Talkrunde im Rahmen der Gewerbeschau von „Frankfurt am Start“

Brückenviertel soll grüner werden

Diskussion in der „Brücke“ (von links): Sébastien Daudin, Florian Reineking, Mirella Sasse, Mark Hallstein und stehend Axel Grysczyk. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Trevor, das Maskottchen der Löwen, lenkt die Aufmerksamkeit der Leute auf sich.

Begleitet wird der Löwe im Eishockey-Trikot auf seinem Weg durch das Brückenviertel von Oliver Schwebel von der Wirtschaftsförderung und Teilnehmern der zweitägigen Gewerbeschau im Quartier. Alles dreht sich an diesem Wochenende um den Kürbis. Die gelb-orangenen großen Früchte stehen vor den Geschäften und Restaurants der 31 teilnehmenden Unternehmen. Es gibt ein Quiz und ein Gewinnspiel und Late-Night-Shopping am Samstag. Und es gibt ein Kürbisschnitzen für Kinder, das gut ankommt. Und Kürbiseis, das ebenfalls gerne gekostet wird.

Das Café und Restaurant „Die Brücke“ von Sandra Beimfohr und Nina Karp del Veccio stellt den Raum für eine Gesprächsrunde zum Thema Verkehr. Das brennt den Bewohnern und Geschäftsleuten unter den Nägeln. Auf dem „Lieblingsplatz“ des Cafés, mit Banner und technischer Anlage in ein Podium verwandelt, haben Sébastien Daudin, Elterninitiative Sachsenhausen (E.I.S.) Spielhaus auf dem Brückenspielplatz, Ortsbeirat Florian Reineking (FDP), Mirella Sasse, Vorsitzende des Gewerbevereins und Inhaberin des Ladens „Frau Nellson“ sowie Fotograf Mark Hallstein Platz genommen. Axel Grysczyk, Redaktionsleiter des Frankfurter WochenBlatts, moderiert.

„Wie ist das, soll das Viertel autofrei werden?“, fragt Grysczyk. „Autofrei nicht. Aber dazu müsste man Bewohner und Geschäftsleute fragen“, antwortet Reineking. „Ich sehe keinen Unterschied zwischen der Schweizer und der Brückenstraße. Das Auto soll verdrängt werden, dafür wird alles Mögliche getan. Doch es geht eher um ein Miteinander“, bemerkte Hallstein. „Wir sind auf den Lieferverkehr zu bestimmten Zeiten angewiesen. Trotzdem wären mehr Grün und mehr Bänke schön“, äußert Sasse und plädiert für bessere Bedingungen für Fahrräder und Fußgänger. „Ich finde es schon einmal schön, dass so eine Debatte stattfindet“, lobt Daudin. Es habe zwar gedauert, aber das Stück Brückenstraße im Park wurde schließlich zur autofreien Spielstraße umgewandelt. Geht also. „Sonntags sind in Paris einige Straßen für Autos gesperrt. Das könnte hier auch so sein“, fordert der Engagierte. „Vor allem stören mich die großen Lkw in der Brückenstraße“, ruft eine Frau dazwischen. Daudin gibt ihr Recht: „Die wenigsten Fahrer nehmen das Tempo 30 auf der Brückenstraße zur Kenntnis“, fügt er hinzu.

„Bleibt denn noch viel Zeit, um verschiedene Meinungen mit den Bürgern zu diskutieren?“, will Grysczyk wissen. „Es sollte schon schnell gehen, denn die Vielfalt der Verkehrsmittel macht das Auto eigentlich unnötig. Eine andere Art der Mobilität ist gefragt. Und darin ist Frankfurt kein Vorreiter“, schätzt Hallstein ein. „Wir sollten verschiedene Systeme miteinander verknüpfen. Denkbar wären eine einheitliche Plattform und bessere Ticketsysteme. Ich persönlich will das Auto nicht komplett verbannen. Doch wo das Brückenviertel wirklich hin will, muss breit diskutiert werden“, sagt Reineking. Sasse sieht das ein bisschen anders: „Die diverse Mobilität entwickelt sich gut in Frankfurt und ist auf dem richtigen Weg.“ Ein großes Problem seien allerdings die Ampelschaltungen, die sowohl Autofahrer als auch Fußgänger vor Schwierigkeiten stellen. Da müsste etwas geändert werden.

Jens Becker im Publikum schlägt eine Straßenberuhigung vor, fordert mehr Grün, weniger Autos, langsamere Fahrweise. Die Möglichkeit, dass Radfahrer wie auf anderen Straßen auch entgegen der Einbahnstraße fahren können, sei zu prüfen.

Kontrovers diskutiert wurde zudem über die Sperrung des nördlichen Mainkais.

Grysczyk forderte zum Abschluss der Talkrunde die Teilnehmer auf, ihre Visionen vom Brückenviertel in fünf Jahren zu nennen. Daudin wünscht sich das Quartier autofrei, Reineking will keine autofeindliche Stadt, Sasse möchte mehr Grün und Bänke und eine attraktive Flaniermeile, Hallstein hätte das Viertel gerne menschenfreundlich und lebendig.

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