20. Paul  Ehrlich Contest am Universitätsklinikum Frankfurt

Knifflige Fragen für künfti ge Ärzte

Professor Dr. Johannes Schulze, von Studierenden umringt, prüft, ob die Handwurzelknochen richtig sortiert sind. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Auf dem Tisch liegt eine Puppe, die einen fünf Monate alten Säugling verkörpert. Hannah hebt das „Baby“ hoch, dreht es auf den Bauch, streicht ihm mit den Fingern sanft über eine Partie des Rückens nahe an der Wirbelsäule.

„Der Galant-Reflex bedeutet, dass sich der Rumpf beim Stimulieren einer Seite zu dieser Seite hin zusammenzieht. “ „Und darf das bei einem fünf Monate alten Säugling noch auftreten?“, fragt Professor Dr. Johannes Schulze. Hannah überlegt kurz: „Ja. “ Die Medizinstudentin im fünften Jahr, also vor dem zweiten Staatsexamen und vor dem Praxisjahr, hat richtig geantwortet, wie sich später herausstellt. Es war eine von zwei praktischen Prüfungen in der Endrunde des 20. Paul Ehrlich Contests. Den gibt es seit 1998, damals als Benjamin Franklin Contest an der freien Universität Berlin ins Leben gerufen. Seit 2016 trägt er den Namen zu Ehren von Paul Ehrlich und findet alternierend in Frankfurt und Berlin statt, in diesem Jahr war Frankfurt an der Reihe.

Professor Dr. Johannes Schulze von der Goethe-Universität und sein Berliner Kollege Dr. Axel Schunk leiten den zwei Tage dauernden Vergleich. „Zum Jubiläumswettbewerb haben wir eine Rekordbeteiligung mit Teams aus 16 deutschen und österreichischen Medizinischen Fakultäten“, sagt Schulze. Sechs Teams, jedes besteht aus fünf Studierenden und einem Betreuer, kamen in die Endrunde: Aachen, Berlin, Frankfurt, Graz, Innsbruck und Mainz. Die meisten hatten T-Shirts ihrer Universität an, manche mit humoristischen Ergänzungen wie „Mainz am Wein“.

Aufgabe: Aus einem Zahlenfeld mit hinterlegten Fragen, waagerecht nach sechs Studienjahren und senkrecht nach der Punkteanzahl unterteilt, wählten die Studierenden zwischen 40 und 100 Punkten – und sie hatten die Chance, dabei einen Joker zu erwischen. Spannend. Was für eine Diagnose trifft zu? Im klimatisierten, halbdunklen Hörsaal des Universitätsklinikums kämpfen die sechs Finalisten unter den strengen Augen der Jury, die von den Betreuern der Teams gebildet wird. Viele Kommilitonen, auch aus den in den drei Vorrunden bereits ausgeschiedenen Teams, waren geblieben, hören zu, klatschen. Bei insgesamt 50 Bilder-Runden, fünf Fällen, zwei praktischen Aufgaben und zwei Routineaufgaben – alles Fragen aus dem Staatsexamen – sind großes Wissen und Konzentration gefordert.

„Im Contest treten die Besten an. Ich bin mir sicher, dass alle, die teilnehmen, gute Ärzte werden. Ich vertraue ihnen und würde zu jedem gehen. Der Contest ist nicht nur eine hervorragende Vorbereitung auf das Staatsexamen im Oktober, sondern auch auf das spätere Leben“, sagt Schulze. „Sicher sind es knifflige Fragen – einfache Diagnosen sind ja langweilig.“

Zwischen den zwei Endrunden gibt es auch noch die Möglichkeit für einen Studenten aus Dresden, sein gemeinnütziges Projekt „Was hab’ ich?“ vorzustellen.

Etwas später verteilt der Professor sechs Plastikdosen an die Studierenden. Aufgabe: Die acht Knochen der linken Handwurzel müssen richtig sortiert und richtig positioniert werden. In drei Minuten.

In der nächsten Fragerunde ist das Auditorium gefordert, wenn die Teams nicht richtig antworten. Wer die korrekte Lösung weiß, bekommt eine Süßigkeit vom Professor zugeworfen.

Nach vier Stunden verkündet die Jury den Sieger: Es sind Soko, Sebastian, Uschi, David und Vitalij mit ihrem Betreuer Dr. Alexander Kroiss von der Medizinischen Universität Innsbruck. Die Sieger tragen das etwas verfälschte Wort „innvictus“ (invictus, unbesiegbar) auf dem Rücken. Und schließlich haben sie die Nase vorn – nur zehn Punkte trennen sie am Ende von den zweitplatzierten Frankfurtern.

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