Ausstellung „Bunte Götter – Golden Edition“ im Liebieghaus

Statuen überraschend farbenfroh

Philipp Demandt in der Ausstellung im Liebieghaus. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Durch den dünnen grünen, mit Goldsternen und rosa-blauen Bordüren und Gold verzierten Seidenmantel schimmert die Haut. Ihr braunes Haar trägt die sogenannte „Kleine Herkulanerin“ in Zöpfen zu einem Knoten gebunden.

Das spätklassische Urbild der Statue ging zwar verloren, aber es gibt dutzende spätgriechische und römische Repliken. Eine davon wurde 1894 auf der griechischen Insel Delos entdeckt. Die Farben dieser Figur untersuchten Fachleute 2019 erneut nach neuesten Erkenntnissen und mit modernsten Verfahren. Ägyptisch Blau, verschiedene Eisenoxide, Gelb, Bleiweiß und Malachit haben sie nachgewiesen.

Die „Kleine Herkulanerin“ gehört zur Ausstellung „Bunte Götter – Golden Edition. Die Farben der Antike“ im Liebieghaus. Seit 2003 tourt die Exposition um die Welt, war 2008 schon einmal in Frankfurt zu sehen und kehrt nun für sieben Monate und erweitert zurück. Über 100 Objekte aus internationalen Museen sowie aus dem Bestand des Liebieghauses, darunter 60 Rekonstruktionen aus den letzten Jahren, sind zu sehen. „Die Farbigkeit antiker Skulpturen ist ein faszinierendes Phänomen, das trotz intensiver Erforschung in den letzten Jahrzehnten und der Veröffentlichung wichtiger Ergebnisse weiterhin überrascht und für Irritation sorgt. Allgemein hält sich das Bild einer marmorweißen antiken Skulptur und Architektur“, sagte Philipp Demandt, Direktor des Liebieghauses.

Seit etwa 40 Jahren untersuchen Vinzenz Brinkmann, Leiter der Antikensammlung im Liebieghaus, und sein Team die Statuenpolychromie. Experimentelle Rekonstruktionen hätten sich als zentrales Werkzeug des Erkenntnisgewinns zur Farbigkeit antiker Skulpturen herausgestellt, bemerkte der Experte. Das Team verwendete antike Malmaterialien und alte Techniken.

Farben erweiterten von 650 bis 330 vor Christus das ästhetische Erscheinungsbild der Statuen und steigerten ihre Lebendigkeit. Zudem lieferten sie dem damaligen Betrachter wichtige Informationen zur Identifikation der dargestellten Person.

Mit modernsten Methoden wie der Infrarotlumineszenzfotografie und der „UV-VIS-Absorptionsspektroskopie“ – die se Messung gleicht einem optischen Fingerabdruck – kommen Wissenschaftler auf die Spuren der Farben. So haben die Erkenntnisse über antike Farbpigmente in den letzten Jahren erstaunlich zugenommen und bilden die Grundlage der farblichen Rekonstruktionen. Dabei werden sowohl formgetreue Gipsabgüsse, Kopien in Marmor und 3D-Drucke verwendet.

Die Statue des Apoll, der 1489 im Belvederehof des Vatikans aufgestellt worden war und damals Gelehrte und Künstler aus Nah und Fern beeindruckte, ist marmorweiß, übernatürlich und zeitlos. Doch die Götter und Figuren der Antike waren bunt. Davon können sich Besucher in der Ausstellung im Liebieghaus bis zum 30. August überzeugen.

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