„Stadt plus“ im Deutschen Architekturmuseum mit Michael Quast

Alles uns, alles Frankfurt

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Michael Quast führt mit Friedrich und Adolf Stoltze in Mundart durch Frankfurt. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Wer könnte einen Vortrag über Frankfurter Mundart besser halten als Michael Quast? Dabei ist Quast gar kein Frankfurter, sondern wurde in Heidelberg geboren.

Macht aber nichts, er hat sich als lesender, spielender, singender und unglaublich vielseitiger Verwandlungskünstler längst einen Ruf in Frankfurt und darüber hinaus erworben. 2005 gehörte er zu den Mitinitiatoren von „Barock am Main“ und gründete 2008 die „Fliegende Volksbühne“, die nach mehrfacher Terminverschiebung ab 24. Januar im Großen Hirschgraben ihr festes Domizil haben wird.

Ein kleines Gastspiel gibt Quast bei der Reihe „Stadt plus“ im Deutschen Architekturmuseum, erzählt von der Vielfalt der Sprache im gewachsenen Stadtbild. Da liegt der Name Friedrich Stoltze auf der Hand. Quast zitiert den Frankfurter Mundartdichter, der sich an einen Spaziergang mit seinem Großvater Friedrich Rottmann, der auch nicht aus Frankfurt stammte, sondern aus Neckarbischofsheim nach Frankfurt gezogen war und ein glühender Patriot wurde. Er nahm den fünfjährigen Fritzi mit auf den Weg vom Rebstock – „der Hof Rebstock am Markt wurde ja mit der Neuen Altstadt wieder aufgebaut“, fügte Quast dazwischen – zunächst bis zum Main. Weiter ging es über den Fluss mit einem Fährboot, den Eisernen Steg gab es erst seit 1869. Auf der Sachsenhäuser Seite liefen die beiden bis hinauf zur Warte. Der Großvater stellte klein Friedrich auf einen Chaussee-Haufen (Steine zur Reparatur der Straße), damit der Junge besser sehen konnte. Alles, was man von da aus erblickte, gehöre zu Frankfurt, sagte der Großvater und zeigte auf Türme, Flüsse, Berge, Wälder.

Geburtshaus Stoltzes muss Bahn weichen

Friedrich Stoltze wurde im November 1816 im Haus Im Rebstock 4 geboren, eine Tafel erinnert daran. „Das Geburtshaus musste weichen, damit die Straßenbahnlinie 11 fahren konnte“, sagte Michael Quast. So gesehen erlaubten der Durchbruch der Altstadt und der Bau der Braubachstraße (1904 bis 1906) tatsächlich die Altstadtstrecke.

Über seinen Großvater schrieb Stoltze: „Wenn aaner die größte Sticker uff sei Vatterstadt gehalte hat, so ist des mei Großvatter gewese … Un von all denen Geschichte un weise Lehre kimmt‘s aach her, daß ich so e gelunge Frankforter Kind warn bin un Leib un Lewe uff mei Vatterstadt halt.“

Von den zwölf Kindern Stoltzes kam am ehesten Sohn Adolf seinem Vater nach, ja übertrumpfte ihn gar mit 39 verfassten Theaterstücken. Als Humoreske schrieb er einen Apfelweinführer und zählte die damals zahlreichen Kranzwirtschaften vom „Rebstock“ über „Mäusibeis“ bis zu den „Drei Steubern“ auf. Ein Pflichtprogramm für Schoppepetzer, so lange es eben gut geht.

2020 geht die Reihe weiter

So ging es mit den Stoltzes und Quast bei „Stadt plus“ quer durch Frankfurt. Die Reihe wird 2020 fortgesetzt.

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