Kulturdezernentin Hartwig präsentiert ne uen Ankaufsetat und weitere Entwicklungsschritte

Städtische Museen als öffentliche Räume stärken

Beim Gespräch (von links): Susanne Pfeffer (MMK), Jan Gerchow (Historisches Museum), Kulturdezernentin Ina Hartwig, Mirjam Wenzel (Jüdisches Museum) und Mathias Wagner K (MAK). Foto: Rössler/ p

Sachsenhausen (red) – Die städtischen Museen in die Lage zu versetzen, als öffentliche Räume stärker zu agieren und Anforderungen an eine gesellschaftsrelevante Museumsarbeit auch künftig gerecht zu werden – das ist das zentrale Ziel einer von Kulturdezernentin Ina Hartwig vorgestellten Entwicklungsperspektive für die kommenden Jahre.

„Die Museen sind unser kulturelles Kapital. Gemeinsam mit den Direktorinnen und Direktoren unserer städtischen Einrichtungen möchte ich die Frankfurter Museumslandschaft für das 21. Jahrhundert rüsten und als öffentliche Orte unserer Gesellschaft ausbauen“, sagt Hartwig. In enger Zusammenarbeit mit den Häusern wurden zentrale Handlungsfelder und die erforderlichen Entwicklungsschritte benannt. .

Vorgesehen ist eine schrittweise Anpassung der Haushaltsmittel in den Bereichen Ankauf, Betrieb, Programm und Personal. Außerdem sollen günstigere Rahmenbedingungen für den Digitalisierungsprozess geschaffen werden. Erste entsprechende Maßnahmen sind im städtischen Doppelhaushalt 2020/21 vorgesehen. „Erstmals wird es für die städtischen Museen seit 2004 einen eigenen Ankaufsetat in Höhe von jährlich insgesamt 1.100.000 Euro geben“, sagt Stadträtin Hartwig. „Eine Sammlung ist das Herzstück eines jeden Museums. Unsere öffentlichen Museen müssen als staatliche Akteure auf dem privaten Kunstmarkt handlungsfähig sein. Nachdem ich dem Museum für Moderne Kunst seit diesem Jahr einen Ankaufsetat in Höhe von jährlich 500.000 Euro ermöglichen konnte, sollen ab dem nächsten Jahr auch die weiteren städtischen Museen ein Budget in Höhe von 600.000 Euro erhalten, um ihre Sammlungen sukzessive auszubauen.“ Die Direktorin für das dem Museum für Moderne Kunst Susanne Pfeffer ergänzt: „Der Ankaufsetat unterstützt uns sehr darin, unserem Auftrag Kunst nicht nur auszustellen, sondern auch zu sammeln und zu bewahren nachzukommen. Dank des neuen Ankaufsetats konnte ich bereits in diesem Jahr neue Arbeiten erwerben, die speziell für dieses Haus geschaffen worden sind und die nun unsere Sammlung erweitern.“

Darüber hinaus sieht der Doppelhaushalt 2020/21 jährlich zusätzliche Mittel für die Programmgestaltung (400.000 Euro), Infrastruktur (1,3 Millionen Euro) und die Digitale Erweiterung (300.000 Euro) vor. „Der digitale Wandel hat das Selbstverständnis und die Aufgaben von Museen grundlegend verändert: Sie sind nunmehr Gedächtniseinrichtungen, die die Teilhabe am Wissen um die Kulturgüter online organisieren, ihre Besucher aktiv in den Prozess ihrer Vermittlung einbinden und die immateriellen Zeugnisse der Gegenwart digital bewahren müssen. Um dies zu ermöglichen bedarf es neuer Kompetenzen und einer organisatorischen Transformation innerhalb der Museen und einer Kultur der Ermöglichung vonseiten ihrer Träger“, hebt Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, die Bedeutung der zusätzlichen Mittel für den Digitalisierungsbereich der Museen hervor.

Personelle Investitionen sollen in die Entwicklungsschwerpunkte Kulturelle Bildung und Vermittlung sowie Digitalisierung gehen, für die insgesamt rund zwölf Stellen zur Verfügung stehen. Zudem investiert die Stadt Frankfurt 1,45 Millionen Euro in das geplante Kultur- und Freizeitticket, das 2020 den freien Eintritt in die städtischen und nicht-städtischen Häuser und den Zoo für Kinder und Jugendliche ermöglicht.

Die endgültige Entscheidung über den Doppelhaushalt 2020/2021 erfolgt in den kommenden Monaten durch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung.

„Kulturelle Bildung und Vermittlung muss in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts partizipativ und inklusiv ausgerichtet werden, die Besucherinnen und Besucher der Museen werden zunehmend Benutzer, die Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung an der Museumsarbeit erwarten. Das kulturelle Erbe, dessen Vermittler und Hüter die Museen sind, umfasst auch die NS-Geschichte und die Kolonialgeschichte. Hier muss in den kommenden Jahren noch viel Grundlagenarbeit in der Erforschung der Museumssammlungen geleistet werden, was mehr personelle und finanzielle Ressourcen auch in der Vermittlungsarbeit erfordert“, beschreibt Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums, die Herausforderungen der Museen.

Matthias Wagner K unterstreicht die Bedeutung des Museums als öffentlichen Debattenort: „Museen sollten Orte für kritische Diskurse sein, Schutzräume für künstlerische und gestalterische Entäußerungen, die in bestimmten politischen und gesellschaftlichen Kontexten außerhalb dieser gar nicht mehr geäußert werden können. Orte des Prozesshaften, der Vielsprachigkeit, des fantasie- und auch lustvollen Widerstreits von Formen, Normen und Vorstellungen für Menschen jeglichen Alters und Herkunft.“

„Alle traditionellen Kernaufgaben der Museumsarbeit – Sammeln, Forschen, Bewahren, Ausstellen und Vermitteln – werden derzeit neu interpretiert. Und obwohl unsere Häuser aktuell vor enormen Herausforderungen stehen, wurden ihre Budgets in den vergangenen Jahren nicht entsprechend angepasst“, erläutert Hartwig ihre Überlegungen. „Das muss sich ändern: Diese Investitionen sind notwendig, wenn wir als Stadtgesellschaft weiterhin von der hervorragenden, international anerkannten Arbeit unserer städtischen Museen profitieren und ihnen eine zeitgemäße Weiterentwicklung ermöglichen wollen. Museen sind heute mehr denn je Agora und Labor und tragen essenziell zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei“, sagte die Kulturdezernentin Hartwig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare