Eine Fülle an Exponaten erzählt im Weltkulturen Museum von vielen Aspekten der Migration

Geschichten aus aller Welt

Atêf Sitanala (von links), Vanessa von Gliszczynski, Jaïr Pattipeilohy und Lesli Taihottu vor einem ihrer Fotos. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Die Figur mit dem weißen Gesicht, dem flachen hellen Strohhut, mit Schnur- und Spitzbart, hellem Anzug und Stock ist die Darstellung eines Europäers. Geschaffen hat sie ein unbekannter Künstler aus Angola Ende des 19. Jahrhunderts.

Weitere Schlüsselobjekte der Ausstellung „Weltenbewegend. Migration macht Geschichten“ im Weltkulturen Museum sind ein Trinkbecher, der an die Herrschaft der Inka erinnert, eine aus Blattstreifen geflochtene und mit Baumwollstoff überzogene Tabakdose aus Malaysia, das Bild des weiblichen Wassergeistes Mami Wati, verehrt in West- und Zentralafrika, später auch in Amerika und der Karibik.

„Wir im Weltkulturen Museum sind geborene Geschichtenerzähler mit über 65.000 Objekten, dazu Fotos und Filme, Bücher und Zeitschriften“, sagte Eva Raabe, Direktorin des Hauses. Da sich das Wort Migration in den letzten Jahren allzu sehr auf Zuwanderung, Flucht und Vertreibung konzentrierte, will das Institut mit seiner Ausstellung den Blick weiter öffnen. Es sei eine Herausforderung aller ethnologischen Museen, ihre Sammlungen mit aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen zu verbinden. Das Haus am Schaumainkai 29 bietet auf zwei Ebenen und in zehn Bereichen ganz unterschiedliche Aspekte von Wanderungsbewegungen. So entwickelten die Austronesier einen einzigartigen Sternenkompass, mit dem sie auf dem Meer navigieren konnten.

Musikinstrumente spielten immer schon eine große Rolle bei allen Völkern. Die Spießgeige Rabab verbreitete sich von der arabischen Welt bis nach Indonesien. Im Hochmittelalter wurde sie an spanischen, französischen, deutschen und britischen Höfen gespielt.

Niederländische Waxprints eroberten Westafrika, die bedruckte Webkante der Originalstoffe wird heute nicht versteckt, sondern gerne und explizit gezeigt.

Eher nicht gezeigt werden soll das Leben auf den australischen Inseln Manus und Nauru. Die sogenannte „Pazifische Lösung“ wurde von der australischen Regierung um John Howard im Jahr 2001 eingeführt. In Internierungslagern warten Asylsuchende oft Jahre auf einen Bescheid. Fotos und Filme berichten aus diesen Lagern.

Das Künstlerkollektiv Teru – das sind Atêf Sitanala, Jaïr Pattipeilohy und Lesli Taihottu – schuf mit „Mahina“ eine Hommage an die Frau. Mahina bedeutet auf Molukkisch Frau oder Mutter. Anfang der 1950er Jahre kamen Mitarbeiter und Soldaten der ehemaligen niederländischen Kolonialmacht in Rotterdam an – sie galten als Kollaborateure und waren auf den Molukken nicht mehr erwünscht. Teru fotografierte die Nachfahren dieser Menschen. Die Bilder strahlen Schönheit, Kraft, Ruhe und Selbstvertrauen aus. Die Frauen selbst waren ins Weltkulturen Museum gekommen, um den Fotografien Objekte aus den Sammlungen beizustellen. In kurzen Texten erklären Gemma, Tessa, Grace und Patricia, warum sie diese Gegenstände auswählten.

Die Ausstellung „Weltenbewegend. Migration macht Geschichten“ hält eine Fülle von Informationen bereit. Sie wird von einem umfangreichen Programm begleitet und ist bis zum 30. August 2020 zu sehen.

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