Ein Paradies für junge Tierfreunde

Lebenshof Sindlinger Glückswiese beteiligt sich am Ferienkarussell

Daniela Birkenfeld (Mitte) mit Josua auf Artek und Julia auf dem Lebenshof Sindlinger Glückswiese. Foto: Faure

Sindlingen (jf) – Gleich geht es los, der elfjährige Josua sitzt aufrecht auf Arek, das Pferd wird von Ferienhelferin Julia geführt und wartet geduldig an der Spitze des sechs Tiere umfassenden Zuges.

An diesem Vormittag steht eine Reiterrallye auf dem Programm, bewusst wird an diesem heißen Tag der Ausritt, auf dem es einiges zu erkunden gibt, auf die Vormittagsstunden gelegt, um sowohl Menschen als auch Tiere nicht über Gebühr zu belasten. „Eigentlich verkraften Kinder und Jugendliche die Hitze besser als Erwachsene“, sagt Isabell German, taucht ein Handtuch in einen großen Wasserbottich und legt es sich anschließend um die Schultern. Gute Idee, um Stadträtin Daniela Birkenfeld den großen Hof und die Tiere zu zeigen.

Auf dem weitläufigen und mehrfach unterteilten Gelände der Sindlinger Glückswiese leben rund 100 Tiere: 26 Pferde, zwei Rinder, drei Esel, Schafe, Ziegen, Schweine, Meerschweinchen, Gänse, Hühner, Enten, Hasen, Hunde. „Ich habe das Gelände 2006 übernommen“, erklärt die studierte Biologin, die seit ihrem sechsten Lebensjahr mit Pferden umgeht. Noch während ihres Studiums konnte sie ihren Traum von einem eigenen Offenstall und ihre Ideen von Pferdehaltung verwirklichen.

Aus einem Matschloch wurde eine Oase mitten in der Stadt, nach und nach kamen weitere Flächen und immer mehr Tiere dazu. Es geht darum, Leben zu schützen. Das von Ziegen beispielsweise, die geschächtet werden sollten. Oder auch das von Wachtelküken. Vor einigen Tagen kamen Leute mit zehn Küken im Karton vorbei, drückten Isabell Germann die piepsende, lebende Fracht in die Hand – „Wir fahren jetzt in den Urlaub und können uns nicht kümmern“ – und waren schnell wieder verschwunden.

„So geht es natürlich nicht“, äußert die engagierte Tierschützerin und schüttelt noch im Nachhinein ärgerlich den Kopf. Inzwischen schnüffelt Rudi, eines von zwei männlichen Schweinen, an Germanns Schuh.

„Alle Tiere hier sind an Erwachsene und Kinder gewöhnt, die Kinder lieben die Tiere, vor allem die zwar riesigen, aber sehr ruhigen und zutraulichen Rinder Benny und Helene“, bemerkt Germann, rangelt ein bisschen mit einem rauflustigen Ziegenbock und geht dann weiter über das Gelände. Seit 2014, in dem Jahr wurde die Sindlinger Glückswiese von der Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft (LAG) für artgerechte Pferdehaltung ausgezeichnet, gibt es auf dem Gelände öffentliche Angebote: Darunter Kinder-Pferdezeit, Kindergeburtstag, Natur- und Tierthementage für Kitas und Schulen, geführte Ausritte, Kuschelzeit für Große und Kleine, therapeutisches Reiten. Eine Anmeldung ein paar Tage vorher ist erforderlich.

Germann hat alle erforderlichen Trainerlizenzen und Reitabzeichen und darf Tierpfleger ausbilden – derzeit ist ein Junge in der Lehre, es gibt mit Andrea Groß eine feste Mitarbeiterin und weitere Helfer, denen die Arbeit mit den Tieren Spaß macht. „Uns geht es darum, das Leben der Tiere zu schützen, auf dem Hof dürfen sie alt werden. Kein Tier wird bei uns geschlachtet. Diese Philosophie wollen wir den Kindern mit auf den Weg geben“, erläutert Germann.

Für die Woche auf der Sindlinger Glückswiese als Teil des Ferienkarussells haben sich 25 Kinder zwischen sieben und 15 Jahren angemeldet, das Angebot war heiß begehrt schnell ausgebucht – nicht nur Mädchen lieben Pferde, auch fünf Jungen interessieren sich für die Tiere.

Ein weißer Hahn plustert sich mächtig auf, reckt den Kopf in die Höhe und kräht. Ein stattliches Schaf sieht das, schüttelt sich und niest. Vor dem Gatter warten drei schwarze Hunde auf die Rückkehr der Chefin. Und auf Streicheleinheiten. Die sie natürlich bekommen. Glückswiese halt.

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