Mr. Gay Germany Benjamin Näßler setzt sich gegen die Diskriminierung Homosexueller im Fußball ein

„Aufklärung ist das A und O“

Benjamin Näßler mit Shiba Inu-Mischling Zazu. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Der Mann mit dem schwarzen, kurzen Vollbart, ein Basecap auf dem Kopf und einen hübschen Hund an der Leine, ist ein Sieger. Er hat vor wenigen Wochen in Köln beim Wettbewerb „Mr. Gay Germany 2019“ gewonnen.

„Ein Kumpel“, erzählt Näßler, „ist 2018 Dritter bei diesem Contest geworden. Das fand ich ziemlich cool, also habe ich mich beworben. Es geht dabei um mehr als über den Laufsteg zu spazieren, es geht um die unterschiedlichen sozialen Kampagnen. Die Präsentation dieser Vorhaben ist die wichtigste Challenge“, erläutert der 30-Jährige, der bei einer Versicherung arbeitet und seit mehr als sechs Jahren in Frankfurt wohnt.

Mit seiner Kampagne setzt er sich gegen die Diskriminierung Homosexueller im Fußball ein. „Man darf nicht nur meckern, sondern muss vom Sofa runter kommen und etwas tun“, stellt der Gewinner fest, der sich gegen mehr als 200 Bewerber durchsetzte. Er habe während der verschiedenen Treffen für Mr. Gay Germany viel gelernt und viele Leute getroffen. Sein Mann habe ihm dabei den Rücken freigehalten und ihn unterstützt.

„Bei mir zuhause in einem Dorf im Schwabenland haben mich die dummen Sprüche der Jungs im Verein genervt. Es fiel mir schwer, das einzuordnen. Sollte ich mich outen? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Da hätte ich Hilfe gebraucht“, berichtet Näßler. Es sei ein Versteckspiel gewesen. Als er dann seiner Mutter erklärte, dass er schwul sei, habe sie verständnisvoll reagiert. „2017 habe ich geheiratet. Mir war wichtig, mit meiner Mutter die Feier zu eröffnen“, bemerkt der junge Mann.

Er spielt seit etwa fünf Jahren beim 1985 gegründeten Frankfurter Volleyball Verein, der mit mehr als 800 Mitgliedern einer der größten schwul-lesbischen Sportvereine Europas ist und 28 Sportarten von Badminton bis Yoga anbietet sowie die Eurogames mitorganisiert. „Ich liebe Fußball, deshalb habe ich diese Kampagne gewählt. Aber sie lässt sich auch auf andere Sportarten übertragen“, betont Näßler. Seine Vorhaben beruhen auf drei Säulen: Er möchte ein Angebot für Betroffene schaffen, Trainer und Verantwortliche schulen und Aktionsspieltage ausführen. „Aber Aufklärung ist das A und O“, unterstreicht der engagierte Fußballer. Das Interview von RB-Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann Anfang Dezember habe zwar auf den großen Nachholbedarf im Umgang mit Homosexualität im Fußball aufmerksam gemacht, endete jedoch mit einem altbekannten Klischee: Fußball sei eben eine Männerdomäne. „Das hat mich doch geärgert“, meint Näßler. Gefreut hingegen hat ihn eine Nachricht des Vorsitzenden seines alten Dorfvereins. „Ich war echt überrascht, dass mir der Vorsitzende zur Wahl des Mr. Gay Germany gratuliert hat. Außerdem sagte er, dass er nie etwas gegen Schwule gehabt habe. Er hat vorgeschlagen, gemeinsam eine Aktion auf die Beine zu stellen“, sagt Näßler. 2020 wird also spannend.

„In Deutschland gibt es 21 Fußball-Landesverbände. Ich habe alle angeschrieben. Das Ergebnis: Nur selten gibt es einen Ansprechpartner für Homosexuelle. Ein Vermerk auf der Homepage ist zu wenig.“ Neun Landesverbände wollen die Vorschläge von Näßler umsetzen. „Solche Beispiele könnten anderen Verbänden helfen“, ist sich der Initiator sicher. Eine weitere Aufgabe besteht in der Sensibilisierung der Trainer. „Das ist nicht einfach, denn die Weiterbildungen sind schon vollgepackt. Außerdem ist es ein schwieriges Thema, das von Fachleuten angesprochen werden sollte“, erläutert Näßler.

Leichter ist es, Aktionsspieltage mit Info-Ständen und Ansprachen vor Spielbeginn und optischen Signalen wie Regenbogenfahnen zu organisieren. Das wird mit dem SV Darmstadt 98 klappen. Möglicherweise auch mit Näßlers Jugendverein. Ende April/Anfang Mai findet die Wahl des Mr. Gay World in Südafrika statt, im Juli wird Mr. Gay Europe im britischen Newcastle gekürt. Näßler hat die Termine fest im Kalender, so wie die 18. Eurogames im August. Es wird also spannend und ereignisreich.

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