Schönheit, Natur und Gastfreundschaft

Projekt bringt Welten in einem Schaufenster zusammen

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Philéas Laoutides und Dagmar von Arnim vor dem ungewöhnlichen Schaufenster.

Sachsenhausen (jf) – Ein pastellfarbenes, langes Kleid mit Goldschmuck, beides erinnert an eine Göttin der Antike, ist im Schaufenster von Oxfam am Schweizer Platz ausgestellt. Daneben sind vier Fotos zu sehen.

Sie zeigen Damen mit ausgewählten Kleidern in der Natur, eine von ihnen trägt dieses Gewand. Ein kurzer Text erklärt: Der Masterstudent Philéas Laoutides arbeitet ehrenamtlich bei Oxfam und kam auf die Idee, im Rahmen seines Studiums an der Frankfurt University of Applied Sciences ein intermediales Projekt mit geflüchteten Frauen zu entwickeln. Oxfam unterstützte ihn dabei mit besonderer Garderobe.

Aber hinter den wenigen Worten steckt weit mehr. „Mich hat berührt, als sich Philéas Laoutides im Januar 2018 in unserem Oxfam Shop vorstellte. Er sagte, er wolle etwas zurückgeben. Oxfam wurde 1942 in Großbritannien gegründet. Die Organisation wollte das Leid der Bevölkerung im von Deutschland besetzten Griechenland lindern. Laoutides hat selbst griechische Wurzeln, ist jedoch fast zwei Generationen später geboren“, erzählt Dagmar von Arnim, die den seit Mai 2011 geöffneten ersten deutschen Oxfam Fashion Shop leitet. 72 Ehrenamtliche, darunter fünf Männer, helfen ihr im Lager und im Verkauf. So wie Laoutides, der vorher Kunde bei Oxfam war und nun gespendete wertige Kleidung für die Entwicklungsorganisation an die Frau und den Mann bringt. Der Erlös kommt diversen Projekten in aller Welt zugute.

„In meiner intermedialen Arbeit wollte ich die Bereiche Flucht, Natur und Hellenismus verbinden. Im antiken Griechenland brachte man Fremden Gastfreundschaft entgegen. Man konnte nie wissen, ob sich unter ihnen nicht ein Gott verbarg, der die Menschen nach ihren Taten beschenkte oder bestrafte“, sagte Laoutides.

Mit den geflüchteten Frauen kam er über sein soziales Engagement schnell in Kontakt. Sie stammen aus Eritrea, den Philippinen, Tunesien und Zypern. Ihre Fluchtursachen sind höchst unterschiedlich, die philippinische Insel wird es beispielsweise in 15 Jahren nicht mehr geben, weil der Wasserstand zu hoch geworden ist. Eine italienische Familie floh im Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat nach Tunesien, kehrte dann nach Italien zurück und kam später nach Deutschland.

Alle Frauen strahlen auf den Fotos, die im vergangenen Sommer in Oberrad, Bockenheim, Rumpenheim und Bürgel aufgenommen wurden, nicht nur natürliche Schönheit, sondern sehr viel Würde aus. Nichts wirkt gestellt wie auf dem Catwalk, nichts übertrieben. Es geht nicht um neueste Trends, sondern um Menschlichkeit. Das spürt der Betrachter.

Noch eine Weile werden die Fotos im Schaufenster links des Eingangs zu sehen sein – eine Ausnahme, denn normalerweise wird alle 14 Tage neu dekoriert.

Dagmar von Arnim weist auch noch auf die nächste Kampagne hin: „Gift auf Wein – Das lass sein!“ 67 Pestizide, die in Europa verboten sind, werden auf Südafrikas Weinplantagen versprüht. Die Arbeiter dort, meist Frauen, sind diesen Giften schutzlos ausgeliefert. Während der Kampagne werden in den Oxfam Shops Unterschriften gesammelt, um ein Verbot der Pestizide zu fordern. Andere Kampagnen haben bewiesen, dass solche Aktionen erfolgreich sind. Es lohnt sich also doppelt, bei Oxfam vorbei zu schauen.

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