Was und wie viel kommt vom Himmel?

Station auf dem Alten Friedhof Oberrad misst ultrafeine Partikel

Peter Feldmann (von links), Thomas Schmid, Ursula Fechter und Peter Dommermuth an der Messstation in Oberrad. Foto: Faure

Oberrad (jf) – Die Messstation sieht relativ unspektakulär aus, links werden Windstärke und Windrichtung, mit dem rechten Sensor die Anzahl der ultrafeinen Partikel (UFP), auch als Ultrafeinstaub bezeichnet, gemessen.

„Damit sind Partikel im Bereich von unter zehn Nanometer feststellbar. Solche Partikel entstehen zum Beispiel beim Verbrennen von Kerosin“, erklärte der Mediziner Ferdinand Stegbauer. Das hoch spezialisierte Messgerät registriert Partikel mit einer Größe von sieben Nanometer bis 2,2 Mikrometer. Im Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von rund 80.000 Nanometer. „Es gibt einen Unterschied zwischen Feinstaub, der beispielsweise im Straßenverkehr ausgestoßen wird, und den Partikeln, die von Flugzeugen produziert werden“, erläuterte Stegbauer. Er wies außerdem auf eine in der Nähe angebracht Lärmmesseinrichtung der Fraport AG hin – alle gesammelten Werte liefern Erkenntnisse über Zusammenhänge.

Die UFP-Messstation in Oberrad, bewusst entfernt von anderen UFP-Quellen aufgestellt, ist die zweite im Sachsenhäuser Gebiet, eine erste Messstelle wurde im Oktober 2018 an der Martin-Buber-Schule in Betrieb genommen. Beide sind das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und der Stadt Frankfurt. Eine weitere Messstation der Goethe-Universität soll im Herbst auf dem Lerchesberg folgen. „Wichtig ist für uns, dass wir einen ungehinderten Zugang zu den Rohdaten der Messungen haben“, sagte die Fluglärmschutzbeauftragte der Stadt Ursula Fechter.

Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann hat sich dafür eingesetzt, ein weiteres Messgerät in Frankfurt aufzustellen. „Es ist wichtig, um mit den Messwerten eine Gesundheitsgefährdung nachweisen zu können“, sagte er, „wir müssen wissen, wie viel Ultrafeinstaub vom Himmel kommt. Die Werte sind für künftige Entscheidungen bedeutsam.“ Er unterstrich erneut: „Gesundheit geht vor Profit.“

Thomas Schmid, Präsident des HLNUG, erklärte, dass sein Amt seit fünf Jahren in Raunheim und Schwanheim Messungen von UFP durchführt. Ein erster Zwischenbericht wurde im Juni 2018 vom HLNUG veröffentlicht. Im Riederwald, erneut in Raunheim und auf dem Flughafen seien weitere Messstationen geplant. „Wir wissen noch nicht, wie Ultrafeinstaub wirkt, dafür liegen bislang zu wenig Daten vor. Sicher ist jedoch, dass eine gesundheitliche Relevanz besteht“, sagte Schmid. Die Partikel, die sich wie Gase verhalten, werden nicht nach Masse – dafür wiegen sie zu wenig – sondern nach Anzahl gemessen. Die Daten der Station in Oberrad sollen nach einem Jahr ausgewertet werden.

„Die Idee, Ultrafeinstaub zu messen, gibt es seit 2016. Es geht darum, Verbindungen zwischen den Überflügen und der Ultrafeinstaubkonzentration nachzuweisen. Das haben erste Ergebnisse bestätigt“, informierte Fechter.

Peter Dommermuth, Leiter des Umweltamtes Frankfurt, betonte: „Die gute Zusammenarbeit verschiedener Fachleute bei der Erhebung von UFP-Daten ist keine Selbstverständlichkeit. Aber es geht um die Gesundheit, um belastbare Daten, die Grundlage für weitere Entscheidungen über mögliche Grenzwerte sind.“ Es ist gewissermaßen die alte Frage, ob Henne oder Ei zuerst da war. Wenn keine aussagekräftigen Werte vorliegen, können keine Entscheidungen getroffen und keine Grenzwerte festgelegt werden. Die Messstation in Oberrad ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

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