Besuch in der Porzellanmanufaktur Höchst

Von der Rohmasse bis zum „guten Geschirr“

Die Gästeführerin informierte in der Manufaktur, wie die „Rohmasse“ in die Formen kommt und welche weiteren Arbeitsvorgänge anstehen. F.: p

Höchst (red) – 20 Personen waren der Einladung von Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Birkert gefolgt, sich über die Herstellung des „Weißen Goldes“ vom Main in der Höchster Porzellanmanufaktur zu informieren.

Die Höchster Porzellanmanufaktur wurde 1746 als „Kurfürstlich-mainzische Porzellanmanufaktur“ gegründet. Sie ist die zweitälteste Manufaktur für Porzellan in Deutschland und die einzige in Hessen.

Die Manufaktur hat eine wechselvolle Geschichte: Nach der Gründung wurde sie bereits 1796 wieder geschlossen. 1946 wird die Manufaktur wieder ins Gespräch gebracht und neu gegründet. Die Höchst-AG war Inhaber und größter Förderer der Manufaktur. Das Ende der Höchst-AG und die dann folgende Selbstständigkeit als eigenständiges Unternehmen macht der Manufaktur bis heute wirtschaftlich zu schaffen. Ein wichtiges Abschiedsgeschenk der Höchst-AG war die Schenkung des Gebäudes an der Palleskestraße für die Weiterentwicklung der Porzellanmanufaktur.

Die Gästeführerin zeigte den Besuchern die verschiedenen Phasen des Produktionsprozesses: Von der Herstellung des „Rohmaterials“, dem Füllen der Formen, dem Brennvorgang, der Bearbeitung des Materials durch die Mitarbeiter und zum Abschluss der Bemalung der verschiedenen Produkte und den erneuten Brennvorgängen.

Klar wurde außerdem, dass es keine Garantie gibt, dass jedes Produkt durch den Brennvorgang auch zu „Bruch“ werden kann. Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer von der Vielfältigkeit der Arbeitsvorgänge und deren komplexen Strukturen. „Jetzt versteht man, warum Porzellan nicht billig ist und sein kann“, sagte eine Teilnehmerin. Es ist eine sehr anspruchsvolle technische und künstlerische Handwerksarbeit. „Die Führung hat uns für die Herausforderungen des Produktionsprozesses sensibel gemacht“, sagte Reinhard Birkert. Am Ende stellte sich die Gruppe die Frage, warum Porzellan nicht mehr die gleiche Wertschätzung wie früher hat. Dafür wurden gesellschaftliche Veränderungen angeführt, etwa, dass es die Großfamilie, die am Sonntagstisch gemeinsam das Essen zu sich nimmt, nur noch selten gibt. Das „gute Geschirr“ bleibe eher im Schrank, der Trend gehe eher zu Fingerfood und Schnellimbiss. Trotzdem gibt es auch heute noch einen Markt für das Porzellan, aber auf andere Art.

Wer sich weiter mit dem Thema Porzellan beschäftigen will, kann das Porzellan Museum Frankfurt im Kronberger Haus in Höchst, Bolongarostraße 152, besuchen.

Die etwa 1.500 im Kronberger Haus ausgestellten Fayencen und Porzellane geben einen umfassenden Einblick in die Vielzahl der Höchster Formen und Dekore.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare