Poesie auf der Bühne

U20 Poetry Slam im Bibliothekszentrum

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Moderator und Veranstalter Dirk Hülstrunk zählt die Bewertungspunkte zusammen.

Sachsenhausen (zlu) – Zwischen so vielen Büchern und Worten war das Bibliothekszentrum Sachsenhausen am Freitagabend der perfekte Ort, um den besten hessischen Poeten zwischen 14 bis 20 Jahren ein Ohr zu schenken.

Beim U20 Poetry Slam Frankfurt battelten sich die Teilnehmer um einen Startplatz beim Hessenslam 2019 und bei den deutschsprachigen U20 Slam Meisterschaften 2019. Die Szene boomt bundesweit und beweist, dass sich Jugendliche durchaus für Sprache und Literatur begeistern lassen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, denn das Genre ist weitläufig. Gereimtes oder Ungereimtes, gerappte Texte, spannend oder witzig Erzähltes, Alltägliches und Außergewöhnliches, Comedy oder Sozialkritik. Alles ist erlaubt, solange es selbstverfasst ist und in das Zeitlimit von sieben Minuten passt. Poetry Slam ist leidenschaftlich gelebte Poesie auf der Bühne.

„Sprache besteht aus Gedanken, nicht nur aus Buchstaben”, sagte Akteur Jonas Elpelt. Warum also nicht mal den ein oder anderen weglassen, dachte der sich und verzichtete in seinem Vortrag auf sämtlich Umlaute außer dem ä und dem e. Daraus entstand eine fantasievoll und schaurig abgewandelte Form von Hänsel und Gretel, bei der sich die Brüder Grimm vermutlich im Grabe herum gedreht hätten. Wie ein Dirigent untermalte er dabei leidenschaftlich mit Armen und Händen den Gleichklang seiner Reime. Der Jury, die im Publikum verteilt saß, gefiel das. Bewertet wurde über Zifferntafeln von eins bis zehn, die in die Höhe gehalten wurden.

Manche der jungen Poeten sprachen vom Textblatt ab, andere vom Handy und wieder andere hatten alle Worte im Kopf, so wie Sascha Schirrmacher seine Noten. Von dem gab es zur Untermalung Live-Poesie an den Tasten.

Verbale Ergüsse über den Begriff Heimat oder über das alte Leid der Liebe waren an diesem Abend ebenso vertreten, wie die zweifelhafte Qualität des Bieres im Discounter. Manche Akteure waren außergewöhnlich souverän, andere sehr aufgeregt aber bemerkenswert überzeugt von sich waren sie alle. Denn schließlich „muss man auf sein Herz oder die Milz hören”, sagte Finn Holitzka, der neben Dirk Hülstrunk den Abend moderierte. Er ist Begründer der Lichterschlacht, des ersten Darmstädter U20-Slams und stand im Finale der deutschsprachigen Meisterschaften dieser Altersklasse. Der U20 Poetry Slam Frankfurt wurde 2007 von Dirk Hülstrunk als kombinierter Workshop und Veranstaltungsprojekt für Jugendliche ins Leben gerufen und in Kooperation mit zahlreichen Institutionen durchgeführt. Gegenwärtig wird es vom Verein Kulturnetz Frankfurt getragen und vom Kulturamt Frankfurt, der Hessischen Leseförderung und dem Hessischen Literaturbüro unterstützt. Hulstrünk widmet sich derzeit neben eigenen experimentellen Literaturprojekten vor allem der Jugendförderung oder Sonderformaten wie dem Jazz Poetry Slam und dem Song Slam.

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