„Wir trauen uns was!“

Frauen entwickeln in Vorbereitung auf ihre Ausbildung Theaterstück

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Arnika Senft (links sitzend) und Frauen, die im August ihre Ausbildung beginnen und sich beim Theaterspielen kennenlernten.

Sachsenhausen (jf) – Die Schule beendet, vielleicht liegt nun der Lebensmittelpunkt in einem anderen Land, oft müssen kleine Kinder betreut werden. Und dann noch mal eine Ausbildung anfangen? Schwierig.

Seit über 20 Jahren bietet der 1978 gegründete Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF) eine Teilzeitausbildung gerade für Mütter mit kleinen Kindern an. Elf Frauen, die diesen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt wagen, hatten sich an vier Vormittagen mit der Theaterpädagogin Arnika Senft getroffen und ein Stück erarbeitet, das nun im Haus der Jugend aufgeführt wurde. Kerstin Einecke, Geschäftsführerin VbFF, begrüßte dazu die Gäste im großen Saal.

Wie Schachfiguren, in gleichmäßigem Abstand voneinander und einander fremd, standen die Frauen im Saal, noch vor der Bühne. Sie saßen später auf Hockern, standen abwechselnd auf, senkten die Köpfe, langweilten sich offenbar, schauten auf die Uhr, dachten nach, waren verzweifelt. Einige Frauen nahmen später die Hocker mit auf die Bühne, ins Arbeitsleben. Das läuft nicht glatt, immer wieder sind im Off Schelte des Chefs zu hören: „Sie haben die Arbeit komplett falsch gemacht!“

Es gab auch Szenen, in denen die Frauen ihre Freizeit genießen, mit ihren Kindern spielen, kochen, backen, sich schminken, telefonieren. Aber was geht noch? Vielleicht mit einem Beruf, der Spaß macht? Wieder hielt Resignation Einzug: „Das schaffst du nie!“ „Mit Hartz IV funktioniert das nicht.“ „Es wird ein Traum bleiben für eine Mutter.“

Dann waren alle auf der Bühne. Eine Stimme vom Band war zu hören: „Sie sagen, Träume werden wahr. Aber sie haben vergessen, dass auch Albträume Träume sind.“

Ein spürbarer Druck lastete im Raum, ein Gefühl, dass endlich irgendetwas passieren müsste.

Die Frauen unterhielten sich nun auf der Bühne – das wurde pantomimisch dargestellt. „Schön, dass es beste Freundinnen gibt.“ „Gut, dass ich Unterstützung bekomme.“ „Ich bin glücklich, wenn das Kind gesund ist.“ Plötzlich standen alle zusammen, lachten – und waren einen Schritt weiter, weil sie sich die Ausbildung zutrauen.

Nach dem Applaus trat Dörthe Ahrens vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration ans Mikrofon: „Wir sind daran interessiert, Arbeitsplätze zu finden, die zu Ihnen passen. Kommen Sie zu uns ins Ministerium und sprechen Sie mit uns.“

„Im August beginnen drei neue Kurse für etwa 30 Frauen. Einige von ihnen sind in diesem Theaterprojekt erstmals zusammen gekommen. Die Teilzeitausbildung im dualen System ist für sie ein gutes Angebot, um etwas zu erreichen“, sagte Pädagogin Ulrike Schneider im Gespräch. Im Moment böten mehrere Unternehmen Plätze an, nur im Handwerk könne man sich eine Teilzeitausbildung noch nicht so richtig vorstellen. „Doch auch da wird man offener“, sagte Schneider.

Vielleicht sieht man die eine oder andere Frau auf der Bühne in drei Jahren wieder, wenn sie ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement oder als Gesundheits- und Krankenpflegerin beendet hat. Das erfordert Mut, Ausdauer und Disziplin. Aber die Frauen sind nicht alleine, der VbFF unterstützt sie. Und das seit über 20 Jahren ziemlich erfolgreich.

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