Gutes liegt oft nah

Oberrad und Offenbach: Eine ganz besondere Kirchenkooperation

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Zusammen unterwegs: Die Offenbacher Pfarrerin Henriette Crüwell (links) und ihre Kollegin Anne-Katrin Helms.

2,1 Kilometer sind es von der evangelischen Erlöserkirche in Oberrad zur evangelischen Friedenskirche im Offenbacher Westend. Die Distanz zwischen Kleingärtnerverein Oberrad und dem Offenbacher Gotteshaus: 900 Meter. Der Bach des Buchrainweihers markiert die Stadtgrenzen.

Oberrad – Ein Glück, dass die Pfarrerinnen der Gemeinden, Anne-Katrin Helms und Henriette Crüwell, gute Radlerinnen sind. Keine zehn Minuten treten sie in die Pedale, um sich im Pfarrbüro an der Offenbacher Geleitsstraße abzustimmen.

Teurer wäre es mit dem öffentlichen Nahverkehr „das ist ein ewiges Problem“, sagt Helms, die Pfarrerin der Erlösergemeinde Oberrad. Nachdem zum 1. Januar 2019 die evangelischen Kirchen von Frankfurt und Offenbach zusammenkamen, war es naheliegend, dass sich die beiden Gemeinden beschnupperten. Wenn Henriette Crüwell, Pfarrerin der Offenbacher Friedenskirchengemeinde, sagt, „ein Kennzeichen unseres Kirchenvorstands ist es, dass er sagt, lass uns das mal ausprobieren“, nickt Helms. Auch in der Erlösergemeinde zeigt sich das leitende Gremium der Ehrenamtlichen offen für Neues. Eine gute Ausgangslage für die neue Situation. „Die Erlösergemeinde liegt in dem Frankfurter „Gärtnerdorf“, wo die Grüne-Soße-Kräuter ihre Wurzeln schlagen. Im Quartier ist man gut vernetzt, berichtet Helms: Die Gemeinde kooperiert mit dem Nachbarschaftszentrum Ostend, zum Gewerbeverein hält sie Kontakt, beim Fest am Buchrainplatz ist die Erlösergemeinde dabei.

Frankfurt Oberrad und Offenbach: Gemeinden bereichern sich durch Unterschiedlichkeit

„Bei uns ist es mehr Dorf, bei euch mehr Stadt“, sagt Helms. Die Friedenskirchengemeinde ist mehr auf das umliegende städtische Offenbach ausgerichtet, bestätigt Crüwell. Bekannt ist die Friedenskirchengemeinde für eine andere Gottesdienstpraxis, „hier wird auch gekniet“, sagt Crüwell. In ihrer Arbeit legt sie großen Wert auf Angebote für die jüngere Generation.

Gerade dank der Unterschiedlichkeit des Umfelds bereichern sich die Gemeinden. Rund um die Oberräder Erlöserkirche stehen Wohnhäuser, manche zweistöckig mit Vorgarten, andere sind fast schon Hochhäuser. Bis zu Feldern und Wald ist es nicht weit. Dort tauchen selten Bagger, Kräne und Bauzäune auf.

Ein Boxcamp hat ein paar Häuser neben Crüwell seinen Sitz. Um die Ecke ist das neue Hafenviertel hochgewachsen, auf dem ehemaligen Seifenproduktionsgelände entstehen rund 300 neue Wohnungen. Crüwell beschreibt das Umfeld als „ziemlich säkular“. Als sie mit einer Postkartenaktion die Neubewohner des Hafenviertels einlud, war die Resonanz dürftig. Vier Konfis verzeichnet sie aktuell. Anders in Oberrad: „Hier melden sich noch 14 von 15 Getauften im Konfirmandenalter“, sagt Helms. Ein Grund dafür, dass schon mit der gemeinsamen Konfirmandenarbeit von Erlöser- und Friedenskirchengemeinde begonnen wurde.

Frankfurt Oberrad: Schutz durch gelbe Fahrradhelme - Zufall und Gemeinsamkeit

Zum 1. Juni sollen die Büros der beiden Gemeinden – zumindest telefonisch –zusammengelegt werden. Auch wenn die Verwaltungskräfte in Oberrad oder Offenbach sitzen, Auskunft können sie zu erweiterten Zeiten für beide Gemeinden geben. Im weiteren Verlauf des Jahres geht es los mit dem abwechselnden Dienst am Sonntag. Für ein halbes Jahr solle in der Friedenskirche ausprobiert werden, ob die neue Gottesdienstzeit elf Uhr funktioniert. Eine Predigt, gehalten an zwei Orten – ein Konzept, das die zwei interessant finden. 

Auch vor Hektik scheinen sie keine Angst zu haben: Nach 50 Minuten müssen die Glocken läuten für den fliegenden Wechsel. „Da müssen sie das Fahrrad schon vor der Kirche stehen haben“, sagt die Oberräder Pfarrerin. Ob der Talar dann im Körbchen landet oder gleich anbleibt, wird sich zeigen. Eins ist klar, die Pfarrerin trägt Gelb. Helms und Crüwell schützen sich mit einem gelben Fahrradhelm, wenn sie auf Tour gehen – Zufall, aber auch eine Gemeinsamkeit.

(red)

Die Riedhofschule in Sachsenhausen hat bald eine neue und tierisch gut ausgebildete „Kollegin“. Aktuell wird dort nämlich die Labrador-Hündin Mila zur offiziellen Schulhündin ausgebildet.

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