

Die Glashüttener Ortsbürgermeisterin Brigitte Bannenberg bat in ihrem Gebet um Kraft und Stärke: „Lieber Gott, gib uns die Kraft als Gemeinde zusammen zu stehen und schwierige Zeiten gemeinsam zu überwinden. Gib uns die Stärke, uns nicht beirren zu lassen im Bestreben um einen respektvollen und friedlichen Umgang miteinander. Schenke der Familie Kraft, in ihrer Trauer und für ihr weiteres Leben. Schenke ihnen Mut und lass nicht zu, dass die Geschehnisse sie zerbrechen.“

Die Feier begann mit Orgelmusik und mit dem Anzünden von vier symbolischen Kerzen. Sie standen für die Dreieinigkeit Gottes (Vater, Sohn und Heiliger Geist) sowie für den Jungen. Mit dem bekannten Gospellied „We shall overcome“ und der Aufforderung, sich gegenseitig an den Händen zu fassen, endete die bewegende Andacht. Für Kinder gab es am Rand der Feier die Möglichkeit, ihre Gedanken an einer Gebetswand mit Bildern auszudrücken Den ökumenischen Gedenkgottesdienst gestalteten neben Propst Oliver Albrecht die evangelische Pfarrerin Jennifer Koch und der katholische Pfarrer Stefan Peter. Die musikalische Verantwortung lag bei Angelika Meißner-Racky.

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