Wellenreiten auf dem Dach

Kid’s Day der Funkamateure im Museum für Kommunikation

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Amateurfunker Herbert Raidel und Francesca am Sprechfunkgerät.

Sachsenhausen (jf) – Francesca hält stolz ihre Urkunde in der Hand: Darauf ist sie mit einem Sprechfunkgerät auf einem Foto zu sehen. Schriftlich wird der Achtjährigen bescheinigt, „Nachrichten in die Welt geschickt“ zu haben.

Möglich ist so etwas am Kid’s Day, organisiert vom Ortsverband Frankfurt des DARC (Deutscher Amateur Radio Club) in der Amateurfunkstation auf dem Dachaufbau des Museums für Kommunikation. Im kleinen Raum stehen Sprechfunk- und Tastfunkgeräte, rund zehn Ehrenamtliche kümmern sich um die Station mit dem Namen Delta-Lima-Null-Delta-Papa-Mike – DL0PM. DL steht für Deutschland, 0 ist die Kennung der Clubstation und hinter DPM verbirgt sich das ehemalige Deutsche Postmuseum. Am Kid’s Day stehen den Kindern und Interessierten zwischen drei und 70 Jahren vier Amateurfunker mit Rat und Tat zur Seite. „Die Kinder dürfen ohne Lizenz funken. Das ist nur zu solchen besonderen Veranstaltungen möglich“, erklärt Karl-Heinz Wolf. Der Nachmittag soll Spaß am Funken wecken. „Heute hat jeder ein Handy, und kaum einer weiß, dass dieses Gerät neun Sender und Empfänger hat, weil man sich nur mit der Oberfläche beschäftigt.“

1886 stellte Heinrich Hertz experimentell die Existenz von Radiowellen fest, die erste Funkverbindung gelang neun Jahre später. Morsezeichen ermöglichten zunächst die schnelle Übermittlung von Nachrichten. Den Rundfunk gibt es seit 1900. „Inzwischen ist es beinahe normal, beispielsweise Sprach- und Bildkontakt mit Alexander Gerst in der Raumstation ISS aufzunehmen, und zwar per Funk“, erläutert Wolf. 2014 hatten Schüler der Frankfurter Wöhlerschule so mit Gerst gesprochen, unterstützt wurden sie von den Funkamateuren des DARC-Ortsverbands. Natürlich sei der Arbeitstag der Astronauten auf der ISS genau getaktet, man muss sich für solche Gespräche zwei bis drei Jahre vorher anmelden, fügt Wolf hinzu.

Gerst ist ja inzwischen wieder heil zurück auf der Erde. Doch es gibt noch viele andere spannende Geschichten für am Amateurfunk Interessierte. Wer weiß schon, dass Morsen schneller funktioniert als das Schreiben einer Nachricht auf dem Handy? Die Station DL0PM im Museum für Kommunikation ist dienstags bis freitags von zehn bis 13 Uhr und jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 13 bis 17 Uhr geöffnet, außerdem an den zweimal jährlich durchgeführten Kid’s Days. Der nächste findet am dritten Samstag im Juni statt.

„Wir sind beeindruckt von der Station“, sagt Francescas Mama. Das spezielle Angebot hatte sie im Internet gefunden und war mit ihren beiden Töchtern ins Museum für Kommunikation gekommen. Ob sich Francesca weiter für das Funken begeistert, bleibt abzuwarten. Aber vielleicht legt sie ja irgendwann tatsächlich die Prüfung als Amateurfunkerin bei der Bundesnetzagentur ab – die braucht man nämlich normalerweise, um funken zu dürfen.

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