Die Zahlen liegen vor – eine Entscheidung über die Städtischen Bühnen steht noch aus

Neubau ist günstiger als S anierung

Ina Hartwig und Michael Guntersdorf präsentieren die Ergebnisse der Stabsstelle „Zukunft der Städtischen Bühnen“. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Kulturdezernentin Ina Hartwig war nicht erfreut darüber, dass die Zahlen zu den Kosten für die verschiedenen Varianten von Basis-Sanierung bis Neubau der Städtischen Bühnen schon in den Zeitungen standen.

„Das ist kein guter Stil und kein guter Start“, kritisierte sie. Die Ausgaben schwanken von 809,3 Millionen Euro für zwei Neubauten – ein Gebäude am Willy-Brandt-Platz, das andere in innenstädtischer Nähe – und 918,3 Millionen Euro für eine verbesserte Sanierung.

Woher kommen diese Zahlen? Am 26. April 2018 hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, das Projekt Doppelanlage Städtische Bühnen baulich und kostentechnisch prüfen zu lassen. Im November 2018 nahm die Stabsstelle „Zukunft der Städtischen Bühnen“ unter der Leitung von Michael Guntersdorf ihre Arbeit auf. Sie sollte die 2017 vorgelegte Machbarkeitsstudie bewerten und den Bestand aufnehmen. Guntersdorf hatte dicke Ordner dabei, gleichsam eine optische Demonstration der gut einjährigen Arbeit.

„Wir haben festgestellt, dass die Gebäude in einem desolaten Zustand sind“, sagte der Experte. Ein etwaiger Betrieb während einer Sanierung sei nicht möglich, umfangreiche Auslagerungen stünden an. Die teuerste Variante, eine verbesserte Sanierung, lehnte er ab; man solle „schlechtem Geld nicht noch gutes hinterherwerfen“. Zudem berge eine Sanierung immer ein erhebliches Risiko. Mit einem Neubau würde ein modernes Gebäude entstehen, das nicht mit alten Mängeln kämpfen müsse und zukunftsfähig sein würde.

Dem schloss sich Ina Hartwig an: „Eine Sanierung kann nun nicht mehr empfohlen werden.“ Sie präferiere die Variante 4, weil dabei nur eine Interimslösung notwendig sei, nicht zwei. Zunächst solle die Oper, anschließend das Schauspiel neu errichtet werden.

Dennoch falle der Abschied von der 1963 eröffneten Doppelanlage mit der Plastik „Goldwolken“ von Zoltán Kemény schwer, denn in den Theatern wurde Geschichte geschrieben. „Am Willy-Brandt-Platz schlägt das künstlerische Herz der Stadt. Das reißt man nicht aus“, unterstrich die Kulturdezernentin. Eine Verlagerung der Bühnen in die Nähe des Osthafens lehnte sie ab: „Wir sollten die kulturelle Landschaft der Innenstadt stärken.“ Dabei müsse die neue Architektur mit den Hochhäusern korrespondieren. „Wir brauchen einen internationalen Wettbewerb und eine Debatte in der Stadt.“ Die ließ nicht lange auf sich warten: CDU-Kreisvorsitzender Jan Schneider und seine Fraktion wollen zwar auch eine neue Doppelanlage, aber eher auf dem Raab-Karcher-Gelände. Das hätte den Vorteil, dass man sich eine 100-Millionen-Euro teure Interimslösung sparen könnte.

Eine Lösung sollte schnell gefunden werden, nicht nur im Hinblick auf die Kommunalwahlen im kommenden Jahr, die schon jetzt polarisieren, sondern vor allem im Hinblick auf die von Guntersdorf mit acht Jahren veranschlagte Bauzeit. Erfahrungsgemäß sinken die Kosten trotz Einrechnung von Steigerungen nicht – allein die Berechnungen aus der Machbarkeitsstudie 2017 wären heute mit über einer Milliarde Euro anzusetzen.

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