Ausstellung im Städel stellt den bekannten Maler und seine Kollegen und Sammler vor

Mythos van Gogh in Deutschland

Der Blick von der Treppe in den Gartensaal des Städel. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – „Die Schau ‘Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe’ ist mit fünf Jahren Arbeit die am längsten geplante Ausstellung in der Geschichte des Städel“, unterstrich dessen Direktor Philipp Demandt.

Van Gogh (1853 bis 1890) ist einer der bekanntesten Maler weltweit. Die Exposition zeigt mit 120 Gemälden und Zeichnungen des Niederländers und weiteren herausragenden Werken von Zeitgenossen sowie anhand von Dokumenten, warum das so kam.

„Für viele Künstler waren van Goghs Arbeiten ein Erweckungserlebnis, beispielsweise orientierten sich die Künstlervereinigungen ‚Die Brücke’ und ‚Der Blaue Reiter’ an van Gogh“, erläuterte Demandt. Für den Direktor und für das Städel-Team wurde mit der Realisierung der Idee von Felix Krämer ein Traum wahr. Der Kunsthistoriker und Kurator war von 2008 bis 2017 Sammlungsleiter der Kunst der Moderne am Städel und ist seit 2017 Generaldirektor des Kunstpalastes Düsseldorf.

Carl-Heinz Heuer, Vorstand der Kaldewei Kulturstiftung, die zusammen mit dem Städelschen Museums-Verein die Ausstellung großzügig förderte, erinnerte sich an eine „grauenhafte, neunstündige Autofahrt von Frankfurt nach Emden. Krämer gelang es, mich in den Staus davon zu überzeugen, dass diese Exposition gemacht werden muss.“

Felix Krämer lächelte: „Es ist schön, wieder in Frankfurt zu sein und die Ausstellung mit zu kuratieren. Und es war der beste Stau meines Lebens.“

In Deutschland war der in den Niederlanden geborene und seit 1886 in Frankreich lebende Maler um die Jahrhundertwende 1900 weitgehend unbekannt. Das Städel geht in drei Kapiteln – Mythos, Wirkung, Malweise – im Gartensaal auf 2000 Quadratmetern dem legendenumwitterten Künstler nach.

Der Berliner Galerist Paul Cassirer richtete 1901 die erste Van-Gogh-Ausstellung mit 19 Werken aus und zeigte sie anschließend in weiteren Städten. Das Echo schwankte zwischen Verriss und Euphorie. Langsam entstand der Mythos eines „leidenden, allein seinem Werk verpflichteten Künstlers.

Van-Gogh-Bilder wurden gerade in Deutschland zu beliebten Sammelobjekten. Vor dem Ersten Weltkrieg, während der Wilhelminischen Ära, gab es über 60 Ausstellungen in Deutschland, zahlreiche Schriften über den Künstler und 150 Bilder in Privatbesitz. Den ersten musealen Ankauf in Deutschland tätigte Karl Ernst Osthausen in Hagen 1902 für sein privates Folkwang Museum. 1908 erwarb das Städel unter Georg Swarzenski, der das Institut da seit drei Jahren leitet, „Bauernhaus in Nuenen“ und die Zeichnung „Kartoffelpflanzerin“. 1911 kaufte Swarzenski in Paris das letzte von van Gogh gemalte Porträt, das „Bildnis des Dr. Gachet“.

Felix Krämer unterstrich: „Die deutsche Kunstgeschichte wäre ohne van Gogh so nicht denkbar.“ Malerkollegen wie Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky und Otto Dix wurden von van Gogh inspiriert, waren begeistert von dem Kontrastreichtum der Farben, kühnen Kompositionen, dem pastosen Farbauftrag.

In nur zehn Jahren schuf van Gogh fast 900 Gemälde und rund 1000 Zeichnungen. Van Gogh verkaufte zu Lebzeiten vielleicht ein Dutzend Bilder.

1990 erzielte sein letztes Porträt „Bildnis des Dr. Gachet“ bei Christie’s in New York einen Preis von insgesamt 82,5 Millionen Dollar. Seit fast 30 Jahren ist dieses Gemälde nicht mehr öffentlich gezeigt worden, über seinen Verbleib wissen lediglich einige Insider Bescheid.

Heute ist davon noch der Rahmen im Städel, das Bild reiste um die Welt und hat eine spannende Geschichte, die in einem fünfteiligen Podcast – der erste des Städel – unter www.fin dingvangogh.de zu hören ist.

Die Ausstellung „Making van Gogh“ ist bis zum 16. ‚Februar 2020 im Haus am Schaumainkai zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare