Ist der Teddy schon geimpft?

Teddyklinik nimmt Kindern spielerisch Angst vorm Krankenhaus

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Menha beruhigt Miezekatze, damit Teddy-Doc Sepehr eine Spritze gegen die Schmerzen geben kann.

Sachsenhausen (jf) – Miezekatze, so heißt das Kuscheltier mit dem blauen Fell, den großen Augen und den weißen Flügeln, ist krank. Teddy-Doc Sepehr untersucht das Tier, auch die vier Jahre alte Menha darf das Stethoskop ausprobieren und die Katze abhören.

Zum zwölften Mal hat sich das Erdgeschoss im KOMM-Gebäude des Universitätsklinikums für vier Tage in die Teddyklinik verwandelt. Dort lernen Kinder spielerisch, dass man vor Rettungswagen, Krankenhaus und Spritzen keine Angst haben muss. Zurück zu Miezekatze: Der Doktor im weißen Kittel erklärt, fragt nach, beruhigt. Zum Schluss gibt er dem Kuscheltier noch eine Spritze gegen die Schmerzen. Oder möchte Menha das selbst machen? Das Mädchen schüttelt den Kopf. Doc Sepehr schreibt noch ein Rezept aus: „Du musst zuhause mit Miezekatze kuscheln und ihr beide solltet viel Obst essen. Wenn es Miezekatze besser geht, könnt ihr auch zusammen malen. Dann wird sie sicher ganz schnell wieder gesund!“ Menha nickt, nimmt das Rezept und geht damit zum Apothekentresen. Dort sind extra Podeste aufgestellt, damit die Kita-Kinder den künftigen Pharmazeuten ihre Verschreibungen besser reichen und die „Medizin“ – Obst, Buntstifte, Gummibärchen und ein kleines Spiel – in einer roten Stofftüte entgegennehmen können.

Neu in der diesjährigen Teddyklinik sind ein Ultraschallgerät, das die künftigen Ärzte selbst gebastelt haben, und eine Impfstation, um auf das viel diskutierte Thema hinzuweisen. Das Robert-Koch-Institut, erstmals dabei, stellte Informationen rund um das Impfen zur Verfügung. „Wir hoffen ja, dass alle Kinder aus den Kitas geimpft sind“, bemerkt dazu Professor Dr. Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Mit der Impfstation soll vermittelt werden, dass Impfen wichtig ist. „Viele Erwachsene vergessen, dass Auffrischungsimpfungen notwendig sind, Impfen ist also etwas, das uns lebenslang begleitet“, verdeutlicht der Experte.

Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums, lobt die Teddyklinik. Ebenso sieht das Dekan Professor Dr. Josef Pfeilschifter: „Ich arbeite seit 18 Jahren am Universitätsklinikum und habe den Aufbau der Teddyklinik mit verfolgt. Während zuerst 70 bis 90 Kinder kamen, sind es inzwischen über 1400 Kinder, denen mit diesem immer professioneller organisierten Projekt die Angst vor dem Krankenhaus genommen wird. Es ist nicht nur ein Erlebnis für die Kleinen mit ihren Kuscheltieren, sondern gehört auch zu den schönsten Ereignissen im Studium.“ Das sieht Meike Steinhauer, Mitorganisatorin und im vierten Studienjahr, genauso. „Rund 200 Studierende stellen sich während der Teddyklinik als Teddy-Docs zur Verfügung, erklären den Kindern spielerisch, wie ein Krankenhaus funktioniert und was dort passiert.“

„Diese Einrichtung ist wunderbar, weil die Kinder in der Teddyklinik hautnah miterleben, was in einer Klinik läuft. Gerne unterstützten wir das“, sagt Michael Henning, seit März neuer Vorsitzender der Kinderhilfestiftung. Sein Vorgänger und Ehrenvorsitzender Bruno Seibert hat es sich nicht nehmen lassen, ebenfalls vorbeizuschauen.

Nicht nur diese Stiftung, auch die Malteser, die auf dem Vorplatz einen Rettungswagen mit einem Riesenteddy auf der Trage mitgebracht haben, tragen zum Erfolg dieser besonderen Klinik bei. Kinder können gerne in den Wagen klettern – auch das nimmt die Angst vor dem Unbekannten.

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