Motorradfahrer werden im Mai und September ausgesperrt

Kein Applaus mehr in der Kurve

Der Parkplatz an der Applauskurve ist schon seit fast drei Jahren verbotenes Terrain für Biker. Foto: Sajak

Hochtaunuskreis (umb) – Wir haben es in der vergangenen Woche schon angekündigt: Am Dienstag haben HTK-Landrat Ulrich Krebs und Erster Kreisbeigeordneter Uwe Kraft als Straßenverkehrsbehörde die Zeiten und die genauen Daten der Versuchssperrung für Motorräder bekanntgegeben.

Im Mai und im September werden im Feldberggebiet an zwei Terminen Teilstrecken für Motorräder gesperrt. Jeweils über zwei Wochenenden hinweg sind Abschnitte auf den Landstraßen L 3004, L 3024 und L 3276 neun Tage lang betroffen.

Die Sperrung wird am 11. Mai um null Uhr beginnen und am 19. Mai um Mitternacht enden. Die zweite Sperrung erstreckt sich vom 7. September um null Uhr bis Sonntag, 15. September, 24 Uhr. Gesperrt wird die L 3004 ab Ortstafel Oberursel bis Ortstafel Schmitten, die L 3024 ab Sandplacken bis kurz vor der Feldbergzufahrt aus Richtung Sandplacken und die L 3276 vom Sandplacken bis Oberreifenberg.

Durch Niederreifenberg

Es gibt eine überörtliche Ausschilderung der Umleitungsstrecken. Von Süden aus dem Rhein-Main-Gebiet erreicht man die Feldberg-Region über die B 455 von der Abzweigung Hohemark bis zum Kreisel Königstein, weiter über die B 8 bis Eselsheck über die L 3025 bis zum Roten Kreuz. Von Norden (U20) über die L 3025 (Schmitten) bis zum Roten Kreuz.

Dass unter Umständen – ein genauer Termin steht offensichtlich noch nicht fest – die als Umleitung auserkorene Ortsdurchfahrt Niederreifenberg wegen der anstehenden Straßensanierung gar nicht zur Verfügung steht und die Biker zumindest im September durch die schmale Hauptstraße müssen, hatte keinen Einfluss auf die Terminierung.

Wenig begeistert

Während der Schmittener Rathauschef keine Probleme mit der Umleitungsstrecke erwartet, hat sein Königsteiner Pendant, Bürgermeister Leonhard Helm, auf die angekündigte Umleitung wenig begeistert reagiert. „Ich halte die jetzt gewählte Lösung nicht für wirklich durchdacht“, zitiert die Taunus Zeitung den Rathauschef: Die Kradfahrer umzulenken und damit noch mehr Verkehr durch die ohnehin schon überlastete Königsteiner Ortsdurchfahrt zu lenken, spreche nicht für ein „kluges Konzept“ – weder an Werk- noch an Sonn- und Feiertagen.

Der Ausflugsverkehr, der sich auf der B 8 an schönen Wochenenden durch die Kurstadt in Richtung Feldberg wälze, sei schon heute stark. Dazu der Verkehr rund um den Opel-Zoo – für Helm sind das wichtige Faktoren, die gegen die gewählte Lösung sprechen. Daran ändere auch die zeitliche Befristung nichts.

Auch Motorradfahrer, die an den gesperrten Strecken wohnen, werden die Sperrung mit gemischten Gefühlen betrachten. Für sie gibt es nämlich keine Ausnahmegenehmigung. Heißt: Wer in Oberreifenberg wohnt und nach Frankfurt will, muss übers Rote Kreuz.

Anliegerregelung

Es gibt allerdings eine Anliegerregelung, so dass jeder Kradfahrer mit seinem Fahrzeug von oder nach Hause kommen wird. Während der beiden Versuchssperrungen wird der Verkehr an den gesperrten Abschnitten und den Umleitungsstrecken genau beobachtet. Die Polizei wird Verstöße kontrollieren. Auch die Umleitungsstrecken werden überwacht, weil eine mögliche Mehrbelastung anderer Strecken durch die Sperrung festgehalten werden soll. Die Straßenverkehrsbehörde will so Erkenntnisse gewinnen, ob eine dauerhafte oder auch teilweise Sperrung bestimmter Abschnitte für Motorradfahrer im Feldberggebiet sinnvoll sein könnte. "Die Versuchssperrung ist ergebnisoffen", betont Landrat Ulrich Krebs. "Wir werden uns mit allen Beteiligten zusammensetzen und die Erkenntnisse aus den im Mai und September gesammelten Daten anschauen und bewerten." "Die Sperrung einer Straße für bestimmte Verkehrsteilnehmer ist ein gravierender Eingriff in den Straßenverkehr, wir werden keine leichtfertige Entscheidung in dieser Sache fällen", sagt Uwe Kraft, Erster Kreisbeigeordneter und Verkehrsdezernent des Hochtaunuskreises.

Beteiligt an der Vorbereitung und auch an der Bewertung der dann gesammelten Daten sind neben der Straßenverkehrsbehörde des Hochtaunuskreises die Polizei, Hessen Mobil, das Regierungspräsidium, das Hessische Verkehrsministerium sowie die Kommunen Schmitten und Oberursel. Die Vorbereitungen für den Verkehrsversuch laufen seit rund zwei Jahren, wobei auch verschiedene Motorradverbände mit eingebunden waren. Eine Auswertung der gesammelten Daten wird im Winter und Frühjahr 2020 stattfinden.

Das Feldberggebiet hat für Motorradfahrer weit über die Region hinaus eine große Bedeutung, das zeigen die vielen "fremden" Kennzeichen der Motorräder, die am Feldberg unterwegs sind.

Die Motorraddichte und auch die Unfallhäufigkeit nehmen in der wärmeren Jahreszeit und an Wochenenden zu, das zeigt die langfristige Polizeiunfallstatistik. Beinahe die Hälfte aller Motorradunfälle geschieht hier ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Bei Unfällen mit Kradfahrern und Pkw-Fahrern sind die Kradfahrer überwiegend die Unfallverursacher.

Motorraddichte

Ein weiteres Problem der hohen Motorraddichte ist der Lärm, viele Anwohner der besonders beliebten Straßen rund um den Feldberg fühlen sich davon belastet. Das Areal ist touristisch stark genutzt. "Der Feldberg liegt inmitten des Naturpark Taunus. Der Naturpark ist ein zu schützender Naturraum, aber auch Erholungsgebiet für Menschen aus der gesamten Rhein-Main-Region", sagt Landrat Krebs. "Wir müssen eine Balance finden zwischen dem Freizeitbedürfnis der Motorradfahrer auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach Ruhe und Natur vieler anderer, die den Feldberg besuchen", sagt Landrat Krebs.

Gezählt wird der Verkehr während der Sperrung und auch danach und davor. Das technische Knowhow für die Datenerfassung kommt von Hessen Mobil. Deren Fachleute werden Zählgeräte aufstellen. Die Geräte zählen konstant über 24 Stunden hinweg alle Fahrzeuge. Innerhalb des Zählzeitraums liegen Tage mit den Sperrzeiten und Tage ohne Sperrzeiten. Die Kosten dafür: maximal 30.000 Euro laut Hessen Mobil.

Die Ergebnisse werden nach Fahrzeugarten getrennt. Zusätzlich zu den Verkehrszählungen werden punktuell Lärmmessungen durchgeführt. Die Ergebnisse der Datenerfassung stellt Hessen Mobil zusammen und gibt sie an den Hochtaunuskreis zur Bewertung weiter.

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