Sonst Verschlossenes besichtigen

Großes Fest zum Abschluss der Tage der Industriekultur

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Am Sonntagvormittag kamen zahlreiche Menschen zum Abschlussfest der Tage der Industriekultur.

Sachsenhausen (nma) – „Baukultur“ lautete das Motto der diesjährigen Tage der Industriekultur. Das Fest, das das gesamte Rhein-Main-Gebiet umspannt, kam am Sonntag traditionell in der Fabrik in Sachsenhausen mit einem Fest zum Abschluss. Und nur zu diesem Anlass ist es jedes Jahr möglich, die alte Fabrik von innen zu besichtigen.

Karsten Heidebrecht beginnt die erste seiner Führungen an diesem Tag im Gewölbekeller der alten Mineralölfabrik. 1840 wurde sie von Philipp Peter Heinz und seiner Frau Maria Margaretha eröffnet und ist heute noch zu großen Teilen in ihrem Originalzustand, wenn auch nicht mehr in Funktion. Der große Gewölbekeller wird seit 2014 mehrmals wöchentlich für Konzerte genutzt, doch auch den Dachboden des über 100 Jahre alten Industriegebäudes dürfen die rund 20 Zuhörer mit Karsten Heidebrecht besichtigen. Er gehört zum Vorstand der „Paul und Emmy Wagner-Heinz Stiftung“ und kennt sich bestens mit der historischen Sachsenhäuser Mineralölfabrik aus. Die Lichtschächte zeigt er den Gästen, sowie auch den Schlüssel des früheren Nachtwächters. „Er musste einmal pro Stunde den Schlüssel drehen als Beweis für seine Rundgänge“, sagt Heidebrecht.

Verschiedene Liveacts unterhielten die Besucher im Innenhof der historischen Fabrik.

Ölgetränkt sind die breiten Holzdielen auf dem Boden, denn jahrzehntelang wurden dort Olfässer hin und her gerollt. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Und die Zeiten des Leerstands ebenfalls, denn: „Wir planen, dass das hier bald Proberäume für die Frankfurter Kammeroper werden“, teilt er dem Publikum mit. Ein Stockwerk tiefer, direkt unter dem Dachboden, sollen Konzerträume für die Kammeroper und Raum für andere Veranstaltungen entstehen. „Leider kann ich noch nicht genau sagen, wann das so sein wird“, sagt Heidebrecht auf Anfrage einer Zuhörerin. Es seien so viele Parteien an der Planung beteiligt, vom Denkmalschutz bis zu den Künstlern, dass das Vorhaben eben seine Zeit benötige. Das Publikum ist sichtlich beeindruckt von dem alten und originalen Fabrikgebäude. Eine Reaktion, die die Tage der Industriekultur in jedem Jahr hervorrufen wollen.

Jeden Sommer nehmen die Städte des Rhein-Main-Gebiets an den Tagen teil und präsentieren die Hinterlassenschaften historischer, aber auch die Hotspots gegenwärtiger Industrie. Der malerische Innenhof vor der Fabrik ist am Sonntagmittag voll. Die sonst dort ansässige Gastronomie versorgt die Gäste von einem Stand aus mit Essen und Getränken, mehr als 100 Menschen haben sich auf den Bänken niedergelassen, lauschen den musikalischen Beiträgen und staunen über die Zauberkünste von „Magic Alex“.

Karin Wagner, die künstlerische Leiterin der Fabrik, ist zufrieden mit dem großen Interesse der Menschen: „Der Hof ist ruhig und schattig und inhaltlich passt die historische Kulisse toll zu den Tagen der Industriekultur“, sagt sie und lässt den Blick über den vollen Hof schweifen. Die Fabrik steht beim Abschlussfest der Tage der Industriekultur stellvertretend für all die Sehenswürdigkeiten im Rhein-Main-Gebiet, die an die Kultur der Arbeiter in den vergangenen Jahrzehnten erinnern. Doch auch ohne die Abschlussfeier lohnt sich ein Besuch bei den Veranstaltungen im Gewölbekeller der Fabrik. Wenn die oberen Stockwerke auch nur einmal im Jahr, an diesem besonderen Tag, besichtigt werden können.

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