Wandbild von Justus Becker will aufr ütteln und für Engagement im Klimaschutz werben

„Gemeinsam noch was dre hen!“

Justus Becker (von links), Priska Hinz und Thomas Hain vor dem Haus mit dem Wandbild ganz oben. Fotos: Faure

Sachsenhausen (jf) – Hoch oben, 20 Meter über dem Boden, halten Hände einen Zauberwürfel, auf dem unser Planet erkennbar ist.

„Gemeinsam noch was drehen!“, das ist die Botschaft der Malerei auf der Fassade an einem Haus in der Aussigerstraße an der Eisenbahnstrecke, auf der S-Bahnen, Regio-Züge und ICEs verkehren. Auf der linken Seite des Bildes ziehen Rauchschwaden zwischen düsteren Betonwänden gen Himmel. Die Blechlawine der Autos staut sich auf sechsspurigen Fahrbahnen, abgeholzte Wälder und ausgetrocknete Böden vermitteln Trostlosigkeit. Dass es auch anders gehen kann, zeigt die rechte Seite des Wandbildes: Zwischen Häusern und Fabriken gibt es viel Grün, Windräder drehen sich am Horizont, Pflanzen erobern sich Flächen zurück. In großen Buchstaben steht „klimaschutzplan-hessen. de“ darunter.

In über 60 Stunden schuf Justus Becker aka „COR“ dieses Wandbild, das er selbst als „Mural“ bezeichnet. Natürlich sei er während der Arbeit mit den Leuten ins Gespräch gekommen, man habe ihm sogar Kaffee angeboten.

Mit dem Bild will das hessische Umweltministerium aufrütteln. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Unternehmen Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, das eine Fassade zur Verfügung stellte.

„2018 wurden im Frankfurter Westen 40,2 Grad gemessen. Über das Jahr war Frankfurt der wärmste Ort Deutschlands. Die Klimakrise ist da, aber wir können noch etwas drehen“, ist Umweltministerin Priska Hinz überzeugt. Das Kunstwerk an der Wand ist vor allem für die Zugreisenden gedacht. Aber auch von unten ist es ganz gut zu erkennen, wenn man genau hinschaut. „Die Arbeit war eine coole Herausforderung, nach ein paar Tagen habe ich mich auch an die Höhe gewöhnt“, sagte Justus Becker, der bereits Wände in 15 Ländern bemalt hat. Themen wie Ungerechtigkeit, Hoffnung, Einigkeit und Freiheit sind ihm wichtig. „Wir sollten uns mit der Zukunft beschäftigen“, forderte er.

Im gerade eröffneten Café Heimat, einem von der Nassauischen Heimstätte eingerichteten und von der Caritas betriebenen Treffpunkt in der Straße Unter den Kastanien, erläuterte Priska Hinz die neue Klimarichtlinie des Landes. „Wir brauchen die Mitarbeit der Kommunen, wenn wir etwas erreichen wollen“, sagte die Ministerin. Seit zehn Jahren gibt es das Klima-Bündnis, dem 197 Kommunen angehören, die sich eigene Aktionspläne erarbeiten. Bei insgesamt 423 politisch selbstständigen Städten und Gemeinden in Hessen ist da noch Platz nach oben.

Hinz stellte die neue Klimarichtlinie vor: Klima-Kommunen erhalten künftig 90 Prozent Förderung ihrer Maßnahmen, die anderen Kommunen 70 Prozent. Das sind jeweils 20 Prozent mehr als vorher. Gerade weil wir nur auf zehn bis zwanzig Prozent der CO2-Emissionen Einfluss haben, muss dieser Spielraum genutzt werden. Ideen gibt es viele; sie reichen von Fahrradverleihsystemen gerade auch in ländlichen Gebieten über die erstmalige Förderung von Privateigentümern, die ihre Grundstücke begrünen wollen, bis hin zur Ausweitung des Trinkbrunnennetzes. „Wir brauchen zudem gute Beschlüsse des Bundes –eine CO2-Bepreisung muss her, der Kohleausstieg endlich vorankommen und ein Klimaschutzgesetz verabschiedet werden“, forderte die Ministerin. Mit einer Öko-Anbaufläche von 14,8 Prozent sei Hessen auf dem Gebiet der Agrarwende schon mal Spitzenreiter.

Wenn wir es gemeinsam in den nächsten zehn Jahren schaffen, etwas zu drehen, können wir die Klimakrise bewältigen.

In der Aussigerstraße war Justus Becker inzwischen wieder mit Anwohnern ins Gespräch gekommen. Die finden das Wandbild toll. „Aber hier unten auf dem Boden sieht es nicht gut aus. Da müsste etwas passieren, Müll und Papier eingesammelt werden“, meinte eine Frau. Wäre eine gute Idee für eine gemeinsame Aktion. Mit den Kindern. Und vielleicht einem Fest zum Abschluss.

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