Was erregt die Gemüter der Gesellschaft?

Zehntes Festival „Literaturm“ vom 23. bis 29. März in Frankfurt

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Julia Cloot (von links), Ina Hartwig und Sonja Vandenrath vor dem Plakat von „Literaturm“ 2020.

Worüber und wie wird in der Gesellschaft diskutiert? Was erhitzt die Gemüter? Kulturdezernentin Ina Hartwig, Festival- und Programmleiterin Sonja Vandenrath und Julia Cloot, stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main, stellten das Programm zum zehnten „Literaturm“, der vom 23. bis zum 29. März stattfindet, vor.

Sachsenhausen –  Das Thema des biennalen Festivals lautet „Erregungen“. Titelgebend sei mit das Buch „Die große Gereiztheit“ von Bernhard Pörksen gewesen. .

„In den letzten Jahren sind Sachbücher immer beliebter geworden, das Leseverhalten hat sich geändert. Mit dem Literaturfestival greifen wir aktuelle Themen auf, es ist mit den Jahren zunehmend politischer geworden“, sagte Hartwig.

„Eigentlich ist Weiberfastnacht und Beginn des Straßenkarnevals. Aber angesichts der Ereignisse in Hanau mit elf Toten spricht das eher gegen eine faschingsfröhliche Programmpräsentation“, erklärte Vandenrath. Sie verwies auf das Buch „Die rechte Mobilmachung“ von Patrick Stegemann und Sören Musyal. Das Buch zeige, wie die rechte Szene funktioniere und wer sie unterstütze. Gleichzeitig stellte die Programmleiterin fest: „Wir wollen an den sieben Festivaltagen nicht anheizen, sondern aufdecken.“ 

Sachsenhausen: Zehnter "Literaturturm" in Frankfurt

Eher verstehen sich die Programmverantwortlichen in Annäherung an den Verein „Lauter Leise Kunst und Demokratie“ in Sachsen, der 2016 ins Leben gerufen wurde. Im Credo des Vereins heißt es: „Das Bestreben, Zeitströmungen sichtbar zu machen, verlangt nach einer wertfreien Beobachtung und Zurückhaltung im Urteil. Diese leise Eigenschaft der Kunst ist ein wichtiges Korrektiv zu Selbstgerechtigkeit, Hetze und Gewalt.“ Zum Thema des diesjährigen Festivals fügte Julia Cloot hinzu: „Erregte Debatten prägen deutsche Geschichte in zyklischen Wellen.“

In 43 Veranstaltungen mit über 100 Autoren, Wissenschaftlern und Journalisten an über 20 Orten wird über Sachbücher und Romane gesprochen werden. Es geht um Klimawandel, Kunst und Moral, den neuen Feminismus, um den Rechtsruck in Ostdeutschland, um die Spannungen zwischen Ost und West, um die Verbreitung von Hass und Hetze im Internet. Neben bekannten Hochhäusern in Frankfurt wie dem Opern-Turm sind neue Locations wie der Marienturm, der Space Omniturm, der Taunusturm, die Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter und das Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum hinzugekommen.

Sachsenhausen (Frankfurt): „Sehr viel Wert auf Diversität und Gendergerechtigkeit“

„Erregung hat sich in ein Kollektivsyndrom verwandelt, das von den sozialen Medien getriggert wird“, stellte Vandenrath fest. Sie zitierte die Soziologin Elke Wagner, die bemerkt, dass Argumente verhandelbar sind, Emotionen dagegen nicht.

Sachsenhausen: Das Programm des „Literaturturms“

Im Eröffnungspodium am 23. März in der Deutschen Nationalbibliothek werden Ferda Ataman, László F. Földényi, Bernhard Pörksen und Ingo Schulze mit Moderatorin Insa Wilke diskutieren.

„Wir haben sehr viel Wert auf Diversität gelegt und auf Gendergerechtigkeit“, bemerkte Vandenrath zum Gesamtprogramm.

Es gibt zudem einen Abend mit den unabhängigen Lesereihen „Books without Covers“, „Salon Fluchtentier“ und „Hafenlesung“. Das Frankfurter Veranstalterkollektiv „Text&beat“ sorgt für musikalische Akzente.

Erstmals wird am Wochenende 28. und 29. März im Struwwelpeter-Museum ein kuratiertes Kinderprogramm mit vier Veranstaltungen angeboten.

Die Tickets kosten zwischen vier und zwölf Euro und sind bei Adticket sowie an der Abendkasse erhältlich. Das aktuelle Programm wird auf www.litera turm.de veröffentlicht.

(jf)

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