Anwohner haben es satt

Spielmannstraße: Seit sechs Jahren Kampf gegen Müllhalde

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Die Anwohner ärgern sich über Sperrmüll: Fenster, Bretter und Farbeimer, die fast jede Nacht heimlich vor dem Ausgang abgeladen werden und diesen versperren.

Nied (jdr) – Wenn Lilli Kuch aus ihrem Fenster in der Spielmannstraße in Frankfurt-Nied blickt, schaudert es sie fast jedes Mal. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, an der Ecke zur Mainzer Landstraße, stapelt sich der Sperrmüll.

Sogar ganze Autofront-Teile finden sich auf der illegal beladenen Müllhalde in Nied wieder.

Und das illegal: „Fast jede Nacht kommt hier etwas Neues dazu. Es standen schon alte Kühlschränke und Waschmaschinen hier. Immer wieder werden Glasscheiben oder Fenster abgelegt, die dann zersplittern. Besonders für vorbeilaufende Kinder sind die Scherben gefährlich“, sagt die Rentnerin, die seit 30 Jahren in der Straße wohnt. Früher habe das Haus der darin befindlichen Sparkasse gehört. „Damals war in der Einfahrt alles tipptopp. Doch seit geraumer Zeit ist die Bank nur noch Mieter. Das Haus wurde vor sechs Jahren verkauft“, hat sich Lilli Kuch informiert. Seitdem existiere die Müllhalde in der Spielmannstraße, in der vor Kurzem sogar ein Teil einer Autofront abgelegt wurde. „Man muss sich wirklich schämen, wenn man hier Besuch bekommt“, sagt Kuch: „Dieser Müll ist eine Katastrophe. Die Leute, die zu uns kommen, fragen schon manchmal ,Wo wohnt ihr denn hier? Das sieht ja aus wie auf einer Müllhalde.’“

Weil sie und andere Anwohner den Zustand in ihrer Straße als echtes Ärgernis empfinden, macht sich Lilli Kuch schon seit Jahren für sich und ihre Nachbarn stark. Seit 2013 ruft sie regelmäßig beim Umweltamt Frankfurt an, um es über den Stand in der Spielmannstraße zu informieren. Sie hofft, dass die Müllhalde vor ihrem Fenster irgendwann ganz verschwindet.

Auch ein kompletter Satz Autoreifen lag schon in dem Vorhof.

„Das Umweltamt schickt auch ab und zu einen Müllwagen vorbei. Erst vor ein paar Wochen war einer da und hat einiges mitgenommen.“ Trotzdem bleibe meist auch ein Teil des Unrats zurück. „Außerdem dauert es ja nie lange, bis wieder etwas Neues dazu gekommen ist“, sagt Kuch. Richtig in den Griff zu bekommen sei die Situation bisher nicht: „Es ist vergebene Liebesmüh’, auch wenn ich fast alle zwei Wochen mit dem Umweltamt spreche. Innerhalb der vergangenen sechs Jahre kümmert sich mittlerweile der dritte Sachbearbeiter um den Fall, aber dauerhaft tut sich nichts“, bedauert die Anwohnerin. „Manchmal kommt auch ein Mann, der räumt den Müll an die Seite, aber kurz danach wühlen wieder Leute nach etwas Brauchbarem und es herrscht sofort wieder Chaos. Auch werfen ab und zu Jugendliche ihre Pizzakartons dazu. Es ist ja sowieso schon vermüllt dort, denken sie vielleicht.“ Das ziehe dann auch noch Ratten an.

Martin Müller, Sprecher des Umweltamts Frankfurt, weiß um den Sachverhalt in der Spielmannstraße „Allerdings sind die Sanktionsmöglichkeiten beschränkt, weil die Fläche eine Privatfläche ist“, sagt er. Habe sich der Sperrmüll auf dem öffentlichen Gehweg befunden, habe das Umweltamt umgehend die FES informiert und um Beseitigung gebeten. „Mehrfach wurde der Eigentümer des Hauses angeschrieben und aufgefordert den Sperrmüll zu beseitigen“, sagt Müller: „Dieser hat aber nie auf die Schreiben des Umweltamts reagiert.“

Deshalb appelliert Müller an die Anwohner: „Um in solchen Fällen Bußgeld-Verfahren einleiten zu können, wäre es hilfreich, dass Nachbarn, die Fremde beim Abladen von Müll beobachten, dies fotografieren, beim Ordnungsamt zur Anzeige bringen und gegebenenfalls als Zeuge zur Verfügung stehen.“

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