Zwischen Regenwald und Eisbären

MAK bietet bei "House of Norway" Einblicke ins nordische Land

Direktor Matthias Wagner K vor den Fotos von „Steilneset Memorial“. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Regenwald? In Norwegen? Den gibt es tatsächlich, und zwar in der Nähe von Trondheim. Es sind nur noch wenige Quadratkilometer. Der Künstler Frank Ekeberg hat in diesem bedrohten Areal alle Geräusche aufgenommen.

Die sind in einer Klanginstallation im Aufgang des Museums Angewandte Kunst zu hören.

Die Exposition „House of Norway“ nimmt die gesamte Ausstellungsfläche auf drei Ebenen ein. Das Motto des diesjährigen Ehrengastes der Buchmesse, „Der Traum in uns“, wird in 47 künstlerischen Positionen und 24 Kurzfilmen auf die unterschiedlichste Weise präsentiert.

Norwegen, knapp 30.000 Quadratmeter größer als Deutschland, hat nur 5,33 Millionen Einwohner. Die meisten leben in den großen Städten. Eine Besonderheit ist die indigene Volksgruppe der Sámi, die außerdem in Schweden, Finnland und Russland zuhause sind. Und auch die Inselgruppe Svalbard (Spitzbergen) gehört zu Norwegen – dort gibt es zweieinhalbtausend Einwohner und dreieinhalbtausend Eisbären.

„Wir arbeiten schon fast drei Jahre am Ehrengastauftritt Norwegens“, äußerte Halldór Gumundsson, Projektleiter des norwegischen Gastlandauftritts und bereits von der Frankfurter Buchmesse 2011 mit Island als Ehrengast bekannt. Das Umfeld der Messe biete hervorragende Möglichkeiten, die Kultur des Gastes zu präsentieren. So gibt es inzwischen 510 Bücher, die in Vorbereitung auf die Buchmesse entweder aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt wurden oder sich mit dem Land zwischen dem Nordkap und Kristiansand, Stavanger und Vardø beschäftigen.

Deutsche Museumsleiter seien nach Norwegen eingeladen worden: „Uns ist der Blick Außenstehender wichtig. Es geht uns immer auch um den Dialog“, unterstrich Gumundsson. Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst, äußerte: „Wir wollen dieses riesige Land zeigen und haben viel entdeckt, darunter auch den Kulturraum der Sámi.“ Rund 250 Exponate sollen nun den Besucher zu einem neuen Sehen und Hören führen.

Eine herausragende Entdeckung sind dabei lyrische Textzeichnungen von Edvard Munch, die erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor und die französisch-US-amerikanische Künstlerin Louise Bourgeois schufen das „Steilneset Memorial“ am Rande des Ortes Vardø, Fotografien von Ken Schluchtman dokumentieren das 125 Meter lange Mahnmal, das an die Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert erinnert. In der Mitte steht ein quadratischer Pavillon, darin ein eiserner Stuhl, aus dem Gasflammen lodern, die sich in sieben im Kreis angeordneten Spiegeln vervielfachen. Eindrucksvoll.

Die Sámi lehnen sich auf gegen Reglementierungen wie die der Verringerung ihrer Rentierherden. Máret Ánne Sara schuf die Installation „Gefangen“: Lassos, mit denen eigentlich Rentiere eingefangen werden, hängen wie Galgenstricke von der Decke.

Und es gibt das Sámi National Theatre Beaivvá unter der Leitung von Rolf Degerlund, das die Deutschlandpremiere und weitere 23 Vorstellungen des Dramas „Johan Turi“ vorbereitet, in dem es um den Rentierhalter und ersten samischen Schriftsteller Johan Turi geht. Die Schauspieler haben eine eigens für die Aufführung konzipierte Bühnenlandschaft im zweiten Obergeschoss zur Verfügung. Das Stück wird in samischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln gezeigt.

Der Besucher kann im „House of Norway“ eine überraschende Entdeckungsreise zu Mode, Architektur, Malerei, Textilkunst, Fotografie, Videos und Filmen, Klanginstallationen und Gebrauchsgegenständen unternehmen und über die Vielfalt und den Reichtum norwegischer Kunst und Kultur staunen. Im benachbarten Restaurant „Emma Metzler“ gibt es passend Spezialitäten aus der New Nordic Cuisine, die bis zum Ende der Ausstellung am 26. Januar 2020 auf der Karte stehen werden.

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