Hessenpark: Wer Landwirtschaft „wie früher“ betreibt, wirtschaftet so wie ein Biobetrieb

Höchster Standard im Biobereich

Hessenpark-Cheflandwirt Volker Weber mit Coburger Fuchsschafen. Foto: Lena Schmidt

Taunus (red) – Das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach wurde als landwirtschaftlicher Betrieb schon im Herbst 2015 nach EU-Biorichtlinien zertifiziert. Eine Mitgliedschaft in einem der deutschen Öko-Erzeuger-Verbände stand aber bislang aus. Dies ändert sich nun: Am 1.

Januar hat sich das Museum offiziell dem Erzeugerverband Bioland angeschlossen.

Wer Landwirtschaft „wie früher“ betreibt, um die historischen Anbaumethoden an Besucher zu vermitteln, der wirtschaftet so wie ein Biobetrieb. Zu dieser Einschätzung kommen viele Museumsbesucher, wenn sie durch das weitläufige Gelände mit Viehweiden und beschaulichen Ackerflächen spazieren. Wenn man genauer hinschaut, trifft das aber keineswegs für alle Bereiche der Museumslandwirtschaft zu. Nutztiere wurden von unseren Vorfahren beispielsweise in kleinen, dunklen Ställen ohne Auslauf gehalten, also unter Bedingungen, die heute in einem Biobetrieb längst nicht mehr zulässig sind. „Früher war in der Landwirtschaft eben auch nicht alles besser als heute, zumindest nicht im Bereich der Tierhaltung“, erklärt Hessenpark-Cheflandwirt Volker Weber. „Auf dem Acker sieht das allerdings anders aus: Die Bewirtschaftung der Felder ohne Agrochemikalien passt bestens auch in einen Biobetrieb von heute.“

Eine nachhaltige Fruchtfolge, ehemals eine zwingende Notwendigkeit, ist heute im Biolandbau Pflicht. Sie verhindert, dass die natürliche Bodenfruchtbarkeit abnimmt. So können auch ohne den Einsatz von synthetischen Düngemitteln noch angemessene Erträge erzielt werden.

Der landwirtschaftliche Betrieb im Hessenpark erzeugt Lebensmittel, die im Museumsladen oder bei Veranstaltungen an Besucher verkauft werden. Diese kaufen meist sehr bewusst ein und erwarten, dass die Museums-Äpfel, Kartoffeln, der Wein oder die Wurst vom Sattelschwein der hohen Qualität eines Bioprodukts entsprechen. Um diesen berechtigten Qualitätsanspruch zu garantieren, ist die historische Landwirtschaft im Hessenpark bereits seit 2015 nach den geltenden EU-Biorichtlinien zertifiziert.

Da das Freilichtmuseum als Archepark immerhin neun vom Aussterben bedrohte Tierrassen züchtet, gibt es regelmäßig Nachwuchs. Dieser kann den museumseigenen Tierbestand ergänzen oder an andere Züchter verkauft werden. „Hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Absatzproblemen, da sich viele Biobetriebe einem Anbauverband angeschlossen haben“, berichtet Volker Weber. Solche „Verbands-Biobetriebe“ dürfen nicht ohne weiteres bei einem „EU-Biobetrieb“ wie dem Hessenpark Tiere zukaufen, da die Verbandsrichtlinien weitaus strenger sind als die EU-Biorichtlinien. „Dies gab den Ausschlag für die Erweiterung der Hessenpark-Biozertifizierung vom EU-Mindeststandard auf die Bioland-Richtlinien, die neben den Demeter-Richtlinien den höchsten Standard im Biobereich definieren“, sagt Museumsleiter Jens Scheller. Diese strengen Grundsätze wurden im Freilichtmuseum zwar schon seit 2015 berücksichtigt, aber ohne Bioland-Mitgliedschaft eben nicht zertifiziert. Das ist seit dem 1. Januar durch die Mitgliedschaft bei Bioland anders. Ab sofort darf sich das Freilichtmuseum Hessenpark also zu den Bioland-Betrieben zählen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare