Beeindruckende Blicke

Ausstellung von Birgit Kleber im Filmmuseum

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Birgit Kleber im Gespräch mit Hans-Peter Reichmann, im Hintergrund die Porträts der Fotografin.

Sachsenhausen (jf) – Große, stahlblaue Augen fesseln den Blick des Betrachters, schmerzen beinahe: Horacio Camandule spielte 2009 die Hauptrolle im Film „Gigante“, der auf der Berlinale mehrfach ausgezeichnet wurde. Birgit Kleber hat den Schauspieler fotografiert.

Sein Porträt ist eines von insgesamt 91, die derzeit im Deutschen Filmmuseum gezeigt werden. Bunt gemischt, schwarz-weiße und farbige Fotografien, zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen – das spiegelt die Realität wider – sind die Bilder in zusammengedrängter Petersburger Hängung auf den Wänden im Foyer, im Treppenhaus und vor dem Kinosaal angeordnet. Die ältesten wurden 1996 (Franka Potente) und 1997 (Hildegard Knef) aufgenommen, die jüngsten, beispielsweise Barbara Baum und Tom Tykwer, hat Birgit Kleber im vergangenen Jahr gemacht. „Als wir vorab die Ausstellung im Filmmuseum besprochen haben, war klar, dass es keine perlenschnurartige Aneinanderreihung von Bildern werden sollte. Birgit Kleber bevorzugte die Petersburger Hängung“, erklärte Hans-Peter Reichmann auf der Vernissage.

Die ausgebildete Fotografin Birgit Kleber arbeitet seit 1985 freischaffend. Sie hat sich auf Porträts spezialisiert, ist seit 25 Jahren besonders auf der Berlinale unterwegs, um nationale und internationale Künstler vor ihr Objektiv zu bekommen. „Ich schaue, wer anreist, rufe die Agenturen an und spreche Termine ab. Meist habe ich nur fünf Minuten Zeit, das ist schon ein großer Druck für mich. Es gibt kein Stativ und keinen Blitz, ich arbeite ausschließlich mit Tageslicht“, berichtete Birgit Kleber. Zwischen ihrer Kamera und den Augen des Künstlers sind etwa 60 Zentimeter – ein Abstand zwischen Fotograf und Prominentem auf Augenhöhe, der einzigartig ist. „Für Sekunden entsteht ein spezieller Moment, ich drücke sieben-, achtmal auf den Auslöser.“ Der Profi Kleber fotografiert Profis. Sie sollen in die Kamera schauen, nicht lächeln. Die erfahrene Fotografin fokussiert die Augen, manuell. Es gibt keine Retusche, keine Formatbearbeitung, keine Korrekturen. „Als ich den französischen Kameramann Henri Alekan fotografieren wollte, hielt er die flache Hand ausgestreckt vor sich hin. Ich fragte ihn, was er da mache. Er antwortete: ‚Ich teste das Licht.’ Das habe ich mir anschließend auch angewöhnt“, verriet die Expertin.

Ob die Fotografin Schwierigkeiten bei der Freigabe der Bilder habe, wollte jemand aus dem Publikum wissen. „Ganz unterschiedlich. Viele kennen mich, wissen, wie ich arbeite. Manche nicken ein Porträt auf dem Monitor der Kamera ab, bei anderen muss ich die Bilder zur Agentur schicken – das dauert dann am längsten“, antwortete Kleber. Das Filmmuseum besitzt bereits knapp 300 Fotos, die Birgit Kleber aufgenommen hat. Nun kommt die beeindruckende Ausstellung „augenblicke. portraits von birgit kleber“ dazu. Die Exposition, zu der auch ein Buch erschienen ist, kann bis zum 10. März im Haus am Schaumainkai 41 besucht werden.

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