Ausflug mit Dezernentin Rosemarie Heilig zum „Monte Scherbelino“ in Sachsenhausen

Der Berg aus Müll soll gesunden

Andreas Müller erläutert anschaulich die Sanieringsmaßnahmen.

Sachsenhausen (zlu) – 18 Millionen Kubikmeter Müll auf 24 Hektar in 50 Metern Höhe: Diesen Berg, der zwischen 1925 und 1968 wuchs und wuchs, gab die Bevölkerung damals den Namen „Monte Scherbelino“.

Der Haufen wurde nach Ende der Deponierung mit Erdaushub bedeckt, begrünt und teils mit Bäumen bepflanzt. Dazu kamen ein Abenteuerspielplatz für Kinder und Grillstellen, was ganze Schulklassen und an Wochenenden hunderte Besucher anzog.

Das neu geschaffene Freizeitparadies fand Ende der 80er Jahren jedoch sein jähes Ende: Man entdeckte, dass Schadstoffe ins Grundwasser gelangten und es zu Ausgasungen kam. Die Deponie wurde zur Altlast erklärt und das gesamte Gelände zu Beginn der 90er eingezäunt. Seitdem investiert die Stadt Frankfurt dort in umfangreiche Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen.

Auf einem großen Bereich des Berges wurde eine mineralische Abdichtung gebaut, Rekultivierungsboden aufgebracht und mit geeigneten Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Wie schon im vergangenen Jahr bot sich am Sonntag auch den Bürgern wieder die Gelegenheit, bei einer öffentlichen Exkursion hinter den Zaun des „Monte Scherbelinos“ zu schauen. Treffpunkt war der Parkplatz „Grastränke“ an der Babenhäuser Landstraße, wo Umweltdezernentin Rosemarie Heilig die Besucher in Empfang nahm. Von dort aus brach sie mit ihnen in Richtung Gefahrenzone auf.

Erst nachdem die Teilnehmer angehalten wurden, weder den Berg zu besteigen, die Gruppe zu verlassen, noch zu rauchen, klackte das große Vorhängeschloss. Dann ging es zwecks Durchzählung im Gänsemarsch durch das mächtige, mit Warnschildern versehene Tor. Die Entdeckungstour in ein Stück Frankfurter Wildnis konnte beginnen.

Heilig und die Mitarbeiter des Umweltamts Andreas Müller und Frieder Leuthold, sowie Andreas Malten vom Forschungsinstitut Senckenberg informierten über die getroffenen Maßnahmen und Ergebnisse der Bemühungen. Darunter auch das Projekt „Städte wagen Wildnis – Vielfalt erleben“, mit dem am Fuß des einstigen Müllbergs im Stadtwald einen Raum für die freie Entfaltung der Natur entstanden ist. „Wir wollen sehen, welche Pflanzen von alleine wachsen und welche Tiere sich diesen Lebensraum erobern“, sagte Heilig.

Auf ihrem Marsch staunten die Besucher über die Üppigkeit und biologische Vielfalt des Geländes. Sie wandelten auf verwunschenen Pfaden mit Blick auf den sich ebenfalls erholenden Löschsee. Der Zoologe Malten informierte über seltene Tiere, die in diesem Areal ihren Rückzugsort gefunden haben. Er hatte sogar einige Insekten als Anschauungsexemplare in der Kühltasche dabei.

Obwohl Mancher sogar die Brombeeren von den Sträuchern naschte, brachte es die Gruppe am Ende auf 207 gut gelaunte und beeindruckte Besucher. Einige von ihnen wollen dem Ruf des wilden Berges auch 2020 wieder folgen. Für die Allgemeinheit soll der Berg in den kommenden Jahren allerdings nicht geöffnet werden.

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