Vortrag zu „Frankfurt in der Krise – Strategien für den Ernstfall“

Drei Tage ist Frankfurt handlungsfähig

Im Anschluss an die Vorträge standen Gerhard Bereswill, René Gottschalk, Karl-Heinz Frank und Hubert Einetter (von links) noch für Fragen zur Verfügung. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Das Beruhigende: In Deutschland ist es noch nie zu einem großen Stromausfall gekommen. Das Beunruhigende: Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommen kann, wächst aufgrund der ungeheuren Datenmengen. „Deutschland hat im Stromnetz vier Regelzonen.

Kurze Ausfälle sind damit problemlos zu kompensieren“, erläuterte Polizeipräsident Gerhard Bereswill, einer der Gäste der Sitzung der Frankfurter Medizinischen Gesellschaft, die zum Vortrag „Frankfurt in der Krise – Strategien für den Ernstfall“ ins Uniklinikum eingeladen hatte.

Die Polizei sei gerüstet, es gebe Leitstellen und Notstromaggregate sowie analoge Funkgeräte. „Die Bevölkerung hat ein Recht auf Information“, unterstrich der Polizeipräsident. 31 Prozent der Deutschen nutzen das Internet als Hauptinformationsquelle. Seit 2014 ist die Polizei Frankfurt auf Twitter, seit 2015 auf Facebook, seit 2017 auf Instagram. „Es ist wichtig, die Informations- und Deutungshoheit zu behalten“, sagte Bereswill. Da die Internetabhängigkeit aber nicht nur positive Seiten hat, müssen redundante Systeme angelegt werden. Bei einem Blackout nützt Instagram nichts mehr, notfalls würden dann auch analoger Funk und Melder eingesetzt.

Ähnlich sieht das Karl-Heinz Frank, Direktor der Branddirektion Frankfurt. „Noch vor zehn Jahren beschäftigte sich keine Feuerwehr mit dem Thema Blackout. In der Gesellschaft wird es weitgehend verdrängt“, stellte Frank fest. Doch die zwölf Berufs- und die 28 Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt haben sich auf den schlimmsten Fall eingestellt. „Wir sind drei Tage handlungsfähig.“ Es gibt mobile Notstromaggregate, man schätzt, dass die Stadt etwa 450.000 Liter Diesel pro Tag benötigt. „Die Lager sind voll, kritisch sind die letzten Meter. Leider sind die etwa 14.500 Tankstellen in Deutschland nur zu einem geringen Teil mit Notstromaggregaten ausgerüstet. Die Mineralölkonzerne wälzen solche Investitionen auf die Pächter ab“, sagte Frank. Diese würden sich vor der Anschaffung entsprechender Aggregate scheuen, die ab 20.000 Euro kosten. Dem gegenüber stehe ein Gesamtumsatz der Tankstellen von über 13,47 Milliarden Euro (2017). Bemerkenswerte Zahlen, die der Vortrag offenbarte. Hubert Einetter informierte über Satellitenkommunikation, ein sicheres System bei einem Blackout. René Gottschalk, Direktor des Gesundheitsamts Frankfurt, gesteht zwar, dass seine Einrichtung Nachholbedarf in sozialen Medien habe, aber dennoch gut gerüstet sei.

Alles in allem: Frankfurt ist vorbereitet, zumindest auf drei Tage ohne Strom. Was dann passiert, will sich ohnehin keiner ausmalen.

Aber: Jeder Bürger könne selbst vorsorgen, das Bundesamt für Katastrophenschutz hat einen Ratgeber herausgegeben, der auch online unter bbk.bund.de zu finden ist. Schadet also nichts, einen Vorrat anzulegen: Ein batteriebetriebenes oder Kurbel-Radio, Trinkwasser und Lebensmittel, Hygieneartikel, Gaskocher und Kartuschen, Kerzen und Feuerzeuge und ausreichend Bargeld griffbereit zu haben.

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