Blau als schönste Farbe

Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“ im MAK

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Stefan Sagmeister plädiert für mehr Schönheit in der Gestaltung von Produkten.

Sachsenhausen (jf) – Was ist schön? Das liegt gar nicht so sehr im Auge des Betrachters, wie gemeinhin angenommen wird. Die Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“ im Museum Angewandte Kunst verdeutlicht das in sechs Themenbereichen auf einer Etage.

Bereits auf der Rampe ins Obergeschoss steht in Englisch mit Neonschrift in Deutsch übersetzt: „Schönheit ist eine Kombination aus Form, Farbe, Gestaltung, Zusammensetzung, Material und Textur und soll den Sinn für Ästhetik ansprechen, insbesondere das Auge.“

„Die Ausstellung präsentiert künstlerische Produkte und Forschungsergebnisse gleichermaßen“, sagte der Direktor des Hauses Matthias Wagner K. Stefan Sagmeister bespielt zum zweiten Mal nach seiner „Happy Show“ 2016 große Teile des Museums, nun gemeinsam mit seiner Studiopartnerin Jessica Walsh. Mitten in einem Richtungsstreit will die Ausstellung einen Anstoß geben. „Wir wollen damit den Finger in die gesellschaftlichen Wunden gefeierter Konzepte legen“, sagte Wagner K. Schönheit sei in den letzten Jahrzehnten zu einem Unwort geworden, ergänzte Sagmeister. Allerdings lasse sich feststellen: „Überall dort, wo das Schöne fehlt, benehmen wir uns garstig.“ Als Beispiele führte der Künstler die graue Allerweltsarchitektur von Flughäfen und die Plattform Twitter an.

Der Bahnhof Grand Central in New York, 1913 erbaut, sei bis heute eine großartige Kathedrale der Eisenbahn, die 1968 nach Abriss der alten Gebäude errichtete Penn Station gelte als Design-Desaster. „Wir wollen aber nicht zurück ins 19. Jahrhundert, sondern Schönheit ebenbürtig mit der Funktion in der Gestaltung berücksichtigen. Das ist nicht neu, das hat auch schon der Schweizer Architekt und Bauhauskünstler Max Bill gefordert“, sagte Sagmeister. Es gehe darum, Probleme so zu lösen, dass sie den Menschen Freude machen und dabei zeitgenössisch bleiben. Ein Wandel im Denken sei bereits spürbar, die besten Architekten wie Jacques Herzog und Pierre de Meuron (Elbphilharmonie Hamburg) bauten wieder ästhetisch. „100 Jahre nach Marcel Duchamp muss wieder ein bisschen Platz für Schönheit sein“, äußerte Sagmeister. Der ökonomische Funktionalismus habe eine Gleichheit gebracht, unter der wir heute noch litten. Dabei ist es aufgrund neuer technischer Entwicklungen wie 3-D-Druck längst möglich, ästhetische Produkte ohne Mehrkosten herzustellen.

„Wir wollen, da wir aus dem Kommunikationsdesign kommen, die Besucher mit einbeziehen“, unterstrich Sagmeister. So kann sich jeder mit fünf Papiermünzen, die er mit der Eintrittskarte erhält, an Abstimmungen beteiligen: Was ist die schönste Form, was die schönste Farbe? Das ist übrigens Blau, wurde in weltweiten Forschungen festgestellt. Wohl, weil es an den klaren, weiten Himmel und das endlose Meer erinnert.

Die Ausstellung mit vielen oft überraschenden Beweisen aus Produktdesign, Stadtplanung und Architektur dazu, wie wichtig Schönheit ist, kann bis zum 15. September im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, besucht werden.

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