Kriminachmittag der Awo mit Dr. Jürgen Richter

Die 1920er Jahre in Berlin beschrieben

Gespannt hören die Besucher des Awo-Kriminachmittags Dr. Jürgen Richter zu, der in der Begegnungsstätte Riedhof erzählt. Foto: Schieder

Sachsenhausen (ms) – Es ist inzwischen schon eine Tradition bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Sachsenhausen im Herbst die Veranstaltungssaison mit einem Kriminachmittag und Dr. Jürgen Richter, dem Kreisgeschäftsführer der Awo Frankfurt, zu eröffnen.

So hatten sich am Samstag wieder viele Mitglieder und Freunde der Awo in der Begegnungsstätte Riedhof in der Mörfelder Landstraße eingefunden.

Richter berichtete und erzählte zum Thema „100 Jahre Arbeiterwohlfahrt“ über soziale Probleme und Kriminalität in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges, also in den 1920er Jahren. Alles drehte sich darum, wie sicher die „gute alte Zeit“ war. Für den gebürtigen Berliner war es selbstverständlich, dass es um Kriminalfälle, Großstadtlyrik, Gassenhauer und Geschichten aus der deutschen Hauptstadt ging.

Viele der sozialen Probleme dieser Zeit hingen unmittelbar mit der galoppierenden Inflation zu Beginn der 20er zusammen. Ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg niemand danach fragte, woher zum Beispiel Zigarettenpäckchen kamen, denn die waren eine kostbarere Währung als Geld.

Untermalt wurden diese Ausführungen mit Gedichten von Walter Nehring und Otto Reuter. Ein beredtes Denkmal der Situation, so Richter, sei der Film „Berlin – Symphonie einer Großstadt“. Der Potsdamer Platz war schon damals ein Dreh- und Angelpunkt der Metropole. Heute biete er zwar ein anderes Bild, doch sei vieles nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg – wie das Hotel Adlon – wieder aufgebaut worden.

Weiter ging es mit Gedichten von Ringelnatz, Erich Kästner, Tucholsky und Theobald Ziegler. Dann ging Richter auf die Kriminalstatistik ein. Es gab die spektakulären Massenmorde, S-Bahn-Morde und das als Rennverein organisierte Verbrechen.

Richter umrahmte das mit Liedern von Otto Reuter und Claire Waldoff, Lilian Harvey und Marlene Dietrich. Die letzten beiden waren wegen ihres Widerstandes gegen die Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings lange Zeit nicht mehr „in“.

Neben den Massenmorden erregten die Brüder Sasse als Bankräuber Aufsehen. Sie drangen durch einen Tunnel in den Tresorraum einer Bank ein und räumten ihn aus.

Fast zwei Stunden unterhielt Richter das begeisterte Publikum, das nicht mit Beifall sparte. Die Vorsitzende Otti Altmann dankte ihm und wies dann auf die nächsten Veranstaltungen hin: Am 2. November findet in Oberursel im Traute- und Hans-Matthöfer-Haus eine Infoveranstaltung „Dement, aber nicht bescheuert“ mit Christiane Link statt. Mit Bussen können die Sachsenhäuser dorthin fahren. Wer teilnehmen möchte, meldet sich bei Karin Geiger unter Z 069 638476 an.

Für den 8. Dezember ist das Weihnachtstreffen mit Jubilarehrung in der Begegnungsstätte Riedhof geplant. Anmeldung dafür ab 1. November bei Otti Altmann unter Z 069 618744.

Am 11. Januar 2020 startet dann die Jahresauftaktveranstaltung der Awo mit Hansi Großmann.

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