„The Playground Project“ – Architektur für Kinder im Museum

Lozziwurm und Rutsch-Iglu zum Spielen

Gabriele Burkhalter, dahinter Andrea Jürges, vor den Fotos von Spielskulpturen in Stockholm, die Egon Møller-Nielsen entwarf. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Eine orangefarbene Röhrenkonstruktion aus Plastik beherrscht die Fläche. Obwohl das Areal zum Deutschen Architekturmuseum (DAM) gehört, sind Anfassen und Spielen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Man darf gespannt sein, wer es länger im Lozziwurm aushält: Die Kinder, weil man sich darin prima verstecken kann. Oder die Eltern. Aus ähnlichen Gründen.

Es geht in der Ausstellung „The Playground Project“ um Spielplätze. Ende des 19. Jahrhunderts stellten Sozialreformer Turngeräte aus Stahlrohr und Holz in eingezäunte Flächen. Fertig war der Spielplatz. Wer als Kind Glück hatte, fand noch einen Sandkasten und konnte buddeln.

Das genügte den Skandinaviern längst nicht. Sie richteten 1943 in Kopenhagen den ersten Abenteuerspielplatz ein, 1949 stellten sie im Stockholmer Skulpturenpark eine abstrakte Spielskulptur in einem Sandbecken auf. In Amsterdam erfand Aldo von Eyck den Spielplatz neu als durchlässigen Begegnungsraum. In Wien entwarf Josef Schlager Elefanten zum Rutschen, Mario Botta und Niki de Saint Phalle schufen im Zoo von Jerusalem eine bespielbare Arche Noah.

An den Wänden um Lozziwurm (von Ivan Pestalozzi) und Rutsch-Iglu (von Günter Beltzig) hängen bunte Fotografien, Texte informieren über Architekten und Projekte, Plakate erinnern an spezielle Aktionen.

„Wenn die Legobaustelle im Winter wieder Tausende Kinder ins Auditorium des Hauses lockt, ist die Spielplatz-Exposition eine tolle Ergänzung“, erklärte Andrea Jürges, stellvertretende Direktorin des DAM. Einen Blick sollte der Besucher auch auf die Arbeiten von Conrad Roland im zweiten Obergeschoss werfen – unter dem Titel „Schätze aus dem Archiv“ sind von ihm entwickelte dreidimensionale Kletternetze zu sehen. Noch bis zum 12. Januar 2020.

Die Blütezeit der Spielplätze begann Ende der 1960er-Jahre. In Deutschland schossen Kinderläden aus dem Boden, heftig wurde über Erziehungsmethoden diskutiert. Was darf das Kind? Was darf es nicht? 15 Jahre später waren gesellschaftliche Utopien nicht mehr sonderlich gefragt. Die Wende schließlich rückte andere Themen in den Vordergrund.

„Inzwischen wird wieder über Spielräume diskutiert. Aber es geht weniger um eingezäunte Areale, als vielmehr um die bespielbare Stadt“, äußerte Kuratorin Gabriele Burkhalter. Seit 2013, als sie in Pittsburg die erste Playground-Ausstellung zeigte, beschäftigt sie sich mit dem Thema. Frankfurt ist die siebente Station der Schau.

Frankfurt hat seit 1973 den Abenteuerspielplatz Riederwald, seit 1992 den ASP Günthersburg und seit 1997 den ASP Colorado Park. In Sachsenhausen gibt es den Wildgarten. Und es gibt mit den Spielmobilen flexible Spielgeräte für Schulhöfe, Kitas, Spielstraßen.

Zunehmend wird es darum gehen, gemeinsam mit den Kindern Spielwelten zu gestalten, die nicht ausgrenzen, sondern zusammenbringen.

Der Lozziwurm als Begegnungsskulptur für Kinder und Erwachsene ist schon mal ein Angebot. Indoor. Die Ausstellung „The Playground Project“ ist bis zum 21. Juni 2020 im Haus am Schaumainkai 43 zu sehen. Im Begleitprogramm gibt es Symposien, Rad- und Fußtouren zu Spielplätzen und Parks sowie Workshops.

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