Infraserv Höchst lässt Entscheider zu Wort kommen

Mutig den eigenen Weg gehen

Mut beeinflusst ihr Unternehmertum (von links): Benedikt Böhm, Stefan Messer, CEO der Messer Group, Moderator Lothar Meier und Heinz-Walter Große, früherer Vorstandsvorsitzender bei B. Braun Melsungen. Foto: Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, 2019/p

Höchst (red) – Ob er sich selbst als mutig bezeichnet? Extremskibergsteiger Benedikt Böhm, einer der Keynote-Speaker bei der diesjährigen „Perspectives“, macht sich die Antwort nicht leicht.

Er habe sich den Mut eher antrainiert, sagt der Sportler, der mit möglichst wenig Gepäck möglichst schnell 8000er erklimmt, um sie mit Skiern wieder hinunterzurasen. Bei dem Branchenevent für den Chemie- und Pharmastandort Deutschland, zu dem Infraserv Höchst zum siebten Mal eingeladen hat, berichtet der Unternehmer auch darüber, wie die als Extremsport überlebenswichtige Fähigkeit, Risiken abzuschätzen, sein unternehmerisches Tun beeinflusst.

Diesmal stand die „Perspectives“ unter dem Motto „Mut“. „Ich freue mich, dass sich das Format so positiv entwickelt hat“, begrüßte Infraserv-Geschäftsführer Joachim Kreysing die rund 80 Gäste. Der Name „Perspectives“ sei für die Veranstaltungsreihe nicht zufällig gewählt.

„Wir wollen unterschiedliche Sichtweisen kennenlernen und uns damit auseinandersetzen“, sagt Kreysing. „Das coolste an Regeln ist, dass man sie brechen kann“, begann Heinz-Walter Große seine Ausführungen über die Erfahrungen, die er bei B. Braun Melsungen gemacht hat. Der Finanz-Fachmann war bei dem Unternehmen, das weltweit 64.000 Mitarbeiter zählt und einen Jahresumsatz von sieben Milliarden Euro vorweisen kann, auch für das Personal verantwortlich. „Ich hatte es mir zum Ziel gesetzt, das von Organigrammen geprägte ‚Kästchendenken‘ einzelner Abteilungen zu überwinden“, berichtete er. Ein Weg, der Mut erforderte und von Widerständen geprägt war, aber letztlich zum Erfolg beigetragen hat. Auch Stefan Messer, CEO der Messer Group, hat turbulente Zeiten durchlebt. Er führte die Zuhörer durch die wechselhafte Geschichte des 1898 gegründeten Unternehmens, das seit 2004 wieder von der Familie Messer geführt wird. Nach den Keynote-Speakern gaben weitere Redner Einblicke in die unternehmerische Praxis, in der Mut und Ideenreichtum wichtig sind.

Markus Rarbach, Head of Business Line Biofuels und Derivates bei Clariant, stellte ein Projekt vor, bei dem aus landwirtschaftlichen Abfallstoffen fortschrittliche Biokraftstoffe hergestellt werden. Das zu 100 Prozent klimaneutrale Gemisch ist vielfältig einsetzbar und besonders umweltschonend. Ein bisschen Mut sei schon erforderlich gewesen, um diese Innovation auf den Weg zu bringen. „Das Projekt war allerdings auch strategisch gut vorbereitet“, sagte Rarbach.

Wie in den Anfängen der industriellen Chemie begann die Unternehmer-Karriere von Gerwin Schüttpelz, CEO der cph Deutschland Chemie. Ursprünglich lieferte er Etikettenkleber an Kunden aus, ehe er sich dazu entschied, das Produkt selbst herzustellen – in einem Waschzuber. So entstand ein erfolgreiches Unternehmen, das 1983 den ersten biologisch abbaubaren Klebstoff auf den Markt brachte und verschiedene Höhen, aber auch Tiefen durchlebte. „Mut ist, den Möglichkeiten mehr Glauben zu schenken als dem Erlebten“, formulierte Schüttpelz seine Definition.

Auch die Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. „Es gibt zehn hoch 32 Möglichkeiten, einen A3 zu konfigurieren“, berichtete Henning Löser, der das Production Lab von Audi leitet. Um die Produktion flexibler zu machen und die Transformation von der Innovation zur Produktion zu ermöglichen, müsse man auch ungewöhnliche Wege beschreiten. „Dabei kann auch mal etwas schiefgehen, etwa wenn bei einem Update im laufenden Betrieb zu viele Daten in das System geschickt werden und die Produktion für zehn Minuten stillsteht. Aber das gehört dazu.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare