150 Jahre nach seiner Eröffnung leuchtet er in gelb, rot, grün, blau und violett

Zum Geburtstag des Eisernen Stegs viel Licht

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Zum Jubiläum wurde die beliebte Brücke über den Main in bunten Farben – abwechselnd etwa in lila, rot und grün – beleuchtet. Fotos: Faure

Sachsenhausen (jf) – Während der Magistrat noch zauderte und rechnete, handelten die Bürger: Sie gründeten 1867 eine „Actiengesellschaft zur Errichtung einer Eisernen Brücke am Fahrtor“. Die AG verkaufte Anteilscheine zu je 100 Gulden, verzinst mit fünf Prozent.

Sachsenhausen (jf) – Während der Magistrat noch zauderte und rechnete, handelten die Bürger: Sie gründeten 1867 eine „Actiengesellschaft zur Errichtung einer Eisernen Brücke am Fahrtor“. Die AG verkaufte Anteilscheine zu je 100 Gulden, verzinst mit fünf Prozent. Ein Erfolgsgeschäft, denn innerhalb weniger Monate waren mehr als die Baukosten von 120.000 Gulden (heute etwa 1,94 Millionen Euro) zusammengekommen. Und die Genehmigungen lagen ebenfalls im August 1868 auf dem Tisch. Frisch ans Werk also – nach dreizehn Monate hatten die fleißigen Arbeiter des Stahlbauunternehmens „J. S. Fries Sohn“ und der Firma „Knabenschuh & Wallut (Unterbau und Pfeiler)“ das Werk vollbracht. Der Eiserne Steg konnte am 29. September 1869 als zweite Frankfurter Mainbrücke seiner Bestimmung übergeben werden.

Zur Refinanzierung wurde eine Brückenmaut eingerichtet. Für einen Kreuzer (etwa 1,30 Euro) konnte man den Eisernen Steg überqueren, für Beamte und Militär war der Weg kostenfrei. Die Brückenmaut wurde am 1. Januar 1886 aufgehoben – das Geld war eingenommen, die Brücke wurde der Stadt als Eigentum übergeben, praktisch geschenkt. Ja, das brachte natürlich auch Verpflichtungen mit sich.

Der Ingenieur Johann Peter Wilhelm Schmick, der seit 1861 in Frankfurt lebte und 1865 sein eigenes Büro eröffnete, legte 1868 erste Entwürfe des Eisernen Steges im Städel’schen Kunstinstitut aus – schon damals gab es also Bürgerbeteiligung. Schmick, im Volksmund hieß es später „Kaa Brick ohne Schmick“ – erhielt mit dem Steg den ersten größeren Auftrag, dem weitere folgten. Er konzipierte die Querung über den Fluss als steife Hängebrücke. Sie war Fußgängern vorbehalten, die lichte Weite im Mittelfeld betrug 79,80 Meter, die nutzbare Verkehrsfläche war 4,27 Meter breit. Die Durchfahrtshöhe für Schiffe war mit 6,20 Meter angegeben. Sein Entwurf wurde 1873 auf der Weltausstellung in Wien mit dem Fortschrittspreis ausgezeichnet.

Der Eiserne Steg wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach renoviert und restauriert. Die deutsche Wehrmacht sprengte ihn am 25. März 1945 mit den übrigen Frankfurter Mainbrücken. Am 2. November 1946 war der Wiederaufbau geschafft, der Eiserne Steg erneut passierbar.

Die schöne Brücke wurde von Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann gemalt, spielte in Filmen, Theaterstücken und Songtexten eine Rolle. Etwa 20.000 Liebesschlösser hängen am Geländer. Der Steg hält das nachgewiesenermaßen aus. Eher geht mancher Liebesbund zu Bruch.

„Ein Geburtstagskind bekommt eine Torte. Der Eiserne Steg bekommt zum 150. eine neue Beleuchtung“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann. Die heute 173,59 Meter lange und 5,44 Meter breite Lieblingsbrücke der Frankfurter und ihrer Gäste erstrahlte nun zum 150. Geburtstag von gelb bis violett. Das Team um Tino Lenz vom Amt für Straßenbau und Erschließung hat die neue LED-Beleuchtung, die kostengünstiger, strahlender und nahezu blendfrei ist, konzipiert. Die 51 Leuchten wurden in Frankfurts Partnerstadt Leipzig gefertigt. „Auch da gibt es einen symbolischen Brückenschlag“, ergänzte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling.

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