Ausstellung „Maximilian Schell“ im Deutschen Film  institut und Filmmuseum

Zwischen Beverly Hills und der Alm

Klaus-Peter Reichmann (von links), Iva Schell und Isabelle Bastian im White Cube. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Der Schauspieler, Regisseur und Produzent, aber auch Pianist, Kunstsammler, Maler und Autor Maximilian Schell (1930 bis 2014) wurde vielfach mit Preisen geehrt.

Deshalb steht der bedeutendste Preis, der Oscar, gleich am Anfang der neuen Ausstellung im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum (DFF). Im Foyer des dritten Obergeschosses kann sich der Besucher auf den Monitoren einer würfelartigen Installation über Schell-Filme vorab informieren, an den Wänden Biografie, Filmtitel, Theaterstücke, Talkshowauftritte nachlesen. 1930 wurde er in Wien geboren, 1938 emigrierte die Familie in die Schweiz.

Der Oscar also, 1962 überreicht von Joan Crawford für die beste Hauptrolle, nämlich als Verteidiger Hans Rolfe in „Judgement at Nuremberg“ (Das Urteil von Nürnberg), Regie Stanley Kramer. Schell spielte an der Seite von Spencer Tracy, Burt Lancaster und Marlene Dietrich. Die gar nicht so große goldene Oscarfigur befindet sich schon länger im DFF, für die Ausstellung wechselte sie in die dritte Etage. Schell wollte, dass die Statue gesehen wird. Als er die Auszeichnung erhielt, ließ er seine Dankesrede auf Vinyl pressen, nun ist die Platte auch ein weiteres Exponat der Ausstellung.

Ein Foto von Spencer Tracy, dem Bild sieht man die Jahre an, ist hinter Glas zu sehen. „Tracy und Schell waren befreundet, das Porträt stand auf Schells Flügel“, erklärte Kurator Hans-Peter Reichmann, der gemeinsam mit Isabelle Bastian die Exposition konzipierte. Reichmann kannte Maximilian Schell seit 2005, da war die berühmte Schwester Maria Schell gestorben. Auch ihr Nachlass ging an das DFF.

Im Gegensatz zum Glamour der Villa in Beverly Hills gab es die Alm in Preitenegg in Kärnten, seit über 100 Jahren im Familienbesitz der Schells. „Die Alm ist mein Anfang und mein Ende“, sagte Maximilian Schell. Er hatte eine intensive Beziehung mit dem knapp 1000-Einwohner-Ort, war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Und Ehrenbürger. Der Besucher der Exposition kann sich wie Schell auf der Bank vor der Jagdhütte fühlen und einen 360-Grad-Ausblick genießen.

Schell als Kunstsammler wird in der nächsten Station gezeigt. Er war mit dem Bauhauskünstler Josef Albers und dessen Frau Anni, einer Textilkünstlerin, befreundet und kuratierte eine Ausstellung des Künstlerpaares.

Schell als Shakespeare-Übersetzer – in der Rolle des von ihm neu übertragenen „Hamlet“ unter der Regie von Gustav Gründgens 1963 am Schauspielhaus Hamburg. Die neue Fassung führte zu Kontroversen.

„Maximilian Schell war sehr durchsetzungsstark. Wenn eine Produktion aufgrund von mangelndem Geld zu scheitern drohte, gab er Mittel aus seiner Privatschatulle, wenn es ihm wichtig war“, erklärte Reichmann.

Schell war ein Sammler. „Er trug eigentlich alles gerne zusammen, auch Autografen. Handschrift war ihm wichtig“, erläuterte Schells Witwe Iva. Seine letzten sieben Jahre hatte sie mit ihm verbracht.

Weiter geht es zu einem White Cube. Und zu Marlene Dietrich. 14 Stunden Interview, Ausbeute von sechs Tagen, hatte Maximilian Schell mit der 82-jährigen Diva 1982 aufgenommen. „Wir saßen in einem Nebenzimmer und hofften immer, dass wir noch eine Dreherlaubnis bekommen“, erzählte Dagmar Hirtz, die Schell viele Jahre als Regieassistentin und später selbst Regisseurin begleitete. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Aber es entstand der unglaubliche Dokumentarfilm „Marlene“, eine Hommag für eine Frau, die nicht mehr vor eine Kamera wollte und ein Weltstar war.

Einem anderen Weltstar hat Maximilian Schell ebenfalls ein filmisches Denkmal gesetzt – seiner Schwester Maria mit den unglaublichen blauen Augen. Die Geschwister haben nun beide ihre Ruhe in Preitenegg gefunden.

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