Sprache, Spiel und Spaß

Deutschsommer: „Sprachbad“ in der Textorschule

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Die Kinder schleichen sich an den Hausmeister Tak an und wollen ihn erschrecken.

Sachsenhausen (jf) – „Den Tisch musst du treffen, darum heißt es Tischtennis und nicht Bodentennis!“ „Ha, ha!“, steht in einer Sprechblase.

Und zu welchem Bild gehört jetzt dieser Text? Während eine Gruppe sich an Schultischen in einem Raum der Textorschule mit Bildern und Worten in Sprechblasen beschäftigte, spielte eine andere Gruppe im gleichen Zimmer auf der anderen Seite Wort-Bild-Domino und saß im Kreis. Deutschunterricht. Etwas anders als sonst üblich. Drei Pädagogen kümmerten sich um etwa 15 Kinder. Eine weitere, annähernd gleich große Gruppe probte inzwischen ein Theaterstück.

„Die Kinder wollen lernen und haben Spaß dabei. Die meisten kommen aus Intensivklassen, denn der Übergang in Regelklassen ist oft schwierig“, sagte Bildungsdezernentin Sylvia Weber. Sie schätzt den Deutschsommer, den es seit 2007 gibt, als wichtigen Baustein im Bildungssystem. „Die Erfolge dieses ‚Sprachbads’ sind beeindruckend: Über 90 Prozent der Teilnehmer am Deutschsommer gaben an, dass diese drei intensiven Wochen ihnen geholfen haben, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.“ Außerdem motivierte dieser Kurs, sich auch in der Schule mehr anzustrengen.

Inzwischen wird das Konzept an vielen Standorten in Hessen angeboten, seit 2018 übernimmt das hessische Kultusministerium die Kosten. In Frankfurt steuert die Stadt 58.000 Euro bei, neben der Textorschule werden weitere 150 Kinder im Schullandheim Wegscheide und in der Jugendherberge Oberreifenberg gefördert.

„Wir alle müssen ein Interesse daran haben, die Kenntnisse in der Landessprache zu stärken. Das ist Aufgabe der ganzen Gesellschaft“, sagte Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die das Projekt ebenfalls unterstützt. Er versteht diese drei Deutschsommer-Wochen als „anregende Sprachumgebung für die Hälfte der Sommerferien“. Ferien, die schlaumachen, wie es in der Unterzeile des Konzepts heißt. Seit 2007 wurden auf diesem Weg rund 7000 Mädchen und Jungen erreicht. Die Empfehlungen für eine Teilnahme kamen 2019 von den Lehrkräften aus 47 Frankfurter Grundschulen.

Die grüne Gruppe spielt unter der Leitung von Nicole Peinz Theater. Im Mittelpunkt von zwei Szenen aus „Rosie und Moussa“ stand Hausmeister Tak, der Kinder hasst. Die Kinder bewegten sich viel, rannten symbolisch die Treppe hinauf, gestikulierten, hüpften, sprachen laut und leise – genau wie es einer Regel, in großen Buchstaben auf ein Blatt Papier geschrieben, entsprach: „Wir spielen mit Energie.“ Das muss die kleine Handpuppe Elif, eine flauschige Eule, noch lernen. Sie wird von den Kindern besonders geliebt und ist wohl der heimliche Star im Stück.

Der neunjährigen Anaakah mit griechischen Wurzeln gefällt das Theaterspielen am besten. Ihre Lieblingsrolle ist der Junge Moussa: „Der hat seine Kappe so verkehrt herum auf, das ist cool“, sagte das Mädchen und strahlte. Vom Deutschsommer wünschte es sich noch mehr Geschichten wie „Rosie und Moussa“.

Am Ende der drei Deutschsommer-Wochen, die noch bis zum 19. Juli gehen, zeigen die teilnehmenden Kinder ihren Eltern bei einer Aufführung, was sie alles gelernt haben.

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