Menschen mit Behinderung entscheiden mit

„Wohnen wie ich will“ startet

Thomas Schmitter (von links), Andreas Schadt und Daniela Birkenfeld bei der Besichtigung der Wohnungen in der Bolongarostraße. Foto: Mohr

Praunheim/Höchst/Niederursel (zmo) – Es hat ein wenig länger gedauert als erwartet, bis Ideen und Umzug der Verantwortlichen und Bewohner der Praunheimer Werkstätten (PW) umgesetzt werden konnten.

Im Februar aber soll es endlich soweit sein: Dann werden 15 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, aus der stationären Wohnanlage Niederursel in ihre neuen Wohnungen in der Höchster Bolongarostraße einziehen. Unerwartete Probleme an der Baustatik des alten Gebäudes führten zu dieser Verzögerung, damit auch zur Ungeduld der zukünftigen Mieter.

„Nun aber freuen sich alle Neumieter riesig, dass sie in Kürze dort wohnen können, wo sie es sich gewünscht haben. Wurden ihnen die täglichen Entscheidungen bislang von Betreuern abgenommen, können sie nun ihr eigenständiges, selbstbestimmtes Leben führen mit allen Rechten und Pflichten“, sagte Geschäftsführer Andreas Schadt bei der Besichtigung der neuen Wohnungen. Ähnlich sieht das Stadträtin Daniela Birkenfeld (CDU) die in dem Umzug eine Menge Verbesserungen sieht. „Es sind ja nicht nur infrastrukturelle Veränderung, sondern bei vielen von ihnen auch eine neue Freiheit, die sie vorher so nicht kannten. Sie wohnen nun mitten in der Stadt und können ihr Leben selbst bestimmen“, sagte die Stadträtin, die damit auch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) umgesetzt sieht, das gleichberechtigte, volle und wirksame Teilhabe sowie selbstbestimmte Lebensführung von Menschen mit Behinderungen vorsieht.

Die Umsetzung Behinderter, ein eigenständiges Leben führen zu können, gehört auch bei PW zu den herausragenden Aufgaben. „Wir wollen gemeinsame Orte für Menschen mit und ohne Behinderung. Menschen mit Behinderungen sollen selbst entscheiden, welche Hilfe zu ihnen passt: Das Projekt „Wohnen wie ich will“ soll den Menschen helfen, ein so normales Leben wie möglich zu führen“, erklärt PW-Geschäftsführer Andreas Schadt: „Die PW wird künftig nicht mehr gleichzeitig als Vermieter und Anbieter von Assistenzleistungen auftreten. Wir arbeiten mit Vermietern und Wohnungsbaugesellschaftern zusammen, die eine Versorgung mit Wohnraum von Menschen mit Behinderung in Frankfurt ermöglichen. Alltagsassistenz, Pflege, Gestaltung des Tages, Leben und Wohnen: Für diese Bereiche entwickeln wir gerade Module, die den fachlichen und gesetzlichen Vorgaben gerecht werden. Eine Projektgruppe erarbeitet ein Assistenzmodell als Konzept sowie eine Umsetzungsempfehlung für die Einführung modularisierter Angebote. Geschäftsführung, Betriebsrat, Angehörigenvertreter und Klienten Vertreter bestimmen hier in hohem Maße mit“, sagt Schadt.

Für die 15 Neubewohner beginnt nun aber erst einmal neues, zwangloses Leben ohne stationäre Betreuung. Die Wohnungen sind entsprechend unterschiedlicher Behinderungen so modifiziert, dass alles leicht, selbstständig aber auch barrierefrei zu erreichen ist. Es haben sich Wohngemeinschaften gebildet, es gibt aber auch Personen, die allein wohnen möchten. Ein Gemeinschaftsraum ist für alle da. Sie können kommen und gehen, wann sie wollen. Zur Integration in die neue Umgebung oder für Hilfe steht in den ersten Monaten ein Ansprechpartner parat.

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