Wurzeln beim Frankfurter Turnverein

Ein Geschenk für das Eintracht Museum

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Gerd Kindleben (von links), Bodo Pfaff-Greiffenhagen, Conni Argast, Matthias Thoma und Sabine Urban mit dem Bild.

Sachsenhausen (jf) – Die Ausstellung „Der andere Fußball: 100 Jahre Arbeiterfußball – 125 Jahre Arbeitersport!“ startete Ende des vergangenen Jahres im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund und ist nun bis zum 31. Januar im Landessportbund Hessen zu sehen.

In jahrelanger Arbeit und oft mühsamer Recherche hat der Verein Paderborner Kreis 17 Tafeln mit einem reich illustrierten historischen Abriss von der Entstehung des Arbeitersports Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart zusammengestellt. Über die ersten Meisterschaften im Arbeiterfußball, die Zerschlagung des Arbeitersports durch die Nationalsozialisten, den Widerstand, bis hin zu den Porträts bekannter Arbeiterfußballer kann sich der Besucher informieren. Seit 2013 gibt es den Paderborner Kreis, eine Vereinigung von Sporthistorikern, die den Arbeitersport erforscht. Helga Roos aus Frankfurt und Ulrich Matheja aus Nürnberg gehören dazu. Sie erläuterten auf einer Veranstaltung im Landessportbund Hintergründe zur Ausstellung.

Ein willkommener Anlass für ein besonderes Geschenk: Eine Abordnung des Frankfurter Turnvereins 1860 (FTV) überreichte dem Leiter des Eintracht Frankfurt Museums Matthias Thoma ein besonderes Bild: Eine fotografisch wirkende Zeichnung zum 25-jährigen Jubiläum der Frankfurter Turngemeinde. Verein? Gemeinde? Der Erste Vorsitzende des FTV 1860 Gerd Kindleben klärte auf: „Bereits 1833 hatte sich ein Vorläufer des späteren FTV gegründet. Er wurde mehrfach verboten und spaltete sich. 1860 erfolgte eine Neugründung – auf dieses Datum bezieht sich der heutige Verein.“ Aber es gab erneut Querelen. Weil man sich über die Ausrichtung einer Weihnachtsfeier – mit oder ohne Vereinsfahne – nicht einig wurde, gründeten elf Arbeitersportler 1861 die Frankfurter Turngemeinde. Diese gilt als Vorläufer der heutigen Sportgemeinde Eintracht Frankfurt (SGE).

Fußballergeschichte wird nicht umgeschrieben

Matthias Thoma freute sich, aber er sagte auch: „Das ist ein tolles Geschenk. Wir werden das Bild vorsichtig scannen und duplizieren – dann bekommt die Turngemeinde der Eintracht, die ja tatsächlich 1861 gegründet wurde, eine Kopie. Das Original findet natürlich im Eintracht Museum einen Platz. Wir werden die Geschichte der Fußballer aber nicht umschreiben, für uns wurde Eintracht Frankfurt 1899 gegründet.“ Ulrich Matheja sprach anschließend über Arbeitersport in Hessen, damals war darunter der Volksstaat Hessen und die preußische Provinz Hessen-Nassau zu verstehen. „Es gab viele Brüche, Trennungen und Neugründungen in der Geschichte der Arbeitersportvereine“, sagte der Historiker. Das mache die Recherche schwierig.

„Ein Thema der Ausstellung ist auch die Spaltung der Arbeitersportvereine in sozialdemokratische und kommunistische Gruppen“, merkte Helga Roos an. Sie wies noch auf das Schicksal von Josef Reitinger hin – der 20-jährige Kommunist wurde 1934 aufgrund eines nicht begangenen Mordes an einem SA-Mann (1933) durch die Guillotine in der Haftanstalt Preungesheim hingerichtet. Bis heute ist das fehlerhafte Urteil nicht revidiert worden.

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