Eine andere Seite der Pflege

Tag der offenen Tür beim Kinder-Palliativ-Team

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Dr. Sabine Becker (von links), Professor Joachim Pietz, Anita Richter und Holger Fiedler mit Hund Paula.

Sachsenhausen (jf) – Voll ist es in der vierten Etage der Geleitsstraße 14 in Sachsenhausen. Holger Fiedler begrüßt Interessierte und auch viele alte Bekannte.

„Als wir 2013 den ersten Geburtstag des Kinder-Palliativ-Teams Südhessen begingen, war das auch irgendwie unser erster Tag der offenen Tür. So hat sich das ergeben. Inzwischen ist das Interesse an unserer Arbeit erfreulicherweise in der Öffentlichkeit gewachsen“, sagt Fiedler. Das merkt man nicht nur an den vielen Besuchern, sondern auch daran, dass dieses schwierige Thema nicht mehr ganz und gar tabuisiert wird. An diesem Tag der offenen Tür besuchen Schülerinnen der Kinderkrankenpflege die hellen und freundlichen Räume des Teams mit den vielen Fotos an den Wänden. Kinderkrankenschwester Katharina Roth erklärt, wie das Palliativ-Team funktioniert. Zwischendurch klingelt das Telefon; die 24-Stunden-Rufbereitschaft wird natürlich auch an solchen Tagen gewährleistet.

Fünf Ärzte, sechs Pfleger und eine Teamassistentin werden von der Krankenkasse finanziert. Eine halbe Stelle steht für die Kooperation mit dem Kinderhospiz Bärenherz zur Verfügung, eine viertel Stelle, die einer Psychologin, wird von einer Stiftung finanziert. „Wir leiden wie viele andere unter Fachkräftemangel“, berichtet Fiedler. Dennoch betreut das Team zwischen 20 und 25 schwerstkranke Kinder im Gebiet des Regierungsbezirks Darmstadt, das sind 100 bis 125 Kinder pro Jahr. „Damit stoßen wir allerdings auch an unsere Grenzen. Bisher mussten wir jedoch noch keine Versorgung absagen“, unterstreicht Fiedler.

Auch betroffene Eltern kommen zum Tag der offenen Tür und bedanken sich für die Pflege. Ein Wiedersehen mit Ärzten und Pflegern und der Gedankenaustausch stehen dabei im Vordergrund.

Therapiehündin Paula, die zu Professor Joachim Pietz, Neuropädiater, Palliativmediziner und Diplom-Psychologe gehört, ist wichtiger Teil des Teams. Die ausgebildete Labrador-Hündin hat schon oft für Entspannung und Freude gesorgt. Zunehmend wenden sich Eltern, die ein Kind erwarten, das voraussichtlich eine kurze Lebensprognose hat, an das Kinder-Palliativ-Team. „Natürlich helfen wir, selbst wenn das Ungeborene noch gar keine Krankenkassen-Nummer hat“, sagt Fiedler. Die Entscheidung für ein Kind trotz einer ungünstigen pränatalen Diagnose erfordert Mut und braucht Unterstützung.

Immer geht es um eine ganzheitliche Betrachtung, in deren Mittelpunkt das Kind steht. Doch auch das Umfeld ist wichtig. Um im Team arbeiten zu können, bedarf es nicht nur einer entsprechenden Ausbildung, sondern auch der Kenntnis dieser besonderen Situation.

Schon wieder klingelt Anita Richters Telefon. Die Eltern wenden sich in Krisensituationen lieber an das Kinder-Palliativ-Team, weil man einander kennt und einander vertraut. Ein herbeigerufener Notarzt würde das Kind eher in eine Klinik einweisen, das soll jedoch möglichst vermieden werden.

Das Palliativ-Team hat keine einfache Aufgabe. Aber es ist unglaublich wichtig gerade für die Kleinsten, weil es professionelle Hilfe verbunden mit menschlicher Wärme in die Familien bringt und ihnen hilft, diese schwierige Zeit für alle würdevoll durchzustehen.

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