Schulseelsorge erinnert an Priester

Josef Hermann Wehrle: Was hinter seinem Stolperstein steckt

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Schulseelsorger Clemens Weißenberger mit Schülerinnen bei der Stolpersteinverlegung für Wehrle.

Höchst (red) – Die katholische Schulseelsorge Höchst erinnert an den ehemaligen Schüler der Leibnizschule, Hermann Josef Wehrle. Er wurde, als Priester verfolgt, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.

Vor der Leibnizschule wurde ihm 2010 zum Gedenken ein Stolperstein verlegt. Sein Todestag jährt sich am 14. September zum 75. Mal. Deshalb und wegen des anstehenden zehnten Jahrestags der Verlegung erinnert Schulseelsorger Clemens Weißenberger an den wenig bekannten Höchster Abiturienten, der in den Mühlen der Verfolgung durch die nationalsozialistische Terrorherrschaft so vieler Priester auch sein Leben gelassen hat.

In Gedenken an Wehrle liegt vor der Leibnizschule ein Stolperstein, eine Aktion des Künstlers Gunter Demnig zum Gedenken an Verfolgte der Naziterrorherrschaft. Die Leibnizschule und das Friedrich Dessauer Gymnasium, sagt Weißenberger, sind Hermann Josef Wehrle eng verbunden. Weißenberger hofft, dass diese außergewöhnliche Persönlichkeit nicht nur in den katholischen Gemeinden Frankfurts, sondern auch in den Schulen als Beispiel der Zivilcourage, des Widerstands und des Gottvertrauens gedacht werden.

Hermann Josef Wehrle wurde in Nürnberg am 26. Juli 1899 geboren. Sein Vater bekam bei der ehemaligen Höchst AG Arbeit, weswegen die Familie dort hinzog. Er verbrachte seine Jugend in der damals selbstständigen Kreisstadt. Am Leibnizgymnasium hat Wehrle 1917 das Abi abgelegt, bevor er für ein Jahr zum vaterländischen Hilfsdienst eingezogen, wurde. Schon früh stand sein Wunsch fest, Priester zu werden. Wehrle wandte sich an das Seminar in Fulda, an dem er aufgenommen, ihm aber seine Motivation infrage gestellt wurde. Er musste das Seminar verlassen, studierte ab 1922 in Frankfurt katholische Weltanschauung, Philosophie, Soziologie, Sozialwissenschaften und Geschichte und promovierte in Philosophie. Er war als Privatlehrer und Erzieher tätig, hielt sich mit Vorträgen und Veröffentlichungen über Wasser. Seinen Wunsch, Priester zu werden, behielt er bei.

Ab 1936 studierte Wehrle Theologie, wobei die Repressionen des Nazi-Regimes und der Ausbruch des zweiten Weltkriegs ihm Steine in den Weg legten. In München konnte er seinen Traum verwirklichen und zog 1941 ins Priesterseminar ein. Er empfing im September 1941 die Diakonenweihe und wurde im April 1942 zum Priester geweiht.

Als zweite Kaplanstelle kam er nach München. Dort trafen sich die Verbündeten des Kreisauer Kreises. Als gesuchter Beichtvater wendete sich Freiherr von Lenrod an ihn, der in der Gewissensnot war, als Soldat und Offizier einen Eid auf Hitler abgelegt zu haben, aber erkannt hatte, dass Deutschland nur über den Tod des Diktators die Chance zu einem schnellen Ende des Krieges hatte. Wehrle verneinte die Frage, ob ein Mitwirken bei einem Tyrannenmord durch die katholische Kirche statthaft sei. Nach dem Attentat wurde von Lenrod verhaftet – auch Wehrle, obwohl er nur Zeuge im Prozess gegen von Lenrod sein sollte. Das gültige Recht und die entlastende Aussage von Lenrods halfen ihm nicht, er wurde durch den Volksgerichtshof des Hochverrats angeklagt. Es kam zur Verurteilung: Wehrle wurde noch am selben Tag der Verhandlung 1944 hingerichtet.

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