Musikalische Lesung in der Osterkirche

Seit 100 Jahren dürfen Frauen wählen

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Den musikalischen Teil der Veranstaltung hatte das Duo „Flöte an Tasten“ mit Karin Heidrich am Klavier und Ute-Gabriela Schneppat an der Querflöte übernommen.

Sachsenhausen (ms) – In Deutschland durften Frauen ab dem 20. Lebensjahr am 19. Januar 1919 zum ersten Mal an die Wahlurne.

Deshalb lud die Reihe DoKuMM (Donnerstags Kultur in Maria-Magdalena) der Maria-Magdalena-Stiftung am Donnerstag unter dem Motto „Auf zur Damenwahl! Musikalische Lesung zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts“ zur musikalischen Lesung in die Osterkirche ein. Die Moderation des Abends hatte Astrid Kellenbenz übernommen. Zu Beginn führte sie ins Thema ein: So beschloss der Reichstag am 12. November 1918 das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. „Meine Herren und Damen“ begann Marie Juchaz ihre erste Rede im Reichstag. Den musikalischen Teil des Abends gestaltete das Duo „Flöte an Tasten“ mit Ute-Gabriela Schneppat (Querflöte) und Karin Heidrich (Klavier). Das Programm spannte einen Bogen vom Barock bis zu zeitgenössischen Kompositionen von Frauen wie Anna Amalia von Preußen, Mel Bonis und Clara Schumann.

Auch Komponistinnen hatten es immer schwerer als ihre männlichen Kollegen. So war es für den Veranstalter auch schwer, die Noten zu beschaffen, die zum Teil erst noch gedruckt werden mussten. Dann wechselten sich musikalische Beiträge mit Informationen zum Thema Frauenwahlrecht im Lauf der Jahrhunderte mit Texten von Annette von Droste-Hülshoff, Hilde Domin und Mascha Kaleko ab. Schon im 18. Jahrhundert setzten sich Männer für die Emanzipation ein, die 1891 von August Bebel ins Parteiprogramm der SPD aufgenommen wurde. 1933 beim Beginn der Naziherrschaft wurde den Frauen das Wahlrecht wieder aberkannt. 1919 wurden 423 Abgeordnete in den Reichstag gewählt, von denen 37 Frauen waren. Diese Quote von neun Prozent wurde erst Anfang der 1980er Jahre wieder erreicht.

Noch heute sei es nicht immer gut um die Emanzipation bestellt. Wenn man im Internet nach Textbeispielen von deutschen Dichtern sucht, so berichtete Kellenbenz, sei Annette von Droste-Hülshoff als einzige dort vertreten. Angesichts des kalten Wetters mit Schneefall waren wenige Besucher zur Lesung gekommen. Doch die anwesenden Gäste sparten nicht mit Beifall für „Flöte an Tasten“ und für die Moderatorin.

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