Frauenmilchbank ist europaweit einzigartige Koo peration zwischen Blutspendedienst und Uniklinik

Wichtigstes Lebensmittel fü r Frühchen

Sarah Dombos (links) und Sebastian Haas mit abgefüllter Frauenmilch. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Blut ist genau wie Muttermilch etwas ganz Besonderes. Nur ist Blut ein Arzneimittel, Frauenmilch ein Lebensmittel. Und schon gibt es grundverschiedene Gesetze und Regeln.

„Als Professor Dr. Rolf Schlößer als Leiter der Neonatalogie auf mich zukam, war mir klar: Das Know-how des Blutspendedienstes war wichtig für dieses Projekt“, sagte Professor Dr. Dr. Erhard Seifried, Ärztlicher Direktor des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg – Hessen. Für die Leitung der neuen Frauenmilchbank gab es mit Dr. Veronika Brixner, Fachärztin für Transfusionsmedizin und Leiterin der Produktionsabteilung des Blutspendedienstes, eine fachlich versierte und aus eigener Erfahrung mit einem Frühgeborenen kundige Medizinerin. „Frühgeborene profitieren am meisten von Muttermilch“, stellte Seifried fest. Aber dem innovativen Team wurde erst während der Entwicklung der Frauenmilchbank der Unterschied zwischen Blut und Muttermilch bewusst. Um diese besondere Milch zu verarbeiten, war die Zustimmung des Gesundheitsamtes notwendig. Während Blut in Plastikbeuteln aufbewahrt und transportiert wird, werden für Frauenmilch speziell präparierte Fläschchen benötigt. „Universitätsklinik, Blutspendedienst und die finanzielle Unterstützung durch Kinderhilfestiftung und den Förderverein zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen sind die Viererkonstellation, die das Projekt auf den Weg brachte“, unterstrich Seifried.

„Seit Langem ist der Blutspendedienst ein bewährter Partner des Universitätsklinikums. Er beherrscht Sicherheitsparameter und Logistik perfekt“, sagte Professor Dr. Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Muttermilch ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebensmittel, weil sie Proteine, Nährstoffe, Enzyme, Hormone und Immunglobuline sowie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthält“, sagte Klingebiel.

„Sehr gerne unterstützen wir das Projekt mit 70.000 Euro“, sagte Michael Henning, Vorsitzender der Kinderhilfestiftung. Weitere 40.000 Euro kommen vom Förderverein zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen.

Bereits vor 100 Jahren wurde in Magdeburg die erste Frauenmilchsammelstelle Deutschlands eingerichtet, gegenwärtig gibt es 23 in der gesamten Republik. Aber eben nur eine in Kooperation mit dem Blutspendedienst.

„Nie wieder wächst ein Kind so schnell wie in der Zeit zwischen der 24. und 40. Schwangerschaftswoche. Deshalb ist gerade bei Frühgeborenen der Bedarf an Nährstoffen hoch“, erklärte Schlößer. In Hessen wurden 790 Kinder unter 32 Schwangerschaftswochen, 781 unter einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm geboren – davon 101 beziehungsweise 88 im Universitätsklinikum Frankfurt. Seit Mitte Juni 2019 erhielten sechs Frühgeborene Milch anderer Frauen.

Brix erläuterte die verschiedenen Stationen: „Zunächst muss eine Mutter in die Spende einwilligen. Sie kann nur dann Milch abgeben, wenn diese übrig bleibt und ihr eigenes Kind – meist ebenfalls ein Frühgeborenes – keine Nachteile hat. Dann werden Blut und Milch genau geprüft und die Daten festgehalten. Die Frau wird als Spenderin registriert. Die von ihr abgepumpte Milch wird ins Krankenhaus zum Blutspendedienst gebracht, untersucht und in Fläschchen zu 50 Milliliter abgefüllt und pasteurisiert. Erneut erfolgen Qualitätskontrolle und Screening. Erst wenn alles in Ordnung ist, wird die Milch gefüttert.“ Gegenwärtig gibt es fünf Spenderinnen, alle haben selbst Frühchen zur Welt gebracht. Durchschnittlich sechs Wochen beträgt die Spendezeit. Eine finanzielle Entschädigung gibt es ganz bewusst nicht. Aber: Die Spende ist gleich dreifach gut – für das Frühchen, für dessen Mutter und für die Spenderin.

Den Experten ist bekannt, dass es im Internet Tauschbörsen für Muttermilch gibt. Davon allerdings halten sie nicht viel; eine so aufwendige Qualitätskontrolle könne nur in solch einer Kooperation geleistet werden.

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