Adler-Geschichten

Gebärdensprachenführung im Eintracht-Museum kommt gut an

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Seit 2017 gibt es den Deaf Fanclub – ein Mitglied hat die Fahne zur Führung dabei.

Sachsenhausen (jf) – Zweimal Ante Rebic, einmal – in der Nachspielzeit – Mijat Gacinovic. Am Ende stand es in Berlin 3:1 für die Eintracht im Pokal-Endspiel gegen Bayern München am 19. Mai 2018. Ein Zwei-Minuten-Kurzfilm zum Jubeln.

Die Zuschauer im Eintracht Frankfurt Museum hoben die Hände und drehten sie. So zeigen Gehörlose Beifall. Plötzlich zog einer der 30 Besucher eine Fahne aus der Jacke: Deaf Fanclub Eintracht Frankfurt ist darauf zu lesen. Erneut wurde gejubelt. Es war eine Premiere: Erstmals fand im ausgebuchten Museum eine Führung in Gebärdensprache statt. Zuständig für die Übersetzung waren Beate Neumann und Renata Melka. „Übrigens war es der fünfte Pokalsieg für die Eintracht“, erklärte Museumsleiter Matthias Thoma. Er erzählte aus der Geschichte der „Schlappekicker“, wie der Verein in den 1920er Jahren genannt wurde, weil viele Spieler in der Schuhfabrik J. & C.A. Schneider beschäftigt waren. Ein Foto von 1920 zeigt unterschiedlich große Adler auf den Trikots: „Die Spieler mussten ihre Trikots damals selber machen, deshalb sind die Wappentiere nicht überall gleich“, sagte Thoma.

Im Übrigen gab es in Frankfurt sieben Vereine mit dem städtischen Adler – da wurden Unterscheidungen schwierig. Das Trainingsgelände am Riederwald lockte mit warmem Wasser zum Duschen, die Fußballstiefel hatten Stahlkappen, die Schienbeine wurden zuerst mit Zeitungsbündeln geschützt. Nächste Station im Museum war ein Monitor mit der ersten Bewegtbildaufzeichnung eines Fußballspiels; 1932 trat in Nürnberg die Eintracht gegen Bayern an (und verlor 0:2). Auf dem alten Schwarz-Weiß-Streifen ist erkennbar, was es damals alles noch nicht gab: keine Einlauf-Kinder, kein Halbkreis in der Mitte, keine Rückennummern, keine Zäune. Aber Platzsturm. „Probleme mit Fans gab es damals schon. Nur waren die Fußballer jener Zeit Amateure“, sagte Thoma.

Die Eintracht wurde 1959 Deutscher Meister und stand 1960 als erste deutsche Mannschaft im Finale beim Europapokal der Landesmeister. Real Madrid gewann zwar in Glasgow vor 135.000 Zuschauern (7:3), aber der Original-Ball liegt unter Glas im Eintracht Museum. Und muss regelmäßig zum Durchchecken ins Ledermuseum Offenbach. Prunkstück der Schatzkammer ist nicht etwa die Kopie des DFB-Pokals, sondern in der Mitte der Pokal für das gewonnene Freundschaftsspiel im August 1972 gegen La Coruna: 1,50 Meter hoch und 27 Kilogramm schwer. „Feiern lässt sich damit nicht“, stellte Thoma fest. Bestätigendes Kopfschütteln nach der Übersetzung auch bei den Besuchern. Als die Eintracht mit dem DFB-Pokal (einer Kopie) per Autocorso durch Frankfurt fuhr, wollten viele der Trophäe so nah wie möglich kommen. Resultat: etwa 60 plattgefahrene Zehen. Die Aussage eines Geschädigten: „Egal, das war’s mir wert!“

Vom vierten Rang hat man einen super Blick auf die Skyline und ins Stadion. Die Besucher dürfen auf den ledergepolsterten VIP-Sitzen Platz nehmen. Die auch Nachteile bei langer Sonneneinstrahlung haben, wie Thoma bemerkte. Ganz unten dürfen die Führungsteilnehmer auf der Auswechsel-Bank der Gäste sitzen. Die Sessel sind nicht nur beheizbar, bei großer Kälte wird den Spielern auch noch ein Heizkörper für die Füße hingestellt. Selbstverständlich ist der Rasen beheizt. „Es geht aber nur darum, dass kein Schnee und Eis auf dem Rasen bleibt“, erklärte Thoma. Zum Schluss gibt es noch den UEFA-Pokal von 1980 zum Anfassen und Fotografieren. Toll, selbst wenn es nur eine Kopie ist.

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